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Kindle: Amazons elektronischer Reader für Bücher und mehr

21.11.2007 | 10:00 Uhr |

Die gesamte Bibliothek in der Tasche - das ist eines der größten Versprechen der eleketronischen Bücher. Amazon will diesen Traum für 399 US-Dollar mit Kindle erfüllen, nachdem in der Vergangenheit dedizierte eBook-Reader mit schöner Regelmäßigkeit am Markt gescheitert sind. Wie 2003 das Rocket eBook von Gemstar, die damalige Kritik: zu schwer, zu wenig Titel, zu graues Display. In New York erblickt nun Amazons Hardware-Kind das Licht der Welt - und soll alles richtig machen.

Stolz hat Jeffrey Preston Bezos , Gründer, Präsident und Geschäftsführer des Internet-Händlers Amazon, am Montag die ambitionierte Hardware des Versandhändlers präsentiert: den eBook-Reader Kindle , und mit diesem zusammen ein breites Angebot an eBooks. Damit folgen den Musikdownloads nun Buchdownloads, im Gegensatz zum iPod stand aber bisher keine am Markt etablierte Buch-Lese-Hardware bereit. Um elektronische Bücher an die Leser zu bringen musste also erst ein passendes Gerät her. Mit dem bisher noch zaghaft verbauten elektronischem Papier [ Wikipedia-Link ] steht seit einiger Zeit auch eine neue Monitor-Technologie zur Verfügung, die sich näher am Papier orientiert als bisherige Lösungen.  

Die Hardware

Kindle erinnert äußerlich an einen unförmig gewachsenen iPod der ersten Generation. Der Bildschirm schwillt auf sechs Zoll an und stellt vier Graustufen in einer Auflösung von 600 x 800 Pixeln dar. Mit 19,1 cm Höhe, 13,5 cm Breite und 1,8 cm Tiefe ist das weiße Gerät etwas größer als ein normales Taschenbuch und liegt mit 290 Gramm eher in der Hard-Cover-Gewichtsklasse. Eine vollständige Tastatur klebt unter dem Bildschirm. Amazon verspricht eine Woche Lesevergnügen bis zur nächsten Steckdosenladung. Bei eingeschalteter Funkübertragung muss das Gerät bereits nach zwei Tagen mit Strom gefüttert werden. Statt WLAN kommuniziert Kindle über das Mobilnetzwerk EV-DO, das in Amerika mit HSDPA konkurriert - ohne die Geldbörse des Lesers mit Gebühren bei einem Mobilfunkprovider zu belasten.  

Die Software

Das Gerät stellt lediglich ein eigenes Amazon-Format sowie ungeschützte Mobipocket-Bücher und reinen Text dar. Alle anderen Formate, wie HTML und DOC, muss der Anwender als Mail an Amazon schicken und konvertieren lassen. Weniger zickig geht Kindle mit MP3s und Audible-Hörbüchern um, die es klaglos abspielt. Kindle ist hauptsächlich auf die kostenpflichtigen Inhalte von Amazon ausgelegt, und das sind einige: Die digitale Bibliothek hält knapp 90.000 Titel dem lesehungrigen Kunden bereit, von den 112 Bestsellern der New York Times-Liste sind ganze 101 Werke vertreten. Bei der Preisstruktur orientiert sich Amazon ebenfalls an Apple, der "Normalpreis" eines Buch-Downloads beträgt 9,99 US-Dollar - und ist damit in der Regel deutlich preiswerter als eine gebundene Neuerscheinung. Ebenfalls im Download-Angebot: Zeitschriften und Weblogs. Während ein Abomodell bei Zeitschriften nicht unüblich ist, überrascht die kostenpflichtige Vermarktung von Weblogs, wobei Amazon verspricht, Blogger an den Umsätzen zu beteiligen.  

Die Aussicht

Kindle ist seit dem gestrigen Montag in den Vereinigten Staaten für 399 Dollar lieferbar - und nur dort. Einen Termin für den Rest der Welt nannte Amazon bisher nicht. Die Diskussion um den eBook-Reader wird vor allem auf der Produktseite selbst heftig geführt. Als Kritikpunkte kristallieren sich das geschlossene System, das Design und vor allem der hohe Preis heraus. Bild: Amazon

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