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Kommentar: Freddie Geier schmeißt hin

03.05.2007 | 17:35 Uhr |

Der Rückzug Freddie Geiers aus der deutschen Geschäftsführung wirft ein verheerendes Licht auf Apples zentralistische Unternehmenskultur.

Wenn hoch motivierte Manager mit bester Erfahrung im Markt und hoher Affinität zu ihrer Firma nach nur zwei Jahren ihren Hut nehmen, dann stimmt etwas nicht. Und so ist es weniger die überraschende Nachricht selber, die einen faden Beigeschmack hinterlässt, als die Tatsache, dass etwas grundsätzlich schief zu laufen scheint bei Apple.

Ambitionierter Start

Als Frank Steinhoff vor gut sechs Jahren bei Apple antrat, tat er dies mit einem riesigen Elan und vielen Plänen im Kopf. Vier Jahre stand er der deutschen Apple-Niederlassung vor, ausgerechnet nach der Verkündung der besten Firmenergebnisse der Geschichte verlies er die Apfel-Company. Apple suchte fast ein Jahr lang nach einem Nachfolger - und hatte mit Freddie Geier schließlich den idealen Kandidaten gefunden. Eine hohe Motivation, beste Kenntnisse im Markt, Erfahrungen im Vertrieb und einen guten Namen brachte der Mac-Veteran mit. Sein besonderes Augenmerk legte er auf den Ausbau des Retail-Geschäfts, was zwar manchen alteingesessenen Händlern nicht gepasst haben dürfte, sich aber in der Apple-Präsenz bei Media-Markt und Co. positiv bemerkbar machte.

Jähes Ende

Dass Geier nach nur zwei Jahren geht, wie Steinhoff auf dem Höhepunkt von Umsätzen und Gewinnen, dürfte in erster Linie in der auf Europa beziehungsweise Cupertino ausgerichteten Unternehmenskultur Apples liegen. Lange Entscheidungswege, kaum Mitsprache selbst bei regionalen Belangen und eine Team von Mitarbeitern, das merkwürdigerweise fast ausschließlich direkt der Europa-Zentrale untersteht - das macht auf Dauer keinen Manager froh, und schon gar keinen, der etwas in seinem Job bewegen will. Hier rächt es sich, dass Apple zwar nur die besten Leute für einen solchen Job sucht, ihnen aber nicht die Mittel und die Freiheiten an die Hand gibt, entsprechend ihren Fähigkeiten zu agieren. "Steve says..." lautet noch immer die Maxime bei Apple, daran kommen weder das deutsche noch das europäische Top-Management vorbei.

Verpasste Chance

Schade ist es in erster Linie um Freddie Geier, der zwar erhobenen Hauptes die deutsche Apple-Zentrale verlassen kann, der aber wesentlich mehr hätte für Apple hierzulande erreichen können - hätte man ihn nur gelassen. Apple Europa steht nun vor der Aufgabe, einen ebenbürtigen Nachfolger zu finden. Bei der Vorgeschichte und der absolutistischen Unternehmensführung Jobs’scher Prägung sicher keine leichte Aufgabe.

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