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Know-how: Schriftenklassiker

10.05.2007 | 12:24 Uhr |

Jeder kennt sie und ohne sie wäre Publishing nicht denkbar. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung gelten Helvetica, Sabon, Frutiger, Thesis, Syntax und einige andere Profischriften als Branchenstandards. Zehn dieser Paradepferde im unterziehen wir einem direkten Vergleich.

Was macht einen Klassiker aus? Allgemein könnte man sagen: das richtige Design zum richtigen Zeitpunkt. Zwar sind Schriften hochgradig Geschmackssache, einige Schrifttypen waren im Lauf ihrer Geschichte jedoch erfolgreicher als andere und entwickelten sich zu allseits akzeptierten Markenmodellen.

Eine erfolgreiche Marke ist nur ein Aspekt des Erfolgs. Um in der vielfältigen Grafikdesign- und Medienproduktionslandschaft als Standard bestehen zu können, müssen andere Eigenschaften hinzutreten: hohe Qualität in Sachen Design und Lesbarkeit, eine große Auswahl an Schriftschnitten und schließlich ein überdurchschnittlicher Ausbau der Zeichen. Eine zunehmende Rolle spielt schließlich die Frage der Internationalisierung – ob eine bestimmte Schrift auch für den Satz fremder Sprachen geeignet ist.

Wichtige Kriterien zur Unterscheidung

Neue Helvetica: Eineschnitttechnisch üppig ausgestattete Schrift.
Vergrößern Neue Helvetica: Eineschnitttechnisch üppig ausgestattete Schrift.

Die drei Kriterien viele Schnitte, zusätzliche Glyphensets und zusätzliche Sprachversionen erfüllt selbst bei den Mengensatzqualitätsschriften nur eine Minderheit. Bei Schriftklassikern ist dies eigentlich Normalfall. Hinzu kommt eine Reihe Überarbeitungen und Erweiterungen: Fast alle namhaften Hersteller haben im Verlauf der letzten Jahre ihr typografisches Tafelsilber kräftig herausgeputzt. Gefördert hat diese Entwicklung das Opentype-Format sowie das von Adobe lancierte High-End-Prädikat Opentype Pro. Pro-Schriften enthalten als Mindeststandard typografische Zusatzzeichensets sowie Glyphen für den Satz mitteleuropäischer Sprachen. Doch auch ohne Pro im Namen offerieren die aktuellen Versionen der meisten Schriftklassiker Typografie vom Feinsten. Im Trend liegen Edeleditionen, überarbeitete Schriftversionen auf CD.

De Luxe: In Sachen Zeichenfülle zählt die Minion Pro zu den am besten ausgebauten Schriften.
Vergrößern De Luxe: In Sachen Zeichenfülle zählt die Minion Pro zu den am besten ausgebauten Schriften.

Allgemeine Akzeptanz, ein guter Ruf, Qualität, überdurchschnittlicher Ausbau und schließlich Opentype-Fähigkeit sind für den guten Ruf als Klassiker sicherlich wichtig. Ästhetische Präferenzen sowie Generationsfragen spielen jedoch ebenfalls eine Rolle. Einige Klassiker – wie etwa Helvetica, Times oder Garamond – sind unumstritten. Andere genießen einen eher speziellen Ruf – so etwa die Sabon, die im deutschsprachigen Buchsatz den Primus inter pares abgibt. Wieder andere sind unter Designern umstritten – wie beispielsweise Times, Avant Garde oder Rotis. Schließlich gibt es noch die Newcomer der DTP-Ära: Minion, Myriad, Thesis, Meta oder Scala. Sie sind zwar bekannt, haben es jedoch noch nicht in die aller-oberste Liga geschafft. Mit der Broschüre „Die 100 besten Schriften aller Zeiten“ hat auch der Berliner Schriftendistributor Fontshop eine Klassikerkür vorgenommen. Unsere Auswahl orientiert sich grob an dem von der Fontshop-Redaktion ermittelten Ranking. Da man im Alltag oft die Wahl zwischen zwei (oder mehr) gleichwertigen Alternativen hat, ist eine Gegenüberstellung gleichartiger Modelle aufschlussreich. Oft fällt die Entscheidung für eine bestimmte Schrift wegen kleiner aber feiner Unterschiede. Bei einigen Modellen liegen diese sehr im Detail – wie zum Beispiel beim Duo Helvetica und Univers. Andere Paare – etwa Thesis und Rotis oder Times und Minion – scheinen zunächst Welten zu trennen. Übereinstimmung und Unterschied: Wie sich diese Dynamik auswirkt und wie der aktuelle Stand in Sachen Ausbau aussieht, zeigen die folgenden zehn Gegenüberstellungen von zwanzig Schriftklassikern.

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