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Kleines Update: Mac-OS 9.1 kommt

07.12.2000 | 00:00 Uhr |

Spätestens im Januar dürfte Apple das neueste Update des Mac-Betriebssystems auf den Markt bringen. Inzwischen ist klar, dass es sich um ein reines Wartungs-Update handelt. Wichtige neue Funktionen sucht man vergeblich

Noch vor knapp einem Jahr hatte Apple-Chef Steve Jobs versprochen, man werde mit Hochdruck an Apples "wichtigstem Produkt", Mac-OS 9, arbeiten. Doch die Zeiten ändern sich, und immer mehr Entwickler sind mittlerweile mit der ehrgeizigen Aufgabe beschäftigt, bis zum Frühjahr 2001 ein finales Mac-OS X herauszubringen. Da bleibt für die Weiterentwicklung des aktuellen Betriebssystems nicht mehr viel Zeit übrig. Daher wird vermutlich spätestens Anfang Januar statt des ursprünglich geplanten "großen" Updates auf die Version 9.5 nur ein Wartungs-Update herauskommen, das in erster Linie Fehler beseitigt und die Integration neuerer Technologien wie USB und Firewire vorantreibt. Neue Funktionen, wie sie noch vor kurzem für das Update vorgesehen waren (siehe dazu Macwelt 9/2000, Seite 18), werden fehlen.

Die wichtigsten Neuerungen

Auch wenn Mac-OS 9.1 kaum neue Funktionen enthält, hat das Mac-Betriebssystem doch die eine oder andere Auffrischung erfahren. Die Entwickler wollten sich wohl doch nicht nur mit technischen Verbesserungen zufrieden geben, von denen man an der Oberfläche nichts mitbekommt.

Das "Fenster"-Menü

Fast jedes Programm hat es, nur im Finder musste man bislang ohne auskommen: ein Menübefehl, mit dem man das vorne liegende Fenster wechseln kann. Wer im Finder viel mit offenen Fenstern arbeitet, wird dieses Menü zu schätzen wissen - warum die Apple-Entwickler erst jetzt damit he-rausrücken, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Immerhin haben sie es, quasi als Entschuldigung, nicht bei einem schnöden Menü belassen, sondern bieten verschiedene Tastenkombinationen, die dafür sorgen, dass andere Fenster beim Fensterwechsel einklappen oder ganz verschwinden. Allerdings haben die Entwickler beim Platzieren des Menüs nicht viel Sachverstand walten lassen. Anstatt es neben das Programmmenü rechts oben in die Menüleiste zu packen, also dorthin, wo man zwischen den offenen Programmen umschaltet, haben sie es zwischen die Menüpunkte "Darstellung" und "Spezial" gesetzt, also an einen Ort, den man höchst selten aufsucht. In den Kontextmenüs fehlt die Möglichkeit, zwischen offenen Fenstern umzuschalten. So ist die Implementierung der an sich nützlichen Funktion nur halb geglückt.

Grössere Systemvielfalt

Gelungener ist da schon das neue Kontrollfeld "Startvolume". Während man als "Normalanwender" damit nur in Ausnahmefällen zu tun hat, bietet das neue Kontrollfeld allen, die mit mehreren Systemen und unterschiedlichen Konfigurationen arbeiten, einen neuen Komfort: Bislang ließ sich hier nur ein Volume mit einem gültigen System auswählen, nun können auf einem Volume unterschiedliche Systeme installiert sein, das Kontrollfeld erkennt sie und bietet die Möglichkeit, mit einem anderen System auf demselben Volume zu starten.


Insbesondere nach der Installation eines neuen Systems ist diese Funktion praktisch, kann man so doch per Knopfdruck zu seinem alten System zurückkehren. Die Vo-raussetzung dafür ist lediglich, dass man
eine saubere Neuinstallation des Systems vorgenommen hat. Für weniger erfahrene Anwender gibt es beim Wechseln des Systemordners immerhin den Hinweis, dass das "zu unerwarteten Ergebnissen führen" kann.

