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Kommentar: Apple begeht einen fundamentalen Fehler

05.09.1997 | 00:00 Uhr |

Die Ereignisse dieser Woche sind einer herber Rückschlag für die Mac-Plattform.

Daß Apple das Mac-Business von Power Computing übernimmt, mag für den Mac-Hersteller kurzfristig ein Gewinn sein, schlagen Steve Jobs und Konsorten damit doch einen lästigen Konkurrenten aus dem Feld und können so ihren Anteil am Mac-Markt wieder steigern. Doch mittel- und langfristig geht der Schuß nach hinten los. Denn es ist zu befürchten, daß durch Apples Planspiele, die auf kurzfristige Gewinnmaximierung schielen, die Mac-Plattform weiter schrumpfen wird.

Wie können Steve Jobs und die anderen sogenannten Topmanager bei Apple nur so blind sein und glauben, sie könnten die bisherigen Kunden von Power Computing samt und sonders wieder auf ihre Seite ziehen. Denn genau diese Kunden hatten sich ja für Power Computing entschieden, weil sie in deren Produkte die bessere Alternative sahen, die zum Teil leistungsfähiger und preiswerter waren als jene von Apple.

Diese Kunden, aber nicht nur sie, sondern die allermeisten in der Mac-Branche, waren es leid, ständig vom Wohl und Wehe einer Firma abzuhängen, die seit Jahr und Tag einen Zickzackkurs fährt, indem sie permanent das Topmanagement auswechselte, eine neue Superstrategie nach der anderen aus dem Hut zauberte und durch Lieferengpässe und permanent wechselnde Vertriebskonzepte die Investitionssicherheit für die Kunden untergrub. Zahlreiche Anwender, besonders in kleineren Firmen, werden jetzt endgültig ins Windows-NT-Lager wechseln, einen Wechsel, den sie aufgeschoben hatten, weil es mit den Clone-Herstellern eine Alternative zu Apple gab. Man braucht sich nur die Kommentare in den Newsgroups des Internet anzusehen.

Der Clone-Markt, von dem Apple gehofft hatte, daß er der Mac-Plattform Zuwächse bringen würde, geht wohl seinem bitteren Ende entgegen. Sollte tatsächlich auch Motorola das Mac-Business einstellen, ist der Clone-Markt bald tot. Back to the roots, zurück zu den Wurzeln, diesmal aber im negativen Sinne - das sind die Aussichten für Mac-Anwender. Am Ende bleibt wieder eine Firma übrig, die die Preise diktiert und von der alle abhängen. Doch diese Firma, Apple, wird den Tag noch verwünschen, an dem sie beschloß, alles erneut allein machen zu wollen.

Wir von der Macwelt werden ungeachtet dieser traurigen Entwicklung weiterhin für den Mac und die Mac-Plattform kämpfen. Denn eines hat Apple immer noch anderen Firmen aus dem Computerbereich voraus: die besseren Rechner und das bessere Betriebssystem.

Andreas Borchert

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