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Kontrovers: Google Maps vs. Apple Maps

28.09.2012 | 11:27 Uhr |

Alle Welt regt sich über die neuen Apple Maps auf. An uns ist die Diskussion nicht vorbeigegangen. Heute streiten sich Müller und Kubiv über Sinn und Unsinn der neuen App.

Kubiv: Ach, Herr Müller. Ich bin ganz untröstlich. Derzeit kriegt Apple solch schlechte Presse, wie wir es seit Antennagate nicht erlebt haben. Jeder noch so unbedeutender Blogger hat sich zu einem Dr. rer. nat. und einem praktizierenden Topografen ernannt und listet jede noch so kleine Unstimmigkeit in Apple Maps auf. Ich persönlich kann es nicht verstehen. Klar, ist die schematisierte Darstellung anders als bei Google Maps, aber was anders wie bei Google ist muss nicht zwangsläufig schlechter sein, oder?

Müller: Frau Kubiv, Sie irren. Also nicht generell, aber in diesem speziellen Fall. Die Karten-App ist deutlich schlechter, als es die von Google je war. Das Flyover mag zwar nett sein , aber was nützt es mir, wenn nur die Münchener Innenstadt halbwegs abgebildet ist, aber nicht meine frisch renovierte Fassade im Vorort?

Müller träumt vom Meer und nicht von engen Bergstraßen
Vergrößern Müller träumt vom Meer und nicht von engen Bergstraßen

Oder wenn mich die Navigation nicht einmal in das Gebirgsdorf schickt, das oberhalb meines bevorzugten Urlaubsortes liegt, sondern gleich auf den höchsten Gipfel? Also, das ist ja wirklich die Höhe! Frei nach einem ehemaligen Bayern-Trainer: “Was erlaube Appele?”

Kubiv: Gut, dass Sie so schnell zu dem wichtigsten Punkt kommen, nämlich zu Ihrer Haus-Fassade im Münchner Vorort. Waren Sie nicht zufällig unter 200.000 Hausbesitzern in Deutschland, die bei Google Street View das eigene Haus vor zwei Jahren verpixeln ließen? Sie haben die Features bei der Konkurrenz öffentlich für doof befunden (oder zumindest aus der Sicht des Datenschutzes für äußerst bedenklich). Jetzt rudern Sie plötzlich zurück und trauern eben dieser Funktion in Apple Maps nach. Und was die Navi angeht, wählen immer noch Sie den Start- und den Zielort aus. Wenn Sie mit dem höchsten Gipfel als Ziel einverstanden sind, ist da die Navi nicht schuld, sondern womöglich Ihre Urlaubsplanung.

Müller: Aber, aber, Frau Kubiv, was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Ich wohne auch so weit weg vom öffentlichen Straßenverkehr, dass die Kamerawägen von Google und Microsoft es nicht vor meine Haustür geschafft haben. Außerdem habe ich nichts zu verbergen!

Fassade, frisch renoviert (Symbolbild)
Vergrößern Fassade, frisch renoviert (Symbolbild)

Wenn ich so meine schicke Fassade betrachte, finde ich es schade, dass die weder bei Google noch bei Apple zu sehen ist. Aber egal, es ist ja kein Echtzeitbild und so können finstere Gesellen ohnehin nicht erkennen, ob sich der Bruch lohnt. Ich habe übrigens genaue Vorstellungen, wann ich meine Hütte das nächste Mal für längere Zeit verlasse und das Reiseziel wird nicht das Karst-Plateau auf 1400 Metern Höhe sein, sondern das ehemalige Fischerdorf am Fuße des Berges. Nun gut, ich kann ja mal auf dem iPad sehen, wie lange es noch bis dahin ist, das hat ja jetzt auch eine Uhr-App. Und sogar die ist geklaut! Frau Kubiv, stellen Sie sich vor, wenn der Richter im nächsten Patentprozess fragt “Wer hat’s erfunden?” und die Antwort darauf lautet: “Die Schweizer!” Es geht bergab mit Apple, runter vom 1.400-Meter-Plateau...

Kubiv: Na ja, wenn es nach Schweizern geht, haben die alles erfunden: die Alpen, Käse, Schokolade, das Bankenwesen, geschweige denn eine Uhr. Aber, aber, Herr Müller, Hans Hilfiker hat die Uhr 1944 erfunden, sprich, ist schon ein Weilchen her. Die Schweizer haben die Uhr als Marke 2003 eintragen lassen, blöd nur, dass die Bildmarke nur schwarz-weiß ist, der rote Sekundenzeiger fehlt . Apple war aber so schlau und hat die Uhr komplett geklaut. Zwar sind die Jungs von der SBB nach Cupertino gereist, ich vermute aber mal, nur darum, weil das iPhone 5 in Basel und Zürich schon ausverkauft war. Sonst hätten sie sich gleich vor Gericht getroffen. Um wieder auf den besagten Hammel zurückzukommen - ich habe vorgestern Abend Map-Bingo mit Google Maps und Apple Maps gespielt. Zwar hat Google 2:1 gewonnen, ich habe festgestellt, dass manche Daten in Apple Maps genauer sind. So zeigt Apple Maps In Bad Boll die Badallee an, auf Google Maps ist die nicht vorhanden. Zu beachten ist auch, dass Bad Boll keine multikulturelle Metropole mit schrillendem Nachtleben oder eine topografisch interessante Gegend ist, sondern da werden um acht die Fußwege hoch geklappt und "Ab insch Bettle...", wie der Schwabe sagt. Deswegen Herr Müller, wenn schon Bad Boll in die Apple Maps geschafft hat, muss die App doch nicht so schlecht sein.

