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Kepler-452b: Nasa entdeckt "Cousin" der Erde

24.07.2015 | 10:00 Uhr |

Die Nasa hat mit Kepler-452b einen Erd-ähnlichen Planeten in einer habitablen Zone entdeckt. Auf dem Planeten könnte Leben möglich sein.

Die Nasa hat einen älteren Cousin der Erde entdeckt. Das teilte die US-Weltraumbehörde mit. Der neu entdeckte Planet trägt den Namen Kepler-452b, weil er mit Hilfe des im Jahr 2009 ins All geschossenen Kepler-Weltraumteleskops (benannt nach dem Astronomen Johannes Kepler) entdeckt wurde.

Das ist das Besondere an Kepler-452b

Kepler-452b kreist genauso wie die Erde um eine Sonne beziehungsweise um einen Sonnen-ähnlichen Stern, wie es die Nasa beschreibt. Nur eben in einer weit entfernten Sonnensystem. Das Kepler-452-System befindet sich 1400 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Schwan. Das wäre an und für sich noch nicht so bemerkenswert.

Größenvergleich verschiedener Sternensysteme.
Vergrößern Größenvergleich verschiedener Sternensysteme.
© Nasa


Aber Kepler-452b ist für die Astronomen deshalb so spannend, weil er sich in einem Abstand zu seiner Sonne Kepler-452 (also ohne das „b“ im Namen) befindet, die flüssiges Wasser auf dem Planeten möglich machen könnte. Der neu entdeckte Planet kreist also nicht zu nahe um die Sonne, so dass alles Wasser verdampft. Und er ist auch nicht zu weit entfernt, so dass Wasser nur in gefrorenem Zustand vorliegt – Pluto lässt grüßen. Flüssiges Wasser wiederum ist eine wichtige Voraussetzung für Leben.

Zudem sieht die Nasa die Größe von Kepler-452b als Erd-ähnlich an. Kepler-452b ist im Durchmesser um 60 Prozent größer als die Erde. Also eine super-große Erde. Seine Masse und Zusammensetzung sind noch nicht geklärt, aber Planeten dieser Größe sind vermutlich steinig.

Noch elf weitere Himmelskörper kreisen übrigens in dieser vergleichsweise „lebensfreundlichen“ Umgebung wie Kepler-452b.

Die Sonne: Kepler-452

Kepler-452b benötigt 385 Tage für eine Umkreisung seiner Sonne. Kepler-452 nennen die Nasa-Wissenschaftler die zugehörige Sonne. Sie ist sechs Milliarden Jahre alt und damit 1,5 Milliarden Jahre älter als unsere Sonne. Die Temperaturen sollen auf beiden Sonnen aber identisch sein. Keplers Sonne leuchtet aber um 20 Prozent heller als unser Lebensspender und hat einen um zehn Prozent größeren Durchmesser. Rückschlüsse auf das Alter des Sterns und seine Größe lassen vor allem Messungen des Spektrums des von ihm ausgesandten Lichts zu und seine Helligkeit. Größe und Entfernung des Planeten errechnen die Wissenschaftler aus Bedeckungen, wenn der Planet zwischen uns und seinem Zentralgestirn steht sowie leichten Schwankungen der Position des Sterns, die auf die Gravitationskräfte seines Begleiters zurück gehen.

Einige Erd-ähnliche Planeten nebeneinander gereiht, von links nach rechts: Kepler-22b, Kepler-69c, der jetzt entdeckte Kepler-452b, Kepler-62f und Kepler-186f. Ganz rechts unsere Erde.
Vergrößern Einige Erd-ähnliche Planeten nebeneinander gereiht, von links nach rechts: Kepler-22b, Kepler-69c, der jetzt entdeckte Kepler-452b, Kepler-62f und Kepler-186f. Ganz rechts unsere Erde.
© Nasa

Erste Stimmen zur Neu-Entdeckung

John Grunsfeld, Associate Administrator vom NASA Science Mission Directorate: “Dieses aufregende Ergebnis bringt uns einen Schritt näher bis zur Entdeckung einer Erde 2.0".

Jon Jenkins, leitender Kepler-Data-Analysit am NASA Ames Research Center im kalifornischen Moffett Field, leitet das Team, das Kepler-452b entdeckte: „Wir halten Kepler-452b für einen älteren, größeren Cousin der Erde. Er bietet uns die die Gelegenheit über die Entwicklung der Erd-Umgebung nachzudenken”.

Ob sich auf Kepler tatsächlich flüssiges Wasser befindet und ob Kohlenstoffmoleküle sich so verkettet haben, dass sie sich selbst reproduzieren können, ist höchst ungewiss und harrt weiterer Untersuchungen. Ein Beweis für Leben, wie wir es kennen, wäre eine Sauerstoffhaltige Atmosphäre des Planeten, denn dann hat bereits Photosynthese eingesetzt. Albert Einstein wird der Satz nachgesagt, dass es nur die zwei Möglichkeiten gäbe, wir wären allein im Universum oder eben nicht. Beide Aussichten seien aber gleichermaßen erschreckend. Wie viel Glück die Erde hatte, um eine lebensfreundliche Umgebung zu bieten, hat in dieser Woche der Planetenforscher Tilman Spohn der Süddeutschen Zeitung verraten . Nicht nur flüssiges Wasser sei erforderlich, auch ein Magnetfeld, das vor schädlicher Strahlung aus dem Weltraum schützt sowie die Plattentektonik, die dafür sorgt, dass sich die Oberfläche des Planeten in geologischen Zeiträumen permanent erneuert. Spohn meint auch, dass wir Aliens besser nicht auf uns aufmerksam machen, eine Botschaft in Richtung Kepler-452b zu schicken, könnte eine dort womöglich hausende Zivilisation auf dumme Gedanken bringen...

Womöglich ist Kepler-452b aber schon längst von seinen mehr oder weniger intelligenten Bewohnern unbrauchbar gemacht worden, Zeit genug hätten sie dafür gehabt. Aber sollten sich auf Kepler dort Lebewesen derzeit ähnliche Fragen stellen wie wir, würden sie einen endgültigen Beweis unserer Existenz erst in beinahe 1400 Jahren erhalten, wenn die von uns produzierten Radiowellen Kepler erreicht haben. Auf eine Antwort müssten wir weitere 1400 Jahre warten. Hoffentlich haben wir bis dahin nicht unseren Planeten ruiniert.

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