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Kostenlos telefonieren - die Grundgebühr ist auch schon drin

21.08.2000 | 00:00 Uhr |

Revolutionäre Umwälzungen im Telekommunikationsmarkt erwartet MobilCom-Chef Gerhard Schmid in naher Zukunft, während Telekom-Vorstand Ron Sommer eine Fusionswelle anrollen sieht.

MobilCom-Chef Gerhard Schmid hält es nach der
Versteigerung der UMTS-Lizenzen für die neue Handy-
Übertragungstechnik für möglich, dass Telefonate bald kostenlos
geführt werden können. Der «Bild am Sonntag» sagte Schmid: «Wir
werden uns komplett von den alten Gebührenmodellen verabschieden».

Unterdessen rechnet Telekom-Chef Ron Sommer mit einer weiteren
Konzentrationswelle auf dem europäischen Handy-Markt. Die zahlreichen
Fusionen und Übernahmen der letzten Jahre, so Sommer in einem
Interview des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», seien «erst der
Auftakt» gewesen. Die hohen Kosten für die UMTS-Lizenzen werde den
Trend zu Fusionen und Übernahmen noch einmal verschärfen.

Die MobilCom und die Telekom-Tochter T-Mobil hatten jeweils für
mehr als 16 Milliarden DM eine Lizenz erhalten. Die spektakuläre
Versteigerung der begehrten UMTS-Lizenzen war nach knapp drei Wochen
am vergangenen Donnerstag mit einem Rekordergebnis zu Ende gegangen.
Das Bietergefecht mit 173 Runden spült 98,8 Milliarden DM in die
Kasse von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD). Alle verbliebenen
sechs Bewerber sicherten sich eine Lizenz für den Mobilfunk der
Zukunft.

Nach den Vorstellungen von Schmid soll nicht der Telefonkunde
zahlen, sondern die Firmen, die künftig via Handy werben und ihre
Waren und Leistungen verkaufen. Mit der UMTS-Technik (Universelles
Mobiles Telekommunikations-System), die schon Mitte 2002 eingeführt
werden soll, wird das Telefon zu einem Multimedia-Universalwerkzeug.
«Kaufmännisch gesehen ist das eigentliche Telefonieren - die reine
Übertragung von Sprache - künftig Nebensache», sagte Schmid. «Geld
verdienen werden wir mit unseren Geschäftspartnern, die über unser
Netz Kontakt zum Verbraucher bekommen». Ziel sei es, schnell viele
Kunden zu gewinnen. MobilCom kalkuliere mit 25 bis 28 Millionen
Kunden.

Sommer schloss nicht aus, das künftige UMTS-Netz der Telekom auch
anderen Firmen zur Verfügung zu stellen. Mit den Einnahmen durch
einen solchen virtuellen Netzbetreiber könnten nach seinen Angaben
die hohen Kosten für Lizenz und Netzaufbau schneller wieder
eingefahren werden. Es könne, so Sommer in dem Interview, durchaus
«wirtschaftliche Umstände geben, die einen solchen Schritt sinnvoll
machen».

Wie der «Spiegel» weiter schreibt, könnte eine von
Bundesumweltminister Jürgen Trittin geplante Verschärfung der
Elektrosmog-Verordnung den Handy-Boom der neuen Generation gefährden.
Das Magazin beruft sich dabei auf Regulierungsexperten aus dem
Wirtschaftsministerium. Diese befürchteten, dass die von Trittin
geplante Herabsetzung des Grenzwertes auf ein Zehntel der jetzt
zulässigen Normen in einigen Ballungsgebieten zu Problemen führen und
den Netzbetreibern die Geschäftsgrundlage entziehen könnte.
dpa

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