Von Patrick Woods, Peter Müller - 04.05.2012, 15:15

Kontroverse der Woche

Kontrovers: Samsung greift an - oder daneben

Endlich bekommt das iPhone eine ernsthafte Konkurrenz mit dem Galaxy S3 von Samsung, jubeln manche Marktbeobachter. Müller ist hingegen angst und bange, Woods versucht zu beruhigen.
Müller: Woods, gut, dass ich keine Apple-Aktien habe, ich würde jetzt ängstlich verkaufen und wäre mit Schuld an einem Kurssturz. Denn aus Korea droht Gefahr für den Konzern mit dem angebissenen Apfel: Das Samsung Galaxy S3 ist das Smartphone, welches das iPhone 4S komplett in de Schatten stellt, sagen welche, die gestern bei der Premiere in London waren. Nicht nur Sprache erkennt das Ding, sondern weiß auch, ob ich gerade draufschaue oder nicht. Die Kamera ist viel besser und das Display viel größer. Und da Samsung Apple mittlerweile bei den Smartphoneverkäufen überholt hat, kann es eigentlich nur noch abwärts gehen. Woods, so beruhigen Sie mich doch!
Woods: Müller, Sie sind viel zu leicht zu verunsichern! Samsung kann zwar sehr ordentliche Hardware bauen, aber so ganz haben die den Technikkäufer des 21. Jahrhunderts immer noch nicht verstanden. Die Koreaner kämpfen immer noch die Schlacht der technischen Daten: Gigahertz statt Nutzer-Erlebnis. Das ist für Nerds wichtig, nicht für normale Nutzer, da hilft es auch nicht, wenn man Nerd-Funktionen in ekligen Kitsch verpackt. Und dann blendet Samsung diese Nerds auch noch mit protzigen Zahlen. Das Display: Klingt nach Super-Retina, aber wissen Sie, was "Pentile Matrix" bedeutet? Das heißt, dass die Pixel sich die Subpixel untereinander teilen müssen. Da fehlen 1/3 der nötigen Subpixel, damit das S3 wirklich die angegebene Auflösung hätte. Folge: Schrift sieht nicht so scharf aus wie es das bei der Auflösung eigentlich müsste. Ich glaube, Apple lässt das relativ kalt, so lange sie mehr Gewinn machen als alle anderen Smartphonehersteller zusammen.
Müller: Sie können mich nur bedingt beruhigen, Woods. Klar, für Anleger zählt vor allem der Gewinn, doch eher der der Zukunft und nicht der der Gegenwart. Ich sehe weiter schwarz, allein wegen eines von Massenmedien erzeugten Reflexes: Man bejubelt gerne jemandes Aufstieg, sieht aber genau so gerne wieder fallen. Und wie sehr wurden Apple und seine Produkte nicht zuletzt in den Himmel gehoben! Da sehnt so Mancher den iPhone-Killer herbei, um den darauffolgenden Sturz Apples vom Olymp hämisch kommentieren zu können. Die Sieger von heute sind die Verlierer von gestern, die Verlierer von heute, waren gestern noch Sieger. Fragen Sie nach bei RIM. Fragen Sie nach bei Nokia. Fragen Sie nach bei Palm, falls Sie da noch jemanden finden, der Ihnen Antwort geben könnte. Ich fürchte, jetzt wir Samsung in den Himmel gelobt und viele Technikinteressierte freuen sich genauso darüber wie die Leute mit schlechtem Fußballverstand und -geschmack, die sich über das titellose Jahr des FC Bayern vor einem Jahr gefreut haben. Aber die kommen wenigstens zurück, stärker als je zuvor …
Woods: Was ist denn ein "Palm"? Ist das so etwas Prähistorisches wie dieser "Atari", von dem Sie manchmal nostalgisch mit leuchtenden Augen erzählen? Sie haben Recht, die Konkurrenz braucht jetzt nicht mehr zwei Jahre, sondern nur noch einige Monate, um Apple-Funktionen wie Siri zu imitieren. Gute Hardware herstellen können andere Hersteller besser als Apple, aber so lange keiner in Sicht ist, der Design, Software und clevere Funktionen besser kombiniert und dazu auch noch eine vergleichbare Infrastruktur (iTunes Store) bietet… Aber stattdessen macht man auf Keynote und große Show, dabei klappen dann verschiedene Live-Demos nicht und der Vice-President steht ein wenig schüchtern und verloren auf der großen Bühne herum, also ich weiß nicht. Das hat alles so viel Stil wie das Kunstleder-Gürteltäschchen, in denen viele Galaxys wohl ihr Dasein fristen werden. Macht doch einfach mal Euer eigenes Ding! Da finde ich es ja fast schade, dass Windows Phone so untergeht. Die haben wenigstens einen eigenen Ansatz für ein mobiles System versucht. Samsung bastelt stattdessen eigene Funktionen in Android hinein - mit der Folge, dass die Galaxy-Besitzer Updates nie oder erst Monate nach allen anderen bekommen, Glückwunsch!
