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Kommentar: Teure Kampagne

20.08.2004 | 10:28 Uhr |

Real Networks Versuch, mit massiven Preissenkungen und einer Medienkampagne dem iTunes Music Store ernsthaft Konkurrenz zu machen, könnte ihren Zweck komplett verfehlen.

Real Networks hatte mit seinem Musicstore anderes im Sinn, als der Betreiber des iTMS-Konkurrenten die Website freedomofmusicchoice.org in das Internet gestellt hat.
Apple wollte man dazu auffordern, seinen State-of-the-Art Musikplayer iPod auch für andere Downloaddienste zu öffnen. Real hatte die bereits mit der neuen Version seiner Software Harmony und des in Rhapsody umbenannten Real Players geschafft, was der in Seattle ansässigen Firma auch glatt den Vorwurf von "Hackertaktik" aus Cupertino einbrachte. Vorwürfe, die Real Networks gar nicht verstehen kann oder will, denn man handle ja nur im Sinne der Kunden, die freien Wettbewerb der Downloaddienste haben wollten und von sinkenden Preisen profitieren könnten. Apple sei anzulasten, sich in proprietäre Systeme zu flüchten, nur mit dem iTunes Music Store wolle der iPod zusammenarbeiten und umgekehrt. Unfair findet das Real den iPod-Nutzern gegenüber und appelliert an Apple, diesen Umstand schnellst möglich zu ändern, gerade im Hinblick auf die Tradition des Mac-Herstellers. Die Firma mit dem Apfel-Logo habe schon lange für Innovation und offenen Wettbewerb gestanden, schon der legendäre Super-Bowl-Spot von 1984 habe doch Verbraucher dazu aufgefordert, aufzustehen und für Wahlfreiheit zu kämpfen. Die gleiche Wahlfreiheit für Online-Musik fordere man nun für iPod-Anwender. Die Konkurrenz der Downloaddienste fördere den Wettbewerb, anderweitig könnte dem iPod schaden, nur auf einen Dienst festgelegt zu sein. In diesem Sinne fordert die Glaser-Company Surfer auf, die Online-Petition zu unterstützen.

Dabei hat Real womöglich den Kunden als solchen vollkommen falsch eingeschätzt. Und vermutlich Apples Geschäftsmodell nicht richtig verstanden. Denn im an die Petition angeschlossenen Forum tobt der Sturm der Entrüstung nicht über dem Apple-Campus sondern bläst streng nach Norden. Das mit der Wahlfreiheit ist ja schön und gut, nur leider hätten die iPod-Anwender bereits gewählt. Und sich bewusst für den Marktführer unter den Festplattenplayern entschieden, dessen innovative Konzepte und nahtlose Zusammenarbeit mit dem Marktführer bei legalen Musikdownloads, dem iTunes Music Store, überzeugten. Ganz im Gegenteil, finden manche Leser, wer hier die Wahlfreiheit unterdrückt, ist ja wohl Real Networks. Denn Rhapsody arbeitet nicht mit dem Mac zusammen, für den er sich bewusst entschieden hat, schimpft ein Musikliebhaber auf den Hersteller.
Es gibt auch Stimmen, welche die Kampagne Reals unterstützen, die "proprietäre Formate" für kontraproduktiv halten. Aber auch dieses Argument ließe sich gegen Real Networks richten. Denn Real setzt mit WMA ein proprietäres Format von Microsoft ein, das Apple verwendete AAC ist ein Industriestandard - auf den jedoch nur der iTunes Music Store setzt. Das von Apple Fairplay genannte digitale Rechtemanagement (DRM) verhindert jedoch das Abspielen von im iTunes Music Store erworbenen Songs auf anderen mobilen Geräten als dem iPod. Und da beginnt der Streit zwischen Apple und Real. Cupertino betrachtet Harmony als DRM-Hack, der nicht nur gegen die guten Sitten verstößt, sondern womöglich gegen das US-Gesetz Digital Millennium Copyrights Act (DMCA). Real Networks weist jedoch den Vorwurf des Reverse-Engineering zurück, man habe lediglich den Mechanismus von Fairplay nachempfunden, um dem iPod Real Harmony zu lehren. Klarer moralischer Verstoß, meinen Poster im Musikwahlfreiheitsforum: "Das ist nichts weiter als Diebstahl." Ob das die Behörden in den USA auch so empfinden, wird man wohl erst in der Amtszeit des 44sten Präsidenten erfahren, selbst wenn dieser erst im Januar 2009 in das weiße Haus einziehen sollte.

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