Müller: In der Schweiz und in Bad Boll geht alles langsamer, Frau Kubiv, da gibt es das iPhone 5 noch gar nicht. Vielleicht auch besser so. Apple kann ja anscheinend nicht einmal richtig eloxieren! Wenn das Steve Jobs gesehen hätte, dass man offenbar schon mit einem scharfen Fingernagel hässliche Kratzer in den Alurahmen ritzen kann! Wer hat denn da die Qualitätskontrolle gemacht? Anscheinend jemand mit abgekauten Fingernägeln, der niemals einen Schlüsselbund in der Tasche trägt! Und sehen Sie mal die Riesenenttäuschung vom ersten Wochenende: Gerade einmal fünf Millionen Geräte ist Apple los geworden, dabei hatte Gene Munster doch so fest mit zehn Millionen Stück gerechnet! Das ist wie bei den Wiesnwirten, die sich nach einem verregneten Oktoberfest am liebsten die Kugel gäben, wenn sie statt der veranschlagten zehn Millionen Euro Reingewinn nur deren fünf machen...

Kubiv: Ich weiß, was Steve Jobs zu dem Scufflegate gemacht hätte: eine Pressekonferenz zusammentrommeln, um zu sagen, dass die Nutzer das iPhone falsch halten und die Konkurrenz nicht besser ist. Im Anschluss hätten die Nutzer einen kostenlosen Bumper gekommen und gut ist.  Äh, und Gene Munster ist doch ständig enttäuscht von Apple, bei den Dingen, was er da immer voraussagt. Das ist doch der gleiche Analyst, der beim iPhone 5 einen anderen Formfaktor wollte .

Müller: Genau das ist es ja, was man Tim Cook vorwirft: Schlechte Kommunikation. Klar kann er bei den Keynotes nicht versuchen, Steve zu kopieren, aber ein bisschen mehr als Eröffnung und Verabschiedung sollte dann doch drin sein. Und jetzt im aktuellen Shitstorm: Nichts. Niente. Nada. Allenfalls soll Phil Schiller einen Kunden per Mail beruhigt haben, Kratzer in Aluminium wären normal.  Apple ist zwar immer gut damit gefahren, nichts zu kommenden Produkten zu sagen und die Gerüchteküche sich verselbständigen zu lassen und so etwas wie eine Entschuldigung wäre auch weit übertrieben. Aber mit dem Massenerfolg kommen eben auch immer mehr Kunden, deren überzogene Erwartungen kein Produkt der Welt erfüllen könnte und die es mit der Markentreue selbst nicht so genau nehmen. Die lassen sich von all dieser negativen Presse ins Bockshorn jagen und kaufen sich ein Samsung Galaxy, das sie sich bei nächster Gelegenheit von Dritten aus der Ferne löschen lassen . Da wäre mal ein Shitstorm angebracht. Und Apple muss jetzt endlich einen neuen Schauplatz eröffnen, um das Gemoser über Maps, Kratzer und sonstiges verstummen zu lassen. Frau Kubiv, es ist allerhöchste Zeit für das iPad Mini!

Kubiv:   Nicht schon wieder ein iPad Mini !!! Verraten Sie mir doch bitte, vom welchen Analysten Sie denn gebissen worden waren, dass diese iPad-Mini-Tollwut so lange anhält. Warum sollte Apple ein iPad Mini überhaupt produzieren? Weil die Firma endlich mal ein Gerät im Portfolio braucht, womit man so richtig Miese machen lässt? Und glauben Sie ja nicht Amazon, dass sein Kindle Fire ein Erfolg ist. Die Firma hat selber zugegeben, dass das Zeug subventioniert ist. Und mit Verkaufszahlen rücken die auch nicht aus , wahrscheinlich aus gutem Grund, weil eben keine Erfolge zu melden sind. Nicht so Tim Cook - er kann natürlich mit einer Redegewandtheit eines Steve Jobs nicht mithalten. Aber die Zahlen auf den Keynotes und Aktionärsversammlungen  stimmen. Und einen Shitstorm nach der iPhone-Vorstellung gibt es jedes Jahr. Es gehört sich zu gutem Ton, etwas an Apple zu meckern haben. Selbst die Konkurrenz beteiligt sich ja tüchtig daran . Aber eigentlich können die unzufrieden Map-Benutzer wie Sie, Herr Müller, ein wenig proaktiver werden und die Maps-App eigehändig verbessern. Apple hat ja dafür extra ein Tool vorbereitet: in der App in der rechten unteren Ecke umblättern und auf der Einstellungsseite Auf "Problem melden" tippen. Haben Sie alles richtig gemacht, wird ihre Hausfassade an einem richtigen Ort angezeigt.

Ich muss jetzt aufhören, ich mache gerade eine Wanderung, geplant und angezeigt von Apple Maps. Ach Herr Müller, wenn ich mich bis morgen Mittag nicht melde, rufen Sie bitte ADAC oder was vergleichbares, ok? Suchen müssen sie irgendwo im Schwabenland, wo genau verrät die Maps-App.

Müller: Frau Kubiv, kommen Sie mir bloß nicht in den Schluchten des Schwabenlandes abhanden! Mit wem sollte ich mich sonst streiten?

Kubiv: Na, wie üblich mit allen und jedem...

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