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Kolumne: Aufklärung versus Unmündigkeit

10.11.2015 | 13:47 Uhr |

Passt auf die Macwelt.de ein Kant-Zitat? Wir finden, die Kant-Zitate passen überall hin. Sie können sich davon in unserer Kolumne überzeugen.

Was Immanuel Kant im Jahre 1784 in Worte fasste und was noch heute gilt: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit." Man solle lernen, seinen Verstand endlich selbst zu benutzen und nicht nur unter der Anleitung anderer zu denken, forderte Kant seine Zeitgenossen auf. Diese Forderung ist zeitlos, gerade heute gilt es, in der Flut der Informationen die korrekten Nachrichten aus all den Kolportagen, Halbwahrheiten, Gerüchten und Märchen herauszufiltern, die einem vorgesetzt werden.

Das Internet mag dabei helfen, ein Problem zu lösen, das es selbst geschaffen hat: Nicht nur in sozialen Medien ist man in seiner eigenen Filterblase unterwegs, auch Suchmaschinen versorgen einen mit den Informationen, die man ohnehin schon erwartet hat. Das wäre früher so gewesen, als hätte man nur eine einzige Zeitung (mit großen Buchstaben) gelesen und hätte immer nur am gleichen Stammtisch gesessen. Oder zu Kants Zeiten: Nur das geglaubt, gedacht und gelebt, was einem der Fürst vorgab. Doch fällt heute der Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit wesentlich leichter. Einfach mal Facebook ausschalten, Google eine gute Maschine sein lassen und eine oder mehrere Tageszeitungen (mit nicht ganz so großen Buchstaben) lesen - muss ja nicht mal auf Papier sein. Gegen Unmündigkeit hilft nur Wissen .

Wissen, selbst erlangt oder erlernt, geteilt oder gelehrt, trägt nicht nur zur Aufklärung bei, sondern vor allem zu einer wesentlich friedlicheren Welt. Wissen über die Beschaffenheit der Welt und Hintergründe von Konfliktsituationen verschafft besseren Überblick und hilft gegen Vorurteile, Trugschlüsse und Unbehagen. Für wissenschaftliche Methodik braucht es kein sozial-, geistes- oder naturwissenschaftliches Studium, es genügen kritisches Hinterfragen voneinander unabhängiger Quellen, reproduzierbare Versuchsanordnungen und logisches Denken für den Aufbruch. Der 10. November ist Welttag der Wissenschaft für Frieden und Entwicklung , denn Wissenschaft beschert uns nicht nur einen wie auch immer gearteten technischen und ökonomischen Fortschritt, sondern vor allem einen sozialen. Peter Müller

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