Müller: Ich weiß nicht Woods, ob ich die Valium schon wieder in die Schreibtischschublade zurücklegen kann. Der Hinweis auf Windows Phone macht mich schaudern über die zweite Bedrohung, die da auf Apple zurollt. Noch ist der Marktanteil im Tablet-Segment nahe am Monopol, aber mit Windows 8 wird Microsoft den Markt so richtig aufmischen, meinen die Experten. Denn ein Windows-8-Tablet bietet dann etwas, was ein iPad niemals bieten wird: Software, die in gleicher Ausfertigung auf dem Desktop, dem Laptop und dem Tablet läuft. Und haben nicht alle gesagt, das iPad werde scheitern, weil es keine Software vom Mac ausführen kann und man sich beispielsweise Pages, Numbers und Keynote zweimal kaufen muss? Am Ende haben diese Auguren Recht und Apple wird bei Smartphones von Samsung und bei Tablets von der unheiligen Allianz Nokia-Microsoft zerfleddert?
Woods: Etwas mehr Konkurrenz im Tablet-Markt könnte Apple nicht schaden. Die grundsätzliche Oberfläche des iPad sieht 2012 ja noch genau so aus wie das iPhone 2007. Aber jetzt schon wieder Desktop und Tablet-System zusammenbasteln und "eines für alles" versuchen wie Microsoft? Bitte nicht! Beides richtig für den jeweiligen Zweck optimieren und dafür sorgen, dass beide Welten gut zusammen arbeiten können. Apple macht ja immer wieder Dinge, die einen mit dem Kopf schütteln lassen, aber bei einem sind sie fast immer top: Dinge richtig konsequent auf EINEN Zweck anzupassen und sich intensiv Gedanken über Nutzerfreundlichkeit machen. Klappt nicht immer perfekt, aber iPhoto für iOS ist da doch ein Top-Beispiel. Und bitte: vier Euro, das ist ja schon Dumpingniveau. Müller, wollen Sie mit iPhoto für OS X wirklich auf einem kleinen Touchscreen arbeiten, das klappt ja schon mit einem Trackpad nur gerade so eben?
Windows 8 ist in Bezug auf Tablets zwei Schritte zurück. Wie die "Windows XP Tablet PC Edition" von 2002 - nur diesmal mit anfassbarer Oberfläche. So wie es aktuell aussieht, gibt es bei Tablets ohnehin nur die zwei Märkte "iPad" und "billig", wie Amazon mit dem Erfolg des Kindle Fire in den USA zeigt.
Müller: Dann setzt eben Amazon Apple unter Feuer! Mir scheint, der einzige Markt, auf dem die Konkurrenz aufgegeben hat und Apple einfach machen lässt, ist der sogenannte PC-Markt. Seit sechs Jahren legt Apple stärker zu als das Gesamtsegment. Und was haben sie davon? Richtig, jetzt wird OS X für Virenprogrammierer attraktiv. Die Universität Oxford hat mit Flashback einen Malwarebefall wie seit neun Jahren nicht mehr erlebt und festgestellt, dass die sorglosen Zeiten endgültig vorbei sind und nicht mehr wiederkehren. Nein, so wie früher, so wird es nicht mehr. Wo sind meine Valium?
Woods: Ausgerechnet der PC-Markt, Müller? Apple verdient doch nur Peanuts mit Computern im Vergleich zu den gigantischen Umsätzen mit den Hosentaschengeräten. Ich habe eher die Befürchtung, dass Apple die Macs in der internen Priorisierung immer weiter herabstuft. Der Computermarkt taumelt schon lange und Apple ist meines Wissens nach nicht dafür bekannt, besonders stark an Trends von gestern zu hängen. Finden Sie sich damit ab, dass der Mac in zehn Jahren ein Relikt von gestern sein wird, wie heute dieser "Palm Atari" oder wie das Ding aus Ihrer Teenagerzeit auch immer hieß! Ungeschützter Internetdatenverkehr könnte auf dem Mac mittelfristig tatsächlich bald riskant werden, aber über Apples Sicherheitsversagen haben wir bestimmt früher schon mal geredet.
Müller: Was wissen Sie schon von meiner Teenager-Zeit, Woods? Wir hatten ja eigentlich gar nichts, nicht mal Ataris! Wir haben noch mit dem Rechenschieber gearbeitet, mit Bleistift, Radiergummi und Papier! Die Kollegen von der philosophischen Fakultät übrigens ohne Rechenschieber und nur mit Bleistift und Papier. Woods, ich glaube, ich werde alt…
Woods: Ich hab mal gehört, früher musste man die Lehrer in der Schule noch mit Sonne und Geodreieck blenden, weil man noch nicht einmal Laserpointer hatte, stimmt das? Dunkle Zeiten müssen das gewesen sein, dunkle Zeiten…
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