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Kolumne: Noch ein Effekt

31.07.2005 | 12:31 Uhr |

Vergangene Woche haben wir an dieser Stelle ausführlich den mittlerweile erwiesenen Halo-Effekt des iPod debattiert, in dieser Woche hat ein walisischer Arzt eine neue Wirkung des populären Musik-Players postuliert: Den Hallu-Effekt.

iPod Halluzination
Vergrößern iPod Halluzination

Victor Aziz, Psychiater des Whitechurch-Hospitals in Cardiff hat seine Entdeckung zwar nicht so benannt, sondern nur darauf hingewiesen, dass er einige Patienten habe, die an musikalischen Halluzinationen litten. Erstmals habe er vor sieben Jahren einen Patienten über ständig im Kopf spielende Musik klagen hören und seitdem im südlichen Wales rund 30 Fälle untersucht. Um den schnellsten Weg in die Presse, in diesem Fall den London Evening Standard zufinden, stellte Dr. Aziz einen Bezug zum immer populärer werdenden iPod, der Stilikone der Nullerjahre, her. Exzessives iPod-Hören könne die Psyche schädigen, wer tagaus, tagein seine Playlist im Shuffle-Modus oder in linearer Reihenfolge sich in die Gehörgänge spülen lässt, bekomme die Musik irgendwann gar nicht aus dem Kopf. Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen wären die Folge. Sicher könne der Effekt auch mit anderen Abspielgeräten auftreten, aber das populärste ist nun einmal der iPod.

Victor Aziz betont, dass von ihm beschriebene Phänomen dürfe man nicht mit dem Ohrwurm verwechseln, den man halt hin und wieder im Kopf hat. Oft reicht ja nur ein Fetzen Musik aus dem Radiowecker, um von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends den gleichen Song durch das innere Ohr kreisen zu lassen - wenn man nicht zwischendrin neue musikalische Reize getankt hat. Die Halluzination sei aber viel schlimmer, meint der walisische Doktor, denn sie klinge echt. Wo jetzt genau der Unterschied liegt, lässt sich nicht so genau sagen. Er definiert es wohl nur darin, dass bei Einigen das Radio im Kopf einfach nicht verstummen will. Ob es sich nun wirklich um ein behandlungsbedürftiges Problem handelt, ist nicht klar. Denn es echt im Kopf klingen zu lassen, ist kein Leiden, sondern eine Begabung. Manche Musiker –vor allen die aus der klassischen Ecke – hören ein ganzes Orchester im Inneren, sobald sie eine Partitur lesen. Komponisten stellen sich erst das Orchester und dessen Klang im Kopf vor und schreiben dann die Partitur nieder. Hierbei von Halluzinationen zu sprechen ist kolossal übertrieben, selbst wenn man mit zeitgenössischen „Klassikern“ wie Penderecki oder Henze nichts anfangen kann und ihre Werke für die Folge von exzessivem Pott-Gebrauch hält. Richtig gelesen: Pott, nicht Pod.

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