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Kontrovers: Geschenkter Gaul

20.04.2012 | 15:39 Uhr |

Müller fühlt sich von einem Geschenk Apples geschmeichelt, während Woods die Angelegenheit kritischer sieht. Die Kontroverse dreht sich diese Woche um Snow Leopard, Lion und andere große Tiere.

Snow Leopard Frei
Vergrößern Snow Leopard Frei

Müller: Woods, ich wusste, an Apple ist eine Wohlfahrtsorganisation verloren gegangen! Das ist doch mal ein nettes Geschenk, dass ich als Mobile-Me-Nutzer mich über ein kostenloses Update auf Snow Leopard freuen kann, damit auch daheim auf dem alten iMac von 2008 iCloud läuft. Schade, dass es das Angebot noch nicht Deutschland gibt, aber das kann nur noch ein Frage der Zeit sein. Ich werde dann doch meinen iMac noch nicht als Altenteil schicken wenn bald neue Modelle kommen, sondern spendiere ihm nochmal 2 GB RAM mehr, den Snow Leopard und für narrisch günstige 24 Euro den Lion. Mountain Lion wird dann zwar auch noch ein paar Euro kosten, aber das macht nichts. Ja, is’ denn heut’ scho’ Weihnachten?

Woods : Kollege Müller, Sie haben Recht. Es sieht wie ein nettes Geschenk aus, dass Apple jetzt Snow Leopard scheinbar verschenkt. Aber auf den zweiten Blick bügelt Apple hier nur ein paar eigene Fehler aus: denen fällt jetzt ihre komische Lizenzpolitik auf die Füße. Versuchen Sie mal, Snow Leopard als Vollversion im Geschäft zu kaufen. Oder Lion zu installieren, wenn Sie kein 10.6 haben. Geht nicht; gibt’s nicht! Snow Leopard gibt es nur noch als Upgrade-Lizenz und wer kein Snow Leopard hat, der KANN Lion mangels Mac App Store gar nicht kaufen, wie Sie ja wissen. Wer noch 10.4 oder 10.5 hat, der müsste erst das Upgrade auf 10.6 kaufen, um dort dann Lion zu kaufen, kein Scherz! Wer hat sich das denn ausgedacht? Außerdem will Apple natürlich, dass möglichst viele Menschen im Mac App Store kaufen und jetzt auch iCloud benutzen - wenn der Mac denn für Lion geeignet ist. Jetzt ist das Geschenkpapier etwas verknittert, oder?

Müller: Woods, Sie haben keine Ahnung! Das ist Apples große Kulanz, die sich hier manifestiert. Denn natürlich soll man sofort sein System aktualisieren, sobald die Möglichkeit besteht und der Rechner noch nicht veraltet ist. Der Spruch "Never change a running system" ist fast so doof wie "Never change a winning team". Denn Erfolg in der Vergangenheit garantiert mit den selben Methoden und dem selben Personal in keinster Weise erneuten Erfolg. Und da sich die Welt um uns herum ständig ändert, sollten wir mit dem gleichen Tempo mithalten. Also: Wenn Apple ein Sicherheitsupdate bringt - installieren! Wenn es einen guten Service durch einen besseren ersetzt - migrieren! Und sobald ein neues Betriebssystem im App Store steht - aktualisieren! Und zu denen, die hinter dem Mond leben und plötzlich feststellen, dass sie von Mobile Me nicht zu iCloud kommen, weil sie Lion nicht von Leopard aus installieren können, ist Apple eben kulant wie keine andere Firma der Branche!

Woods: Ja, neu ist manchmal besser - weil neuer! Aber das geht hin und wieder auch daneben. Ich mag neue Dinge, aber wenn das - zumindest teilweise - so in die Hose geht wie bei iCloud, steht man schon mal doof da. Kein richtiger Webspeicher, nur mittelgut funktionierender Abgleich von Dateien und dann immer diese künstlichen Einschränkungen! Finden Sie es nicht seltsam, dass jeder mit Windows 7 iCloud benutzen kann und die Nutzer mit einem nicht einmal zwölf Monate alten Mac-System nicht? Außerdem wollen einige Nutzer vielleicht gar kein Lion haben. Sei es, weil sie mit Software unter Rosetta arbeiten müssen oder sei es, weil sie nicht einmal zu Lion wechseln können, da ihr Mac "nur" ein Intel-Mac mit CoreDuo ist. So gut das manchmal für "den Fortschritt™" ist, dass Apple alte Zöpfe abschneidet, hin und wieder nervt es. Aber dass man jetzt dank iCloud auf dem iPhone ganz auf iTunes verzichten kann, finde ich toll - weil der Datenabgleich per iTunes so eine Qual ist. Aber daran haben Sie bestimmt auch Spaß, nicht wahr, Kollege Müller?

