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Haderthauer will World of Warcraft verbieten

30.04.2009 | 11:29 Uhr |

Bayerns Sozialministerin Haderthauer möchte World of Warcraft verbieten.

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Die Bild-Zeitung hat ein weiteres Spiel als so genanntes Killerspiel eingestuft: World of Warcraft . In ihrer gestrigen Ausgabe macht die München-Ausgabe des Blattes einen Artikel mit folgender Schlagzeile auf: »World of Warcraft: Haderthauer will das Killerspiel verbieten« Nun mag es durchaus stimmen, dass viele Spieler in World of Warcraft mehr Kreaturen zur Strecke gebracht haben als in jedem anderen Spiel. Doch der Hintergrund des Artikels ist ein komplett anderer: Bayerns Sozialministin Christine Haderthauer (CSU) hatte am Dienstag einen Vorschlag ins Kabinett eingebracht, die Kriterien der USK-Richtlinien überprüfen zu lassen. Sie wiederholt dabei altbekannte Forderungen des niedersächsischen Kriminologen Dr. Christian Pfeiffer. So macht sie bei World of Warcraft einen hohen Suchtfaktor aus. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK hält sie zudem für ungeeignet zur Prüfung von Spielen. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte sie: »Das verfehlt seinen Zweck, Eltern sollten sich darauf nicht verlassen. Hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Die freiwillige Selbstkontrolle wird von der Medienwirtschaft bezahlt und besetzt.«

Christine Haderthauer (CSU)
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Haderthauser fügt hinzu: »Da findet eine Vorauswahl des Materials statt. Die schlimmsten Gewaltszenen bekommen die Gutachter oft gar nicht vorgelegt. Das Ergebnis sind Alters-Freigaben, über die die Gutachter selbst entsetzt sind, wenn sie das Spiel dann ganz sehen.« Auf Basis dieser Erkenntnisse möchte laut Aussagen der Bild-Zeitung die CSU zusammen mit den CDU-Kollegen aus Niedersachsen ein Rechtsgutachten erstellen lassen, ob man World of Warcraft nachträglich verbieten könne. Der Münchner Merkur, der ebenfalls von dieser Kabinettssitzung berichtete , gibt hingegen an, dass die bayerische Regierung für das weitere Vorgehen noch keine formalen Beschlüsse gefasst habe.

Über die USK weiß Frau Haderthauer nicht gut Bescheid. So wirkt ein Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB), die federführend für den Jugendschutz sind, in den Gutachtergremien der USK mit. Der hat ein generelles Vetorecht bei Entscheidungen und erteilt letzten Endes die Freigabe. Die Gutachter der USK sind darüber hinaus unabhängig. Sie sind nicht in der Spieleindustrie beschäftigt und haben als Pädagogen, Journalisten, Sozialwissenschaftler oder Jugendschutzbeauftragte Erfahrung in der Kinder- und Jugendarbeit gesammelt. Die Bock-zum-Gärtner-Geschichte trifft also kaum zu. Auch der Vorwurf der Vorauswahl der Szenen beruht nur auf einer Halbwahrheit: Bei der USK wird jedes Spiel einzeln von Spieletestern durchgespielt. Die erstellen eine Präsentation mit den für die Prüfung relevanten Inhalten. Für die Begutachtung stehen die Tester weiter zur Verfügung. Gutachter dürfen auf Wunsch einzelne Spielabschnitte selber spielen, wenn sie das für die Prüfung als notwendig erachten.

Warum wieder Spielaktionismus bei der CSU? Die Partei muss sich jetzt ganz besonders populistisch geben, um nicht bei der Europawahl am 7. Juni eine Schlappe zu erleiden. Denn die CSU tritt ohne ihre Schwesterpartei CDU zur Wahl an und muss dementsprechend bundesweit 5 Prozent erlangen, obwohl man sie nur in Bayern wählen kann. Damit das klappt, müssen viele Stimmen her.

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