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Kommentar: Apple und T-Online - (Vielleicht) eine Zusammenarbeit im Dienste der Kunden

25.09.2002 | 16:21 Uhr |

Es soll in Deutschland Menschen geben, die kaufen sich einen Mac. Packen ihn aus, schließen ihn an und wollen dann ins Internet. Voreingestellt ist dafür künftig der Weg über T-Online, was eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich ist.

Gut ist, dass Apple Deutschland dafür weder AOL noch Compuserve gewählt hat, jene Online-Dienste, die inzwischen unter einem Dach hausen. Denn beiden merkt man noch immer an, dass die Firmen einst als Online-Dienst mit eigener Technik begannen - einer Technik, die die meisten Internet-Standards ignoriert. Mit etwas Bastelliebe funktionieren zwar die meisten Internet-Dienste am Mac auch bei einer Online-Verbindung über AOL, doch in den AOL-eigenen Seiten und AOL-Diskussionsforen findet man Informationen zum Mac bestenfalls noch unter "aussterbende Arten".

Gut ist - anders als vor einigen Jahren - die Technik, die T-Online hinter den Kulissen bietet. Wer T-Online über Modem erreichen will, hat deutlich weniger Schwierigkeiten (wie kommentarlose Verbindungsabbrüche oder Authorisierungsprobleme) als bei anderen Providern, vor allem bei Call-by-call-Anbietern wie Freenet oder Arcor. Und T-Online hat einigermaßen brauchbare Internet-Verbindungen, mit denen man auch abends noch die Daten von amerikanischen Servern in akzeptabler Geschwindigkeit auf den heimischen Mac transportiert.

Schlecht sind der Preis und der Service. Wer im Kopfrechnen stark ist oder einen Taschenrechner zu bedienen weiß, bekommt schon bei den aktuellen Preisen Kopfschmerzen: "T-Online by call" kostet 1,99 Cent pro Minute, Freenet dagegen 1,29 Cent pro Minute. Hmm. Billiger als Freenet wird T-Online erst mit "T-Online by night" oder "T-Online by day". Doch das kostet a) 7,50 Euro Grundgebühr pro Monat und b) ist man auf die Zeit zwischen 23.00 Uhr und 9.00 Uhr beziehungsweise 7.00 bis 17.00 Uhr beschränkt. Vielsurfer mögen entgegen, dass es schließlich bei T-Online die halbwegs günstige Fixgebühr von 25 Euro pro Monat gibt, bei der im laufenden Betrieb keine zusätzlichen Kosten anfallen. Doch diese "Flatrate" ist nur in Zusammenhang mit T-DSL zu haben, das es a) noch nicht in ganz Deutschland gibt und wahrscheinlich auch nie geben wird und das b) mit hohen Einmalkosten verbunden ist - zum Beispiel die Kosten für das DSL-Modem (rund 120 Euro) und für die Installation mit 74,95 Euro. Nicht zu vergessen der höhere monatliche Grundpreis, der mindestens 12,99 Euro über dem Preis eines einfachen
Telefonanschlusses liegt. Und ab 1. November 2002 erhöht T-Online die Preise und die Telekom schließt sich dem ab 1. Januar 2003 mit einer höheren Einrichtungspauschale an.

Und was den Service betrifft, reichen eigentlich die zwei Schlagworte T-Online-Software und telefonischer Kundendienst. Die T-Online-Software ist inzwischen bei Version 3 angekommen, doch noch immer sucht man in diesem Paket als Mac-Besitzer vergeblich nach Email-, Homebanking- oder Instant-Messenger-Software. Und wer wirklich gezwungen ist, sich bei einem Problem mit T-Online telefonisch mit dem Kundendienst in Verbindung zu setzen, erhält oft dumme, nichtssagende Antworten - wie die mit unschöner Regelmäßigkeit eintreffenden Emails zu diesem Thema belegen.

Kann man T-Online also Einsteigern ins Internet empfehlen? Einsteigern kann man es mit dem Hinweis auf den nicht ganz konkurrenzfähigen Preise empfehlen, wenn sie sich im Internet nur einmal umsehen oder jemandem eine Email schicken wollen. Doch wenn die Ansprüche wachsen, stößt man als Mac-Besitzer sehr schnell an Grenzen - einerseits bremsen fehlende Software, andererseits die kräftig steigenden Preise den Online-Appetit. Wirklich punkten könnte T-Online nur, wenn der Service stimmt - doch da tut sich im Moment nach unseren Erkenntnissen wenig. wm

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