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Sucht Nokia neue Einnahmequellen?

05.09.2011 | 08:38 Uhr |

Das kanadische IP-Verwertungsunternehmen Mosaid Technologies ist im Rahmen einer Übernahme an rund 2000 Patente und Patentanträge von Nokia gekommen und vermarktet diese nun gegen Umsatzbeteiligung.

Nokia Head Office in Espoo, Finland
Vergrößern Nokia Head Office in Espoo, Finland
© Nokia
Die Nokia-Zentrale in Espoo, Finnland
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© Nokia

Wie Mosaid mitteilte, handelt es sich bei den beantragten und erteilten Patenten um geistiges Eigentum an Technologien, die eine breite Palette an mobilen Kommunikationsgeräten und - diensten betreffen. Etwa Hundert der Patentfamilien, die wiederum aus zirka 1200 Patenten und Anwendungen bestehen, seien als essentiell für Kommunikationsstandards wie GSM, UMTS/WCDNA oder LTE befunden worden. Hinzu kämen rund 800 Patente aus dem Bereich Wireless Implementierung.

An die Nokia-Patente gelangte Mosaid nach eigenen Angaben über die Übernahme des Wettbewerbers Core Wireless Licensing S.a.r.l. aus Luxemburg, der die Patente bereits innehatte. Informationen über die dazugehörige Vereinbarung mit Nokia wurden allerdings nicht bekannt. Eine entsprechende Anfrage des " Wall Street Journal ", ob Core für die Patente gezahlt habe, wollte Nokia nicht kommentieren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch die Ankündigung von Mosaid, die künftigen Kosten zur Betreuung und Geltendmachung der Patente zu übernehmen. Im Gegenzug behalten die Kanadier ein Drittel der eingehenden Lizenzerlöse. Die restlichen zwei Drittel würden zwischen Nokia und Microsoft, das Lizenzvereinbarungen mit den Finnen getroffen hat, aufgeteilt. Insgesamt erwartet Mosaid, dass die neuen Nokia-Patente mehr Umsatz generieren werden als das Unternehmen seit der Gründung im Jahr 1975 erwirtschaftet hatte, immerhin waren das laut "WSJ" gut eine Milliarde kanadische Dollar (rund 715 Millionen Euro).

Die Opfer sind angesichts der laufenden Patentstreitigkeiten im Smartphone-Markt schnell ausgemacht. Anfang Juli verklagte Mosaid bereits die US-Töchter von HTC und Sony Ericsson wegen unrechtmäßiger Nutzung von drei US-Patenten im Zusammenhang mit der Notrufvorschrift E-911. Diese behandeln unter anderem die Weitergabe des ungefähren Standortes bei Betätigung des Notrufs - eine Funktion, die für alle Mobiltelefone vorgeschrieben ist.

Das in Ottawa ansässige Unternehmen Mosaid gehört - neben Firmen wie WiLan, Openwave oder Lodsys zu dem kleinen (aber gemeinen) Kreis an IP-Verwertern, die ihre Umsätze primär über Schutzrechten erwirtschaften - entweder durch Lizenzvereinbarungen oder durch Erlöse aus Rechtsstreits mit Firmen, die angeblich die Patente verletzen. Als kleine unabhängige Unternehmen fällt es ihnen dabei oft leichter, Umsätze in diesem Bereich zu erzielen, als Hersteller wie Nokia, denen Gegenklagen drohen.

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