892356

Kommentar: Leistung kostet

18.07.2002 | 11:27 Uhr |

.Mac wird den kostenlosen Dienst iTool ablösen - Apple tut genau das Richtige.

München/Macwelt - Wandelt man eine bisher kostenlose Dienstleistung eine kostenpflichtige, gewinnt man wenig Freunde. Als Steve Jobs in der gestrigen Keynote die Umwandlung von iTools in den kostenlosen Dienst .Mac vorstellte, herrschte im mit Mac-Fans gefüllten Saal deshalb auch erst einmal Totenstille. Schließlich ist besonders der Sprung von Null auf Hundert US-Dollar ein starkes Stück. Auch die Reaktionen der Leser von Macwelt.de reichen von verständlicher Verägerung bis Drohungen, nie mehr Mac zu kaufen.

Ein umfassendes Angebot an Dienstleistungen ist im aktuellen Internet-Geschäft nicht mehr kostenlos zu machen. Bandbreite ist teuer und der Erfolg des Angebots hat auch sein Ende beschleunigt. Je mehr Dateien per iTools verschoben wurden, desto höher wurden auch die Kosten für Apple. Dass hierbei offenbar besonders die Sharewareautoren Probleme machten, zeigt ein Beispiel, das unlängst kursierte. So wurde etwa der Account von Andreas Pardeike, der Programmierer des beliebten Screensavers Loops, für kurze Zeit gesperrt, nachdem er es mit seinen drei Bildschirmschonern auf 400 GB Transfervolumen gebracht hatte.
Näturlich ist das ein Extremfall, aber Datenautausch per Internet setzt sich immer mehr durch. Sollten nun alle Apple-Besitzer anfangen, täglich Fotos, Dateien und Quicktimefilme auf iTools zu sichern, könnte Apple sich diesen Dienst bald nicht mehr leisten

Noch ist nicht endgültig geklärt, ob wenigstens das E-Mail-Konto mit Einschränkung auf den Versand von Texten unter .mac kostenlos bleibt oder für weniger als die 49 Dollar Jahresgebühr zu haben ist. Anderenfalls können Interessenten nur zwischen dem 100 US-Dollar teuren Vollangebot und externen Freemailern wählen. Angebote, die sich über Werbung zu finanzieren versuchen. Apple ist auch kein Internetprovider wie etwa AOL, der seine E-Mail-Accounts und seinen Speicherplatz über Zugangsgebühren refinanziert.

Ärgerlich ist bei dem neuen Internetdienst nicht, dass man dafür bezahlen muss, eher gibt es einige technischen Beschränkungen, die stören könnten. So ist man nach der Zahlung von 100 US-Dollar nicht in der Lage, eine E-Mail an mehr als 25 Bekannte zu schicken. Freiberufler, die daran denken, .mac professionell zu nutzen, stoßen deshalb schnell an die Grenzen dieses Systems, das nur für Privatanwender gedacht ist. Auch die Transferraten an Daten sind weiterhin beschränkt. Die Möglichkeit, große Dateien der gesamten Welt zur Verfügung zu stellen will und kann der Dienst jedenfalls nicht bieten.

Ein ganz anderes Problem könnte dagegen die Eignung für europäische Anwender sein. Bisher hat man dem kostenlosen E-Mail-Account eine gewisse Behäbigkeit verziehen, schließlich stehen die Server auch im fernen Amerika. Spricht man aus Deutschland diese Server an, sind sie grundsätzlich langsamer, als wenn sie in Deutschland stehen würden. Ärgerlich wird dies vor allem dann, wenn man die neuen Backup-Funktionen von .Mac nutzen will und das teure Angebot einen warten lässt. Hoffen wir, dass uns die ersten Tests eines Besseren belehren. sw

0 Kommentare zu diesem Artikel
892356