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Kontrovers: Der Sinn des iPad Mini

12.10.2012 | 16:46 Uhr |

Müller wartet vergebens auf eine Einladung, Woods bleibt skeptisch und Kubiv einfach nur sprachlos ob einer derartigen Fixierung. Denn was soll das iPad Mini bringen?

Müller: Woods, haben Sie jetzt eine Einladung bekommen? Kubiv, oder doch Sie? Mein Postfach ist jedenfalls immer noch leer, dabei sollte das iPad Mini doch schon am 17. Oktober vorgestellt werden, die Einladungen für dieses weltbewegende Event müssten doch ab dem 10. Oktober rausgegangen sein? Warum hört und sieht man nichts mehr vom iPad Mini? Bringt das Apple gar ohne Ankündigung nächste Woche gleich in den Handel, wenn dann auch endlich die neuen iPods verfügbar sind? Oder war das iPad Mini einfach nur ein schöner Fiebertraum?

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Woods: Nur die Ruhe, Müller! Das kommt vielleicht noch, so wie es momentan aussieht. Das Ding schwebt ja schon so lange durch die Gerüchtewelt, da machen kleine Verzögerungen auch nichts mehr. Ich frage mich nur: warum? Schauen wir doch mal: Amazons Kindle Fire: kostet 160 bis 200 Euro. Googles Nexus 7: kostet ab 200 Euro. Apples neuer iPod Touch: kostet ab 320 Euro?! Wie und wo sollte Apple das Mini positionieren? Als Luxus-Kleintablet für 400 Euro, schwierig. Als karges Lesegerät mit Billigdisplay, ganz wenig Speicher und kaum Funktionen? Warum sollte das jemand kaufen? Mir fehlt da immer noch das Verkaufsargument – außer dass ein Apfel drauf ist.

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Kubiv: Ach, die Herrschaften... Als ob Apple jemals nach draußen kommuniziert hat, wo und wie der Konzern das nächste Gerät positioniert. Sicherlich machen sich die schlauen Köpfe in Cupertino Gedanken zum Preis und Funktionen, aber nach draußen wird es stets heißen: “The next ________ (bitte Zutreffendes einfügen) is just amazing, awesome, magical” Punkt. Siehe das letzte Beispiel von Apples eigenen Karten-App. Aber im Ernst, ich glaube, Apple bringt das iPad Mini schon deswegen, damit die Analysten-Horden endlich mal das Thema abhacken und ihre falschen Prophezeihungen auf irgendetwas anderes richten. Wie hieß doch mal das Ding, das unbedingt bis Mitte diesen Jahres vorgestellt werden sollte? iTV? Apple TV? Und was war damit noch mal genau gemeint? Ein Fernseh-Gerät? Eine Fernbedienung? Oder doch ein All-You-Can-Watch-Flatrate-Digital-Angebot von Apple  à la Hulu?

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Müller: Kubiv, Sie sind eine Defätistin. Und Woods, ja, Sie haben Recht: Es klebt ein Apfel drauf. Und das ist Grund genug für eine gesamte Industrie, sich der Vorlage Apples zu beugen oder ihr nachzueifern. Und dieses mal sind die Hersteller von Fernsehgeräten dran, wie der Herr Reitzes seinen Anlegern erklärt hat . Das iPad Mini wird der lang erwartete Second Screen, das Gerät, das aus einem TV erst ein Smart-TV macht. Wie viele unterschiedliche Standards haben Samsung, Sharp, Sony und all die anderen schon erfunden? Apple räumt damit auf, der Standard für das Smart TV heißt iOS. Apple muss dann nicht selbst den Fernseher bauen, sondern bloß die Fernbedienung! Ein Multi-Milliarden-Geschäft und gleichzeitig die Erlösung von der allabendlichen Suche nach dem richtigen Bedienelement. Nie wieder den Mikrowellenherd einschalten, wenn man eigentlich nur vom DVD-Player zu den Spätnachrichten im Radio wechseln wollte...

