878252

Kommentar: Software-Raub nimmt in Deutschland zu

29.05.2001 | 00:00 Uhr |

Einer Untersuchung der Business Software Alliance lässt die Zahlungsmoral immer mehr zu wünschen übrig: Mittlerweile sollen 28 Prozent aller instalierten Programme hierzulande Raubkopien sein. Der ehrliche Verbraucher zahlt die Zeche.

Früher war es einfacher für die Softwareunternehmen, für ihre Programme Geld zu bekommen. Glaubt man den jüngsten Presseerklärungen der Business Software Alliance (BSA), so nimmt in Deutschland die Neigung zum Software-Diebstahl immer mehr zu. Die Initiative nennt auch eine Zahl: 28 Prozent aller auf deutschen Rechnern installierten Büro-Programme seien Raubkopien. Für die Unternehmen entstehe dadurch ein Schaden in Höhe von 1,7 Milliarden Mark. Die Frage ist, wie die BSA diese Zahl berechnet. Besorgt sich ein deutscher Schüler eine Raubkopie von Word 2001, entsteht nämlich dadurch dem Hersteller auf dem Papier ein Einnahmeausfall von dreihundert Mark. Andererseits hätte sich dieser Raubkopierer aber vielleicht nie eine Vollversion gekauft und wäre bei kostenlos vorinstalierter Software wie Apple Works geblieben, wodurch man den Schaden für Microsoft mit einem Wahrscheinlichkeitsfaktor multiplizieren müsste.

Raubkopien sind Diebstahl von geistigem Eigentum. Viele kleine Softwareunternehmen würden schlicht und einfach pleite gehen, würden sie ihre Software nicht dongeln oder mit aufwendigen Mechanismen gegen das Kopieren schützen. Andere Hersteller rechnen bereits mit einem gewissen Schwund und schlagen eine gewisse Summe auf den Kaufpreis auf.
Offenbar besteht aber in der Bevölkerung wenig Unrechtsbewußtsein. Ein Grund dafür könnte aber auch in der Verwischung der Eigentumsverhältnisse liegen: Selbst die teuersten Profiprogramme sind als Trials erhältlich, die man wochenlang mit dem vollen Funktionsumfang nutzen kann. Man lädt sich eines dieser attraktiven Programme auf seiner Festplatte, und nach einem Monat ergeht die Aufforderung, eine beträchtliche Summe zu bezahlen um "sein" Programm weiterbenutzen zu können. Hätte man vorher wissen können, klar, doch denkt jetzt der ein oder andere User allmählich an illegale Handlungen. So gibt es auch hin und wieder eine naive Leseranfrage an die Macwelt, wie man denn diese auf dreißig Tage Test beschränkten Programme wie Dreamweaver oder Flash noch länger benutzen könnte. Natürlich können wir in diesem Fall nicht weiter helfen.

Aber im Vergleich zu China und Vietnam sind die Verhältnisse hierzulande weit geordneter: So sollen in China 94 Prozent aller Büroprogramme illegal sein, in Vietnam sogar 97 Prozent.

Stephan Wiesend

0 Kommentare zu diesem Artikel
878252