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Kopierschutz: DVD-Jon will Grenzen austesten

25.10.2006 | 15:44 Uhr |

Erst knackt er den Kopierschutz von Film-DVDs, dann befreit er iTunes-Musik vom digitalen Rechtemanagement und schließlich kündigte er an, Apples Kopierschutz Fair Play durch Reverse Engineering auch anderen Medienanbietern zur Verfügung stellen zu wollen. Er? Er ist DVD-Jon, mit bürgerlichem Namen Jon Lech Johansen. Jetzt dreht er seinen letzten Coup um und will Fair Play auch Hardwareanbietern ermöglichen.

iPod Family Sept. 2006
Vergrößern iPod Family Sept. 2006

Bislang sitzt Apple als Anbieter von iPod und iTunes auf dem Fair-Play-Patenten und schottet sich so gegen unliebsame Konkurrenz ab - mit Erfolg, wie die Verkaufszahlen belegen. Das könnte demnächst vorbei sein, wenn DVD-Jon seine Ankündigung wahr macht. Nicht nur, dass er Anbietern von Medieninhalten aller Art ermöglichen will, ihre Inhalte mit Apples Kopierschutz (aber ohne iTunes Store) anzubieten, so dass diese kontrolliert auf dem iPod und mit iTunes laufen. Jetzt stellt Johansen mit seiner neuen Firma Double Twist in San Francisco die ganze Sache auf den Kopf. Gegenüber Forbes hat der 22-jährige gebürtige Norweger auch noch angekündigt, sein Wissen um Fair Play anderen Hardware-Herstellern zur Verfügung zu stellen. Rollt demnächst die iPod-Generika-Welle über uns hinweg? Oder doch die Apple-Rechtsabteilung über DVD-Jon? Johansen bleibt gelassen. Als ständige Ermahnung hat er in seinem Büro ein Zitat von Steve Jobs aus 2002 hängen: "Wenn du legal Musik erworben hast, dann musst du auch das Recht haben, sie auf allen deinen Geräten zu nutzen." Die Realität vier Jahre später sieht anders aus - und Johansen will das ändern: "Ich mag keine geschlossenen Systeme", sagt er, "und das iTunes-iPod-Geschäftsmodell schließt alle anderen vom Markt aus." Bislang hat Apple ihn in Ruhe gelassen, doch wenn Johansen seine Technologie an einen asiatischen Hersteller lizensiert, dann spurten die Anwälte in Cupertino durch die Instanzen. Wer die Wucht von Apple Legal abbekommt, ist dabei völlig offen: der Plagiateur aus Fernost - oder doch der gewitzte Reverse Engineer? Das letzte Gerichtsverfahren in Sachen Kopierschutzknacken hat Johansen gewonnen: Hollywood hatte 2003 vor norwegischen Gerichten eine Niederlage einstecken müssen. Jetzt lotet der 22-Jährige neu aus, was geht - und was nicht. Die US-amerikanischen Gesetze lassen das so genannte Reverse Enineering [ Wikipedia-Link ] in begrenztem Rahmen zu - wie begrenzt er im Detail ist, das weiß bislang keiner.

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