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Kommentar: Open-Source-Alternative zu Word

14.05.2002 | 13:05 Uhr |

Gimp machte den Anfang, mit dem Programm Abiword ist jetzt auch eine Textverabeitung der Linux-Welt auf dem Mac verfügbar.

München/Macwelt - Früher sah mancher Macianer neidisch auf die Linux-Anwender. Hatten diese doch offenbar Zugriff auf großartige Software, die riesige Entwicklergemeinden exklusiv für sie schrieben. Als Mac-Anwender musste man sich dagegen bei der Textverarbeitung auf Programme beschränken, die zwar wunderbar funktionieren, die sich aber seit Jahren kaum verändert haben. So sieht man etwa Appleworks auch unter Mac-OS X immer noch die Verwandtschaft mit Mac Write an.
Die Unix-Wurzeln von Mac-OS X, die den Zugang zu den Programmen der Open-Source-Gemeinde ermöglichen, versprechen dagegen mehr Abwechslung. Den Anfang machte die Linux-Ikone Gimp, die wohl sicher ausgefeilteste aber nicht unbedingt leicht zu bedienende Freeware-Bildbearbeitung. Mit dem Programm Abiword ist jetzt - zumindest bei zusätzlich installiertem X-Windows-System - eine erste Open-Source-Textverabeitung unter Mac-OS X zu haben.
Das Schreibprogramm, das bald auch als Aqua-Version erscheinen soll, ähnelt äußerlich sehr stark Microsoft Word und bietet eine Reihe ausgeklügelter Funktionen. Eine mehrsprachige Rechtschreibprüfung steht ebenso zur Verfügung wie Import und Export der verschiedensten Formate. Ursprünglich sollte auf der Basis des plattformübergreifend entwickelten Abiword eine ganze Abisuite der Office-Suite von Microsoft Konkurrenz machen. Nach finanziellen Problemen gab die Entwicklungsfirma Sourcegear diese Pläne jedoch auf und überließ die Weiterentwicklung der Open-Source-Gemeinde.


Das Programm bietet viel, in seinem aktuellen Entwicklungsstand ist es aber wohl nur für diejenigen interessant, die bereits begeistert mit Gimp arbeiten. Für den Profianwender fehlt es noch an Zuverlässigkeit und Funktionsumfang, diese Zielgruppe ist mit Word v. X besser bedient. Für den Heimanwender sind dagegen Installation und Bedienung zu aufwändig. Sobald der von den Entwicklern versprochene Sprung von X-Windows auf Aqua gelungen ist, sieht die Sache anders aus. Wie lange diese Entwicklung dauert, bleibt den freiwilligen Programmierern überlassen, die Zukunft des Projekts ist deshalb alles andere als gesichert.

Die große Schwäche der Freeware ist die fehlende Tabellenfunktion. Auch Word-Dateien mit Tabellen sind für Abiword ein Problem. Die Bedienoberfläche lädt den eingefleichten Macianer derzeit auch nicht gerade ein. Während viele Mac-Programme oft wenig Funktionen, dafür eine klare und effektive Oberfläche haben, gehen viele Open-Source-Programme den umgekehrten Weg. Die Entwickler von Abiword haben offenbar mehr Wert auf eine beeindruckende Funktionsvielfalt gelegt als auf eine ansprechende Oberfläche.
Stephan Wiesend

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