878136

Kommentar: Apple und seine Feinde

23.05.2001 | 00:00 Uhr |

Die Apple-Sun-Allianz lebt, besser denn je. Dank Mac-OS X setzt Apple mit Java 2 konsequent auf die am schnellsten wachsende Programmiersprache der Welt. Die Abhängigkeit von Microsoft könnte der Vergangenheit angehören.

Wenn Steve Jobs über das Mac-OS spricht und man genau hinhört, erfährt man einiges über die Allianzen und Partnerschaften und die wahren Interessen des Mac-Herstellers Apple. Man erfährt einiges über Gegner und Wettbewerber. So sprach Jobs in den Achtzigern vorwiegend von IBM und Microsoft als Feinden. Freunde gab es nur dann, wenn sie sich eindeutig für die Macintosh-Plattform entschieden. In den Neunzigern änderte sich diese Einstellung jedoch. Aus Feinden wurden Freunde, mit denen man Absichtserklärungen verfasste und Technologieabkommen unterzeichnete. Dass diese in einigen Fällen das Papier nicht Wert waren, davon spricht Apple mittlerweile offen. Die aktuelle Glasnost-Phase des Unternehmens brachte auf der Entwicklerkonferenz in San Jose ein Apple-Manager mit den Worten zum Ausdruck: "Wir entschuldigen uns nicht mehr. Wir liefern."

Gemeint war Apples Engagement im Java-Bereich, das in Apples offizieller Sprachregelung immer von "strategischer Bedeutung" war. Denn gerade das Unternehmen Sun, das mit dieser plattformunabhängigen Programmiersprache eine Attacke gegen das Gates-Imperium startete, zu der die Apple-Microsoft-Feindlichkeiten der achtziger Jahre noch freundschaftlich anmuteten, bot die nötige Allianz, die Apple in den Neunzigern brauchte.

Geholfen hat sie Apple jedoch nicht - im Gegenteil: Abhängig von Microsofts Office-Produktreihe, die mit über den Erfolg und Nichterfolg der Macintosh-Plattform entscheidet, musste die Mac-Company Ende der Neunziger Jahre sogar die Segel streichen. Der Höhepunkt der Abhängigkeit stellte sicherlich Microsofts finanzielles Engagement in Apple dar. Die Folge: Auf allen öffentlichen Apple-Veranstaltungen sah man Microsoft-Produkte. Internet Explorer und Outlook Express sind gar auf allen neuen Macs vorinstalliert. Die Allianz mit den einstigen Weggefährten aus der Internet-Boom-Ära Sun und AOL/Netscape scheint vergessen zu sein.

Dass sich Apple nun seit dem 21. Mai 2001 nicht mehr zu entschuldigen braucht, bedeutet zweierlei: Erstens: Die Apple-Sun-Allianz lebt. Und sie ist besser denn je. Während der Java-Entwicklerkonferenz "JavaOne" zelebrierten die Firmenchefs Scott McNealy und Steve Jobs Eintracht. Auf Apples Entwicklerkonferenz, die momentan in San Jose statt findet, loben Sun-Manager die Qualität und Schönheit der Apple-Fassung von Java. Zweitens: Apple entwicklete sich vom Klassen-Letzten zum Primus. Mit Mac-OS X liefert der Mac-Hersteller die Java-Version 2 Standard Edition 1.3 (J2SE 1.3) aus. In weniger als zwei Monaten soll ein Update für die Version 1.3.1 auf den Markt kommen. Die Java-Fassung 1.4 soll dann im Lauf des Jahres Folgen.

Es gibt auch berechtigte Hoffnungen auf ein Ende der Microsoft-Abhängigkeit. Mit Java 2 setzt Apple jedoch auf die am schnellsten wachsende Programmiersprache der Welt. Bis Ende 2004 soll es laut Marktforschungs-Unternehmen Gartner mehr Java- als C- und C++-Entwickler geben. Nur Visual-Basic soll sich noch knapp vor Java halten können. Für die Millionen neuer Programmierer, die mit Java nicht nur simple Applets für Web-Browser, sondern richtige Programme entwickeln wollen, will Apple die beste Java-Entwicklungsumgebung bieten. Mit raffinierten Java-Zusätzen verwässert Apple zwar die ursprüngliche Idee der absoluten Plattformunabhängigkeit der Programmiersprache, kann zugleich jedoch hoffen, dass die Entwickler dies in Kauf nehmen. Mit neuen Entwicklungsumgebungen wie Jbuilder 5 von Borland und Metrowerks Codewarrior 7, die viele Apple-Vorteile nutzen, zeichnet sich bei den Konferenz-Teilnehmern bereits ein neuer Trend ab, den ein ehemaliger Microsoft-Programmierer so auf den Punkt brachte: "Java rules and Apple is kicking butt."

Martin Stein

0 Kommentare zu diesem Artikel
878136