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Knacken verboten!

30.08.2004 | 12:34 Uhr |

Privatkopien sind erlaubt, wenn der Kopierschutz nicht umgangen wird. Der Pfad zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem ist dementsprechend schmal und noch schlecht gekennzeichnet.

SEIT SEPTEMBER LETZTEN JAHRES hat das Hase-und-Igel-Spiel ein Ende. Wer den Kopierschutz kommerzieller Datenträger umgeht, macht sich nach dem neuen Urheberrecht strafbar. Was technisch offenbar nicht funktioniert, wird jetzt juristisch unterbunden: Paragraph 95a des Gesetzes "zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft" schützt letztlich den Kopierschutz und verbietet, Datenträger zu kopieren, die einen solchen besitzen. Damit leistet die Bundesregierung einer EU-Richtlinie Genüge. Geschützt werden neben Musik-Inhalten auch Filme und Daten aller Art. Aus für Tauschbörsen Als vorbildlich am neuen deutschen Recht gilt, dass Schüler, Lehrer, Studenten und Wissenschaftler von der Beschränkung ausgenommen sind. Sie dürfen auch weiterhin geschützte Datenträger kopieren, solange es dem Unterricht oder der Forschung dient. In anderen europäischen Ländern wurde das nicht so deutlich umgesetzt. Davon profitiert zum Beispiel das mobile Klassenzimmer. Denn jetzt können Texte und andere geschützte Werke auch auf den iBooks im Intranet ganz legal auf den Bildschirmen der Schüler flimmern. Was das novellierte Recht allerdings offen lässt, bereiten derzeit die Referenten des Bundesministeriums der Justiz im "zweiten Korb" vor: Wie sollen wir es künftig mit Privatkopien halten? Die erste Novelle des Urheberrechtsgesetzes sieht zwar ein Recht auf Kopien für den privaten Gebrauch vor, schränkt dies allerdings drastisch ein, da der Kopierschutz nicht umgangen werden darf. Damit ist es nur noch erlaubt, CDs und DVDs ohne technische Schutzmaßnahmen als digitales Backup fürs Archiv oder etwa die berühmte CD fürs Autoradio anzufertigen. Wie viele das maximal sein dürfen, regelt das Gesetz nicht. Eindeutig illegal ist es damit allerdings, kopiergeschützte Filme oder Musik über Tauschbörsen anzubieten. Selbst der Download solcher Dateien ist strafbar, da sie ja offensichtlich nur durch das Vorbeimogeln am Kopierschutz ent- standen sein können. Unwissenheit schützt hier vor Strafe nicht. Wer illegale Kopien anbietet, riskiert eine Geldstrafe, wer sie kommerziell vermarktet, wandert bis zu drei Jahre hinter Gitter. Was den Download von Musik aus dem Internet angeht, gelten Mac-Anwender als weniger kopierwütig und wesentlich zahlungswilliger als die Windows-Klientel; das hat etwa der Erfolg des iTunes Musicstores in den USA bewiesen. Da es auf Windows-Seite aber bisweilen nur wenig ernst zu nehmende Angebote gibt, griff der Verband der US-Musikindustrie RIAA (Recording Industry Association of America) zu härteren Bandagen. Dadurch scheint sich auch ein kleiner Erfolg einzustellen, wie eine aktuelle Studie von Nielsen Netratings belegt: RIAA hatte im Juni 2003 angedroht, gegen die "Online-Piraten" rechtlich vorzugehen und strengte über 260 Verfahren gegen Nutzer von Tauschbörsen auf Schlichtungssummen zwischen 2500 und 10 000 US-Dollar an. Nachdem rund 60 Peer-to-Peer-Nutzer eine Unterlassungserklärung unterzeichneten und sich verpflichteten, alle geladenen Musikstücke von der Festplatte zu löschen, wurde die Anklage zwar fallen gelassen, trotzdem ging die Zahl der Nutzer bei Kazaa und Morpheus um 15 Prozent zurück. Die RIAA bewegt sich dabei aber auf dünnem Eis. Ein Dokument, das auf einem australischen Server anonym publiziert wurde, zweifelt die Beweisbarkeit der Vergehen an. Schließlich lassen sich IP-Adressen bei der Einwahl in Peer-to-Peer-Netze maskieren oder durch vorgehaltene Proxy-Server verschleiern, so dass am Ende womöglich die Falschen vor Gericht stehen.

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