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Kommentar: Apple Watch - ernsthaft, Apple?

10.03.2015 | 14:46 Uhr |

Die Preise der Apple Watch sind jetzt offiziell. Als enger Apple-Beobachter kann man sich fragen, was dort in Cupertino los ist.

Wer schon viele Jahre Apple-Geräte nutzt, hat sich an Veränderung gewöhnt. Dass der frühere Computerhersteller über die Jahre zum erfolgreichen Hersteller von MP3-Playern, Smartphones und Tablets wurde. Auch daran, dass diese Produkte den Mac in ihrer Bedeutung jeweils schnell überholt haben und dass heute das iPhone die Cashcow ist, Macs baut Apple wohl noch vor allem, weil diese die Produktpalette abrunden. Alles okay, schließlich hat diese Produkterweiterung Apple nicht nur gerettet, sondern zum erfolgreichsten Unternehmen überhaupt gemacht.

Apple Watch - Was hat sich Apple dabei nur gedacht?

Aber jetzt will Apple also auch Schmuck produzieren. Ein Smartphone-Gadget, das mehr kostet als das Smartphone selbst - das seinerseits schon in der obersten Preisregion liegt. Hier stoßen wir mit unserer Betrachtungsweise als Technikmagazin hart an unsere Grenzen. Wir betrachten Produkte in erster Linie danach, ob sie nützlich, leistungsfähig und preis-"wert" sind. Nicht nach Prestige, Modewert oder nach außen getragenem Reichtum. Und genau hier liegt mein Problem mit der Apple Watch. Es ist kein Alltagsgerät, das unser Leben deutlich einfacher macht. Es ist nicht einmal die Neuinterpretation einer bestehenden Produktkategorie, die Apple sich vorknöpft und besser macht - wie bei den frühen MP3-Playern oder den ersten, fummeligen Smartphones. Sie löst kein bekanntes und identifiziertes Problem. Sie bringt lediglich einige der gewohnten Smartphonefunktionen auch an das Handgelenk.

Dabei hätte die Apple Watch Potenzial. Es bisher nur wenige brauchbare Smartwatches für iPhones . Die meisten der aktuellen Modelle basieren auf Android Wear und sind entsprechend nur mit dem Google-System kompatibel. Apple hätte uns iPhone-Nutzer und Gadgetfans mit einer bezahlbaren Apple Watch glücklich machen können - anstatt rund 1000 Euro für das günstigste bürotaugliche Modell mit Leder- oder Stahlarmband zu verlangen.

Wir sind nicht die Zielgruppe

Es geht bei der Apple Watch beinahe einzig und allein darum, ein Lifestyle-Modegerät mit Statusprotzerei zu vermarkten. Die Uhr ist Apples Wette darauf, dass die Kunden in den Luxusboutiquen Shanghais oder Monacos jeden Preis bezahlen, wenn nur Apple drauf steht und jeder weiß, dass es teuer ist. Ich kann mir nicht anmaßen zu erklären oder auch nur verstehen zu wollen, wie Käufer von Luxusgütern ticken. Aber Apple ist und bleibt - trotz gehobener Preise - Massenmarkt für Gebrauchsgegenstände, nicht Statusobjekt im Luxussegment. Selbst wenn ich mich bemühe, es Apple nicht zu verübeln, dass sie mit der limitierten Apple Watch Edition auf die Reichen in New York oder Doha zielen, bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn selbst die "Alltagsversion", also die Apple Watch aus Edelstahl, ist bereits derart teuer, dass sie weder als Gadget, noch als sinnvolles Zubehör durchgeht.

500 Euro für ein Edelstandarmband? Apple, Du produzierst Alltagstechnik, keine Fashionträume!
Vergrößern 500 Euro für ein Edelstandarmband? Apple, Du produzierst Alltagstechnik, keine Fashionträume!
© Apple

Apple wettet darauf, dass Käufer die Apple Watch als Statusobjekt akzeptieren werden. Dabei tritt die Watch - als Technikgadget eines Massenherstellers, der in China produzieren lässt - gegen Uhren aus Schweizer Manufaktur mit Jahrhunderten Tradition an. Und stabilem Werterhalt, den ein elektronisches Gerät niemals erreichen wird. Apple, Du hast schon mit dem iPod, iPhone und iPad allen Skeptikern mit enormem Erfolg geantwortet, aber ich finde, bei der Apple Watch bist Du zu weit gegangen!

Uns interessiert Ihre Meinung: Interessieren Sie sich für Informationen rund um die Apple Watch? Oder sollen wir das Thema lieber mehr oder weniger auslassen und uns mehr auf die "klassischeren" Apple-Themen konzentrieren?

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