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Kinderarbeitsvorwürfe gegen Apple, Samsung und andere

19.01.2016 | 12:42 Uhr |

Amnesty International wirft Apple, Samsung, Microsoft und weiteren Unternehmen vor, in ihren Produkten Kobalt aus dem Kongo einzusetzen, das Kinderarbeiter schürfen.

Der Vorwurf, den die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) erhebt, wiegt schwer: In High-Tech-Produkten von Apple, Samsung, Microsoft und anderen soll Kobalt enthalten sein, das aus einer Mine stammt, in der Kinder zur Arbeit herangezogen werden. Konkret soll eine in der Demokratischen Republik Kogo (Kinshasa) angesiedelte Tochter des chinesischen Unternehmens Huayou Cobalt Erze aus einer Mine gewinnen, in denen Kinder im Alter ab sieben Jahren arbeiteten. Das Unternehmen Congo Dongfang Mining International  liefere das Erz über seine Konzernmutter nach China und Südkorea, wo das Kobalt schließlich in der Fertigung lande. Dies habe eine Untersuchung von AI zusammen mit dem kongolesischen NGO Afrewatch ergeben .

Insgesamt 16 Unternehmen konnte man als Nutzer des auf zweifelhaft gewonnen Kobalts ausfindig machen, keines der Unternehmen sei sich bewusst gewesen, dass der Rohstoff aus dieser Quelle stamme. Lediglich Apple und Microsoft wollten auf die Anfrage von AI hin ihre Lieferketten überprüfen, konnten aber wie die 14 anderen Hersteller keine Dokumente vorlegen, die eine unabhängige Überprüfung zulassen würde.

Für ihre Untersuchungen befragten AI und Afrewatch 87 aktuelle oder ehemalige Arbeiter der von Congo Dongfang Mining International betriebenen Minen, darunter 17 Kinder im Alter von neun bis 17 Jahren. Diese berichteten davon, ohne nennenswerten Schutz bis zu 12 Stunden täglich für einen oder zwei US-Dollar (pro Tag) zu schuften, dabei teils schwere Lasten schleppen zu müssen und gesundheitsgefährdetem Staub sowie Chemikalien ausgesetzt zu sein. Vorwiegend seien sie über Tage eingesetzt und würden dort etwa Abraum aus der Mine auswaschen.

Kobalt löst Tantal ab, AI nimmt High-Tech-Unternehmen in die Pflicht

Das Übergangsmetall Kobalt galt bisher als "konfliktfrei", Minen würden anders als die für Coltan - aus denen das Metall Tantal gewonnen wird – nicht in Kriegsregionen liegen und zur Finanzierung von Bürgerkriegen genutzt werden. In seinem Supplier Responsibilty Report im Jahr 2014 bekräftigte Apple , kein Tantal aus Konfliktgebieten zu beziehen. Dies kann Apple lückenlos nachweisen, bei anderen Rohstoffen – vor allem Zinn – sei der Nachweis noch nicht lückenlos möglich. Voraussichtlich im Februar wird Apple eine aktualisierte Version des Supplier Responsibilty Report vorlegen.

Kobalt löst in der Halbleiterindustrie allmählich Tantal als Isolator zwischen den Kupferbahnen auf Chips ab, die immer dünner werden. Auch in Batterien von Elektroautos findet das Metall seinen Einsatz. In der DR Kongo sind etwa 50 Prozent des weltweiten Kobaltvorkommens zu finden, die ehemalige belgische Kolonie, von 1971 bis 1997 Zaire genannt, wird seit Jahrzehnten von brutalen Diktaturen gequält und von Bürgerkriegen zerrissen. Umweltverträglicher und konfliktfreier Abbau von Rohstoffen scheint per se im zentralen Afrika kaum möglich zu sein.

Amnesty legt daher den Finger in die Wunde: "Die glamourösen Schaufenster der Shops und das Hochglanzmarketing für technische Produkte stehen in starkem Kontrast zu Kindern, die Taschen voller Felsen schleppen und Minenarbeitern, die in engen, handgeschlagenen Schächten dauerhafte Lungenschäden riskieren", zitiert die Website der Organisation ihren Business & Human Rights Researcher Mark Dummett. Und weiter: "Millionen von Menschen genießen die Vorteile der modernen Technologien, fragen sich aber selten, wie die Produkte entstehen. Es ist für die großen Marken an der höchsten Zeit, etwas Verantwortung dafür zu übernehmen, wie die Rohstoffe für ihre profitablen Produkte geschürft werden."

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