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Kommentar: Apple in Absurdistan

01.10.2007 | 16:01 Uhr |

Mit dem Firmware-Update 1.1.1 bringt Apple Verbesserungen am iPhone. Gleichzeitig sorgt die neue Version dafür, dass modifizierte Geräte nicht mehr funktionieren – ein Unding, das sich sogar sehr hart am Rande der Legalität bewegen dürfte.

Was für eine absurde Vorstellung: Sie kaufen einen neuen Wagen beim Hersteller Ihres Vertrauens. Als versierter Hobbybastler verbringen Sie das Wochenende in Ihrer Werkstatt, worauf hin Ihr neues Schmuckstück ein besseres Radio, mehr Lautsprecher und eine Kühlbox im Kofferraum besitzt. Eine Woche später bringen Sie den neuen Flitzer in die Werkstatt, da der Hersteller einige Modifikationen vornehmen muss – und bekommen Ihren Neuwagen als Schrotthaufen zurück. Begründung des rabiaten Autohändlers: Sie haben Modifikationen am Wagen vorgenommen, die nicht vom Hersteller stammen.

Ärger unter iPhone-Kunden

So ergeht es in den USA derzeit einigen Apple-Kunden, die nach einem kürzlich veröffentlichten Software-Update mit einem komplett unbrauchbaren iPhone dastehen . Ihnen allen ist gemein, dass sie per Software Änderungen am iPhone vorgenommen haben und so in der Lage waren, Programme von Drittherstellern auf dem iPhone zu verwenden. Zudem haben sie so das iPhone für die Verwendung mit anderen Netzen frei geschaltet. Nach der Installation des Updates sind die meisten nun nicht einmal mehr in der Lage, die Basisfunktionen des iPhones zu verwenden.

Wie ungeheuerlich und wohl auch einmalig dieser Vorgang ist, zeigt obiges Beispiel. So haben alle Kunden ihr iPhone legal erworben. Das heißt, sie haben an Apple viel Geld dafür bezahlt, ein iPhone zu besitzen, und waren stets der Meinung, mit ihrem eigenen Gerät auch tun zu können, was ihnen beliebt.

Mit der Software-Modifikation haben die iPhone-Kunden nichts Illegales getan. Eigene Programme auf einem legal erworbenen Gerät zu installieren ist nichts Unrechtes. Da die meisten Betroffenen ihr iPhone nicht einmal via iTunes registriert haben, haben sie auch die bei der Registrierung zu unterschreibende Software-Lizenz nicht unterschrieben.

Dass ihr iPhone nach dem Update nicht mehr funktioniert, liegt auch nicht an der aufgespielten Software. Erst mit dem Update von Apple wird das iPhone unbrauchbar, nicht aber mit der Installation der Drittsoftware. Schlimmer noch: Dass das iPhone mit dem Update unbrauchbar wird, haben die Apple-Verantwortlichen vorher gewusst - und eine halbgare Warnung vorweggeschickt, dass die Installation von "nicht autorisierter" Software eventuell das iPhone beschädigen könnte. Apple hat also wissentlich aus den teuer erworbenen Geräten im Handumdrehen unbrauchbaren Elektronikschrott gemacht - und das bei den eigenen Kunden!

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