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Kostenloser Internet-Zugang

10.06.1999 | 00:00 Uhr |

Britische Internet-Surfer gehen goldenen Zeiten entgegen. In einer beispiellosen Schlacht werben die britischen Internet Service Provider (ISP) um die Gunst der Anwender.

Letzter Schachzug ist die Erklärung von Microsoft, in UK künftig kostenlosen Internet-Zugang anzubieten, die von Dell prompt mit der Erklärung beantwortet wurde, in ganz Europa den selben Service über das firmeneigene Dellnet aufzubauen.

In Bewegung geraten war das britische Internet-Geschäft, als im September 98 die Handelskette Dixons unter dem Motto "Freeserve" ihren Kunden freien Internet-Zugang angeboten hatte und damit ihr Geschäft vervielfachen konnte.

Im Februar dieses Jahres reagierte dann British Telecom und bot als "Clickfree"-Service ebenfalls kostenlosen Zugang ins Web. Mittlerweile lockt fast jeder britische Händler oder Dienstleister seine Kunden mit einem kostenfreien Web-Ticket, was sogar so weit führt, daß VW Anfang der Woche seine Händler in UK vor dem überhandnehmenden Internet-Geschäft warnte und mit ernsten Schritten wie dem möglichen Verlust von Franchise-Verträgen drohte.

Angeheizt wurde die Stimmung durch einen Streik der Internet-User am vergangenen Wochenende, mit dem die Anwender in den meisten europäischen Ländern (nicht in Deutschland) gegen die hohen Telefongebühren protestierten. Schützenhilfe bekommen sie dabei von zahlreichen Anbietern, die von niedrigeren Telefonkosten einen erneuten Boom des Internetgeschäftes erwarten.

So sieht sich beispielsweise AOL UK in einer Zwickmühle. Einerseits hat der ISP große Schwierigkeiten angesichts der günstigen Konkurrenz seine Marktführerschaft zu behaupten, und müßte den Weg ins Web ebenfalls kostenlos anbieten, um weiter den nötigen Traffic zu erzielen, der den Provider auch für Anzeigenkunden interessant macht.

Zum anderen finanziert sich AOL weltweit immer noch zu 85 Prozent über eben diese Einnahmen. Trotzdem hatte das Unternehmen im Mai in England die Grundgebühren um rund 40 Prozent gesenkt.

Als Ausweg versucht AOL, die lokalen Telefongesellschaften dazu zu bringen, wie in den USA für den Internet-Zugang nur noch pauschale Telefongebühren zu verlangen.

Unter solchen Bedingungen würden laut einer Studie, die Jupiter Communication in Deutschland, Frankreich und England durchgeführt hatte, nicht nur 11, sondern 40 Prozent aller Befragten nächstes Jahr online gehen. Also bleibt den Providern gar keine Wahl im Kampf um die Kunden, wenn sie in einem boomenden Markt ebenfalls wachsen wollen. Der Kunde kann davon nur profitieren. mbi

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