Von Peter Müller - 16.11.2007, 13:02

Kommentar: Die Messe ist gelesen

Mac-Messe ohne Apple? Ein Widerspruch an sich. Die Organisatoren der Maclive Expo geben sich alle Mühe, scheitern aber daran, den Widerspruch zu lösen. So hat die Messe wohl keine Zukunft.
Apple hatte sich im Vorfeld nie dazu geäußert, ob man die Maclive Expo mit seiner Anwesenheit beehren wollte. Je näher der Starttermin rückte, umso mehr schwante der Szene, dass Steve Jobs der deutschen Niederlassung eine klare Vorgabe gegeben hat: "We don't believe in tradeshows." Schon die britische Ausgabe musste ohne den Mac-Hersteller auskommen, mangels eines Apple-Standes blieb die Halle geräumig, keine Gedränge, kein Geschiebe auf den Gängen, keine ausgebuchten Vorträge und Veranstaltungen.
Am Konzept hat es nicht gelegen, das hat vorgesehen, am Donnerstag und Freitag das Fach- und Business-Publikum nach Köln in die Ausstellungshalle der Expo XXI am Gladbacher Wall zu locken und am Wochenende sich um Endverbraucher, Macfans und wechselwillige Bewunderer der „Marke mit dem Apfel“ zu kümmern. Apple hätte beide großen Kundengruppen bedienen können, glaubt aber laut des allmächtigen CEO nicht an Messen.
So rücken kleinere und spezialisierte Hersteller in den Vordergrund, der kleine Mac-Businesspark mit CRM-Lösungen, Spezialsoftware für Finanzen oder maßgeschneiderten Datenbanklösungen ist gut besucht, auch HP schafft es, Messebesucher für seine Lösungen zu interessieren: Mit Fotomodell, Großformatdruckern, Doc Baumann und einer Ausstellung mit "Sumo-Prints" von Bildern des renommierten Fotografen Thomas Hoepker.
Das iPhone – einige Messebesucher telefonieren schon damit – fristet aber ein kaum beachtetes Dasein am Stand von m-und-m-trading, die von Gravis aufgestellten iMacs der Modellreihe 2007 strahlen nicht die "Will-anfassen-und-haben"-Aura, wie es ihr Design und das neue Betriebssystem Leopard erwarten lassen, im Mac-Theater versammeln sich nur wenige Zuhörer zu den Vorträgen, die teilweise ein wenig fachfremd anmuten.
Eine Mac-Messe stellt man sich anders vor, eine Steve-Jobs-Keynote muss ja gar nicht sein. Wenigstens T-Mobile hätte sich unweit der Bonner Konzernzentrale mit seinem neuen Knüllerprodukt zeigen können – in Messekreisen wird gemunkelt, Steve Jobs persönlich hätte dem Mobilfunkprovider den Auftritt und den Schmuck mit fremden Federn untersagt.
Eine Mac-Messe ohne Apple funktioniert nicht. Steve Jobs selbst verweist gerne auf die Apple-Stores, die in jedem Monat ein Vielfaches einer Macworld Expo anzögen - näheres wird der Apple-CEO wieder im Januar anlässlich der weltweit letzten echten Mac-Messe verlautbaren. "We don't believe in tradeshows." Ich mittlerweile auch nicht mehr. Schade.
Peter Müller.
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