Kubiv: Herr Müller, die Gerüchte zu dem nächsten Apple-Fernsehen existieren nur, um Premium-Herstellern von eben solchen Geräten an der Börse ein wenig unter die Arme zu greifen. Überlegen Sie sich: Sie und Herr Reitzes spekulieren auf zwei nicht existente Anwendungen, als ob sie schon vor einem Jahr auf den Markt gekommen wären. Zudem würde sich niemand beim gesunden Verstand eine derart teure Fernbedienung für den eigenen Mikrowellenherd kaufen. Und mit Ihrem Argument zu den unterschiedlichen Standards haben Sie sich selber ins Knie geschossen: Die Fernseh-Hersteller verzichten auf eigene Technologie, um sich von Apple die Vorschriften zu den UDIDs, UUIDs, VendorIDs und anderen Sicherheitsvorkehrungen diktieren zu lassen? Glaube ich kaum... Apple geht auf die Anforderungen der Hersteller ein und mit bringt iOS 7 Airplay-Kompatibilität für Samsung, Sony und Sharp? Da bewegen wir uns schon, Herr Müller, in einem Sci-Fi-Bereich, wo die Teller fliegen können und mit einem Laser-Schwert sich das Böse besiegen lässt.

Woods: Ich sag Euch zwei Phantasten mal, was “iTV” oder wie der Kram heißt – werden wird: Inhalte! Alle wichtigen Filme und Serien via iTunes Store zum Flatrate-Preis und schön übersichtlich und einfach. Egal ob auf dem iPad, Mac, iPod Touch oder Apple TV. DAS wäre ein Verkaufsargument für Hardware, mit der Apple letztlich seine Kohle macht. Leider beißt sich Apple bei den Verhandlungen mit den Kabelnetzbetreibern und Filmstudios seit Jahren die Zähne aus. Besonders die Kabelnetze in den USA locken ihre Abonnenten über eigene Inhalte und hocken entsprechend eifersüchtig darauf. Und das wären erst mal nur die USA. Bis so etwas weltweit ausgehandelt ist… bis dahin erinnert sich kaum noch jemand, dass die Menschen früher abends gemeinsam vor einem altertümlichen Videoanzeigegerät gesessen haben.

Müller: Ach was, Woods, das Fernsehen wird diese wilden Zeiten genau so überleben wie die Zeitung, wetten, dass...? Aber hatte nicht in diesem Sommer ein anderer Analyst in einem Fiebertraum schon Fernseher und iPad Mini miteinander verknüpft? Man könnte ja 9, 16, 25 oder 36 rahmenlose iPads zu einem großen Bildschirm für die Wand zusammenstecken, das wäre doch eine Idee. Stellen Sie sich vor, Sie werden zum Videoabend eingeladen und müssten dazu ihr iPad mitbringen, weil dem Gastgeber noch ein paar Geräte für den Super-Screen fehlen. Was wäre das für ein Mordsgeschäft für Apple...

Woods: Herr Müller, die Generation U(mdie)30 schaut TV-Rundfunk nach Sendeplanung höchstens noch in Form von Bob Ross   – Samstag Nachts zum einschlafen. Ansonsten sehen wir Politk-Talkshows zwei Tage später auf dem iPad, Sporthighlights auf Youtube am Mac oder streamen Dokus aus den Mediatheken . Apple hat das mit dem iTunes Store längst erkannt. Die Endgeräte sind doch völlig nebensächlich geworden. Obwohl, so eine modulare iPad-Videowall hätte schon etwas - ist aber Quatsch, Herr Müller. Zu Beginn Ihres Videoabends: “Moment, ich muss meine iPads von 16:9 auf’s Kinoformat umsortieren, einen Moment!”. Nee!

Müller: Ach, Woods, Sie sind einfach ein Griesgram... Moment, haben Sie am 23. Oktober schon etwas vor? So wie es aussieht, steigt die iPad-Mini-Party an einem Dienstag...

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