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Kommentar: Schlechte Zeiten für Shareware-Entwickler

02.09.2002 | 13:17 Uhr |

Mac-OS X bekommt immer neue Funktionen, der Markt für Programme von Drittherstellern wird immer kleiner.

München/Macwelt - Aus Sicht eines Heimanwenders ist das neue Mac-OS X ein schönes Allroundpaket. Mit vielen neuen Programmen und Funtktionen will Apple neue und aufstiegswillige Mac-User locken.
Die wichtigsten Anwendungen, die man zu Hause braucht sind im Lieferumfang enthalten. So gibt es für Musikfreunde iTunes, für Filmfreunde iMovie, für Digitalfotofreunde iPhoto. Alles Programme, die PC-Anwender für teures Geld erstehen müssen.
Für die Hersteller von Mac-Programmen bleibt aber dadurch immer weniger vom Markt übrig. Besonders für die Entwickler von kleineren Programmen sind die Zeiten hart. Wer soll sich etwa noch für 100 Euro ein E-Mail-Programm wie Mailsmith kaufen, wenn Mac-OS X ein immer besser werdendes Mail-Programm bereits installiert hat. Den neuen wichtigen Marktbereich Firewalls hat Apple mit Mac-OS X 10.2 ebenfalls abgedeckt. Im Kontrollfeld Internet können nun ähnlich simpel Firewall-Einstellungen aktiviert werden, wie mit der Sharewareprogrammen Firewalk oder Impasse. Beide Programme, auch wenn sie viel mehr bieteten als Apples Kontrollfeld, werden nun noch weniger Käufer finden als im zahlungsunwilligen Sharewaremarkt sowie so schon zu finden waren.

Das sich sicher weiter entwickelnde iPhoto richtet sich gleich gegen zwei Mac-Klassiker: Lemkesofts Graphic Converter und den praktischen Medienverwalter iView. Beides hervorragende Programme, die einen Nachteil haben: Um sie uneingeschränkt nutzen zu können, muss man sie bezahlen.
Was iTunes aus dem Mac-Markt der MP3-Programme gemacht hat, muss man nicht mehr n erwähnen. Aber auch im Netzwerkbereicht hat sich einiges getan: War bisher noch für den Mac-Anwender im Windowsnetzwerk das Programm Dave von Thursby eine große Hilfe, macht die sich immer weiter verbessernde Windows-Kompatibilität von Mac-OS X diesem Programm Konkurrenz.

Apple ist mit dieser Strategie nicht allein. Um ein Betriebssystem an Konsumenten zu verkaufen sind natürlicht Programme nötig, die nur unter diesem System laufen. Auch Microsoft XP ist mit kleinen Programmen vollgestopft, trotzdem ist es im großen PC-Markt mit seinen hunderten von Millionen an Kunden immer noch leichter rentabel Software zu entwickeln.
Auch der neue große Pool der Unix-Software bietet zumindest für den Heimanwender wenig. Zwar sind dank der Unix-Wurzeln von Mac-OS X tausende an kostenlosen, ausgefeilten Programmen verfügbar, diese sind aber zumeist von Informatikstudenten für Informatikstudenten geschrieben. MySQL und Emacs sind zwar zwar geradezu Eckfeiler der Computerwelt, für den durchschnittlichen Mac-Anwender sind sie jedoch wohl vollkommen uninteressant.

Anders sieht dagegen der Bereich der Profiprogramme aus. Alternativen zu Photoshop oder Xpress zu entwickeln würde für Apple wohl wenig Sinn machen. Der Entwicklungsaufwand für echte Profiprogramme ist viel zu hoch um hier sinnvoll tätig zu werden. Aber auch hier bietet Apple nach Firmenkäufen immer mehr Programme an, die etablierte Firmen wie Adobe unter Druck setzen. Ein DVD-Programm von Adobe, das die Firma für den Heimanwender entwickelt, wird es, dank der starken Konkurrenz von DVD Studio und iDVD wohl nur für den Windowsmarkt geben.
Stephan Wiesend

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