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Konflikt um Freischaltung neuer DSL-Kunden verschärft sich

14.12.2007 | 12:15 Uhr |

Der Konflikt zwischen der Deutschen Telekom und ihren Wettbewerbern um die Freischaltung neuer DSL-Kunden verschärft sich. Nach Arcor will nun auch der spanische Telekomkonzern Telefónica juristisch gegen den Marktführer vorgehen.

«Wir werden am Freitag bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Eröffnung eines Missbrauchverfahrens gegen die Deutsche Telekom einreichen», sagte der Chef von Telefónica Deutschland, Johannes Pruchnow, am Mittwochabend in Düsseldorf. Die Wettbewerber werfen der Telekom vor, nicht genügend Teilnehmer-Anschlussleitungen (TAL) bereitzustellen.

Konkurrenten mieten die TAL, die auch «letzte Meile» genannten direkten Zugänge zum Endkunden, bei der Telekom an. Sie sind wichtig für die Freischaltung neuer DSL-Anschlüsse. Die Telekom weist die Vorwürfe zurück. Es würden mehr Anschlüsse zur Verfügung gestellt, als vertraglich vereinbart, beteuerte Telekom-Vorstand Timotheus Höttges. Der Marktführer muss gemäß den Verträgen pro Wettbewerber nur eine bestimmte Zahl von Anschlüssen bearbeiten. Im rasch wachsenden Breitbandmarkt reicht diese Kapazität aber nicht mehr aus, so bleibt jeder zweite DSL-Neuauftrag bei Telefónica nach Angaben des Unternehmens liegen. Betroffen sind davon auch Kunden von freenet und United Internet, da die beiden Unternehmen auf das Netz von Telefónica zurückgreifen. Pruchnow räumte zwar ein, dass die Telekom bereits mehr liefere als vertraglich vereinbart, jedoch reiche auch diese Menge nicht aus. «Wir haben hier ein strukturelles Problem», sagte er.

Pruchnow forderte daher eine Änderung der bisherigen Regelung, um künftig im größeren Umfang TAL-Anschlüsse von der Telekom zu erhalten. Die Bundesnetzagentur arbeitet bereits an einer Neuordnung. Erste Ergebnisse könnten bis zum Jahresende präsentiert werden, sagte ein Behördensprecher. Denkbar sei etwa, dass bei nicht gerechtfertigten Verzögerungen Vertragsstrafen gegen die Telekom verhängt werden könnten. Dies gelte auch, wenn die Konkurrenten bestellte Anschlüsse nicht in Anspruch nähmen. Nach einer Umfrage des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) in Köln warten derzeit mehr als 100 000 Kunden auf eine Umschaltung ihres Anschlusses durch die Telekom. «Dadurch wird das Wachstum des Breitbandmarktes deutlich behindert», ließ VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner am Donnerstag mitteilen. Die Tatsache, dass die Telekom Anschlüsse eigener Kunden innerhalb weniger Tage umschalte, zeige, dass es sich um «Diskriminierung auf breiter Front» handele. Rund ein Fünftel der insgesamt 38 Millionen Haushalte ist bislang von der Telekom zu Konkurrenten gewechselt. Mit der zunehmenden Nachfrage nach Breitbandanschlüssen nimmt die Wechselbereitschaft zu - pro Quartal verliert der Marktführer rund eine halbe Million TAL- Anschlüsse. Die Zahl der DSL-Nutzer wird Marktforschern zufolge in diesem Jahr um rund 4 Millionen auf 18 Millionen steigen. Rund die Hälfte aller neuen Anschlüsse will die Telekom für sich gewinnen und damit ihre führende Marktposition untermauern. Um das Ziel zu erreichen, hat die Gesellschaft die Preise für DSL-Anschlüsse deutlich gesenkt und die Wettbewerber damit überrascht. Nach der Preisrunde rechnen die meisten Manager nicht mehr mit wesentlichen Abschlägen bei den DSL-Tarifen. Telefónica strebt mit seiner Mobilfunktochter O2 eine führende Position auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt an. Um das eigene Netz besser auszulasten, stellt der Konzern dieses den Zwischenhändlern freenet, United Internet und HanseNet zur Verfügung. Einen kleinen Teil der Kunden gewinnt die Gesellschaft auch unter dem Namen der Konzernschwester O2. Vor allem die hohe Nachfrage von United Internet führt zu Engpässen, da die Telekom die Telefonanschlüsse nicht schnell genug umschalten kann. (dpa)

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