Müller: Woods, lassen Sie mich raten: Da Sie so von Rosetta schwärmen, läuft bei Ihnen noch ein Mac mit Classic-Umgebung… Und in Sachen nervendes iTunes irren Sie schon wieder, und zwar gewaltig. Sie haben einfach die falsche Sync-Strategie. Ständig laden Sie sich von unterwegs Apps, Musik und Zeugs auf Ihr iPhone, schließen es aber nur alle Jubeljahre mal per USB-Kabel an den heimischen Mac an, um drei oder vier Schnappschüsse nach iPhoto zu überspielen. Kein Wunder, dass Sie dann ewig warten müssen, bis iTunes alle Apps, Videos, Musik und Zeugs synchronisiert hat, bevor es iPhoto ins Spiel bringt. Sie müssen halt den drahtlosen Abgleich zulassen. Dann unterhält sich Ihr iPhone mit iTunes, sobald sie den Raum betreten, in dem Ihr Mac steht. Die Synchronisation bekommen Sie dann gar nicht mehr mit! Und um Bilder vom iPhone auf den Mac zu bewegen, sollten Sie endlich mal den Fotostream benutzen. Da Apple die Wünsche seiner Kunden berücksichtigt, dürfen Sie daraus sogar Fotos löschen ! Das ist doch ein Ding!

Woods: Nee, ich bin softwareseitig immer so up to date, dass ich aus der Zukunft stammen könnte! Aber andere haben nicht so viel Freiheit und müssen lange Jahre mit einem laufenden System und bestimmter Software arbeiten. Und da stößt man bei Apple leider schnell an Grenzen, was Unterstützung älterer Technik angeht. Und Einspruch, Herr Müller! iTunes ist einfach Mist, was den Abgleich mit iOS-Geräten angeht. Aufgeblähter, langsamer Mist! Ich will nicht, dass alle Apps auf meinen Mac kopiert werden. Das sind etliche Gigabyte, die ich dort überhaupt nicht brauche! Jaha, Fotostream ist nett, hilft oft aber auch nicht weiter, wenn man gezielt Fotos auf’s iPhone kopieren will. Neulich habe ich einige Fotos aus dem letzten Urlaub aufs iPhone bringen wollen: in iPhoto ein neues Album anlegen, iPhone anschließen… und dann 15 Minuten warten, weil 200 Apps nicht (in aktueller Form) auf dem Mac waren und iTunes gemütlich meine Festplatte mit iOS-Programmen vollgemüllt hat. Man merkt iTunes einfach an, dass die ganze App-Verwaltung nachträglich draufgeschraubt wurde. Dann möchte ich das wenigstens komplett abschalten können, damit iTunes beim Kopieren von drei Fotos nicht wieder denkt: "Aha, ich sehe, dass Du Dein Backup in der Cloud machst und alle Apps auf dem neusten Stand sind. Dann mach ich jetzt trotzdem mal ungefragt ein Backup, sobald Du auf den ‚Synchronisieren’-Knopf drückst!" Lass das, iTunes! Beim nächsten Mal werfe ich die Bilder doch einfach in den Fotostream. Aber Sie machen wahrscheinlich jeden Abend brav ein iPhone-Backup, nicht wahr?

Müller: Woods, das stimmt! Und zwar meist unbemerkt, wie ich weiter oben ausgeführt habe. Seit Neuestem läuft mein Rechner immer, schließlich habe ich nicht immer Lust, vom Wohnzimmer in das Arbeitszimmer rauf zu schlappen, wenn ich meine Apple TV nutzen möchte. Ich bin schon mal gespannt auf die nächste Stromrechnung. Aber sagen Sie mal: Soll ich jetzt noch weiter auf den ominösen Fernseher von Apple sparen oder doch besser dem schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens einen Besuch abstatten?

Woods: Gutes Stichwort, noch weniger als ich alle Apps in iTunes haben möchte, will ich alle meine Filme in der iTunes-Mediathek sammeln. Damit hat mich Apple bisher erfolgreich davon abgehalten, mich für das Apple TV zu begeistern. Bei meinem letzten TV-Kauf habe ich übrigens einfach den damaligen Testsieger bei einem Macwelt-Test angeschafft. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass Apple wirklich einen Fernseher auf den Markt bringt. Ich hoffe eher, dass Apple das "Fernsehen" neu erfinden will und beispielsweise endlich ein einheitliches Abo für Serien und Filme hinbekommt - hoffentlich auch für Europa. Dann würde ich auch wieder über ein Apple TV nachdenken - vielleicht. Aber das wird wohl leider ohnehin nicht passieren. Ihnen würde es bestimmt gefallen, wenn Apple die Bundesligarechte gekauft hätte und über das Apple TV verkauft, oder?

Müller: Woods, genau damit habe ich gerechnet! Aber was bietet mir Apple an? Major-League Baseball. Da könnte ich mir genau so gut das Championsleague-Finale im Frauen-Fußball anschauen. Obwohl: Das ist am 17. Mai gleich hier um die Ecke. Und dafür gibt es noch Karten. Recht günstig, wenn auch nicht geschenkt.

Woods: Herr Müller, Sie Banause, Baseball ist ein edler Sport voller… ach, was erzähl’ ich denn da, niemand mag Baseball! Aber tun Sie mal nicht so chauvinistisch. Ich weiß genau: Mitte Mai ist die Saison zu Ende und Sie werden alles gucken, was mit Fußball zu tun hat und das Finale ist in Ihrer Heimatstadt… Sie haben doch bestimmt schon längst Karten und wollten mich nur überreden, Sie zu begleiten. Sie bezahlen die Currywurst!

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