Aufgepeppte Kontrollfelder

Ohne neue Funktionen, dafür aber in neuem Design und komplett im Power-PC-Code geschrieben, präsentiert sich das Kontrollfeld "Allgemeine Einstellungen". Zudem haben es die Apple-Entwickler dafür ausgelegt, von mehreren Anwendern benutzt zu werden. Wer sich unter seinem Benutzernamen beim System anmeldet, findet dann auch die von ihm vorgenommenen Einstellungen in diesem Kontrollfeld vor. Schön gelöst ist das optische Feedback, das der Anwender bei seinen Einstellungen erhält. Je nach aktivierter Funktion für die Finder-Ansicht wird in einem kleinen Vorschaufenster angezeigt, was man gerade eingestellt hat.

Überarbeitet präsentiert sich auch das Kontrollfeld "Energie sparen". Über vier Reiter nimmt man nun seine Einstellungen vor, was zu mehr Übersicht über die vorhandenen Funktionen führt. Bei neueren Macs lässt sich außerdem eine Funktion deaktivieren, die häufig zu Verwirrung geführt hat. Drückt man beispielsweise beim Cube oder bei einem neuen iMac kurz die Einschalttaste, versetzt man den Mac in den Ruhezustand. Das ist praktisch, logisch ist es aber nicht, weshalb man diese Funktion nun ausschalten kann.
Den neuen Audiomöglichkeiten des Mac trägt das Kontrollfeld "Ton" nun Rechnung. So werden über USB angesteuerte Ausgabegeräte erkannt und entsprechend dargestellt, und auch 3D-Sound wird auf Systemebene besser unterstützt.

Lange Zeit überfällig, hier zu Lande aber weniger ein Thema, ist die Unterstützung von Kidsafe durch das Kontrollfeld "Mehrere Benutzer". Damit lassen sich jetzt restriktive Internet-Zugangsmöglichkeiten für jeden Anwender separat einstellen. Da diese allerdings nach wie vor auf US-amerikanische Seiten im Internet beschränkt sind, macht diese Funktion im deutschsprachigen Raum wenig Sinn.

Geteilte Drucker

Sinnvoller als Kidsafe und schon etwas länger verfügbar ist die Möglichkeit, anderen Anwendern über ein Netzwerk USB-Drucker zugänglich zu machen. In Mac-OS 9.1 ist das Kontrollfeld "USB Printer Sharing", das man sich auch von Apples Internet-
Site herunterladen kann, bereits integriert. Damit lassen sich alle USB-Drucker in ein Netzwerk integrieren, wie das bei den meisten Geräten mit serieller Schnittstelle bereits möglich ist. Voraussetzung ist, dass jeder Arbeitsplatz, der den Drucker nutzen will, das Kontrollfeld "USB Printer Sharing" installiert hat. Da der eigene Rechner dabei als Druck-Station dient, sollte man dies zwar nicht zur Regel werden lassen, für gelegentliche Ausdrucke - auf einem Farbdrucker beispielsweise - leistet die neue Funktion aber wertvolle Dienste.

Internet-Integration

Magerer als ursprünglich geplant ist in Mac-OS 9.1 die weitere Integration des Internet ins Mac-Betriebssystem ausgefallen. Das für Mac-OS 9.5 vorgesehene Open Transport 3, das unter anderem mehrere simultane TCP/IP-Verbindungen etwa über Modem und Ethernet ermöglicht, scheint nun verschoben zu sein. In Mac-OS 9.1 sind lediglich die so genannten iTools, eine Reihe von Internet-Dienstleistungen, integriert.
Benötigte man bislang ein spezielles Installationsprogramm, um auf den Internet-basierten kostenlosen Speicherplatz namens iDisk zuzugreifen, ist dieser Zugang nun Bestandteil der Navigation Services. Letztere gehören zum Mac-OS, und Programme, die diese Services nutzen, können jetzt direkt auf die eigene iDisk zugreifen, ohne dass man sie zuvor laden muss. Nur Name und Passwort sind vonnöten, wenn man dort Dateien direkt aus einem Programm speichern oder von dort öffnen will.

Mehr zu Mac-OS 9.1 lesen Sie in Macwelt 1/2001, die seit dem 6.12. im Handel ist.

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