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Kreative Kür statt lästige Pflicht

22.09.2004 | 11:58 Uhr |

Kann man zum Thema Scannen eine Publikation mit 320 Seiten füllen? Ohne Weiteres, denn Taz Tally versteht diesen Vorgang nicht nur als bloße Datenerfassung, sondern als elementare Stufe der Bildbearbeitung.

Der Autor von "Silverfast - Das offiziele Buch" geht zum Großteil bei der Vorstellung der Scansoftware vom Kieler Unternehmen Lasersoft Imaging auf Funktionen ein, die der Leser in einem Photoshop-Handbuch vermuten würde. Gebetsmühlenhaft wiederholt der Autor das Tonwertwertkorrektur, Scharfzeichnung, Entrauschung und sogar erste Retuschearbeiten in Form von Kratzerentferung besser von Silverfast erledigt werden.

Stärken

Der Grund klingt plausibel: Es sei schneller und vor allem qualitativ besser, wenn erst nur anhand von Vorschaudaten die Einstellungen festgelegt und dann die hochauflösenden Grafiken in einem Rutsch direkt von der Quelle erstellt werden. Dies gelte für Scanvorlagen genauso wie für bereits digitalisierte Daten, betont Tally, weshalb es auch vom Scanvorgang losgelöstet Silverfast-Versionen wie HDR oder DC Pro gäbe.

Das Image der von Karl-Heinz Zahorsky entwickelten Software verwandelt sich während des Lesens von einer reinen Hardware-Software-Schnittstelle zu einem Grafikbearbeitungsprogramm, das nebenbei auch noch Scannen kann. Dabei geht Tally detailliert wie eine Bedienungsanleitung jede Funktion durch, erklärt sie und was am wichtigsten ist - sagt, was man für konkrete Anwendungsfälle am besten nehmen sollte. Gerade diese praktischen Kommentare eines Mitglied des offiziellen Photoshop Dream Teams liefern bei dem riesigen Funktionsumfang aktueller Software wichtige Orientierungspunkte.

Dazu gibt es allerdings auch theoretische Teile, wobei die gute strukturierte Einleitung den Leser zum Kapiteleinstieg führt, das für seinen Wissensstand geeignet ist. Das Buch fängt nämlich bei Adam und Eva an, beziehungsweise auf die Grafikbranche umgemünzt, bei Pixel und Vektor. Selbst absolute Anfänger bleiben so nicht ausgeschlossen. Dabei macht sich zwischenzeitlich ein kleiner Missonierungseifer bemerkbar. Gerade die Maßeinheit "dot per inch" (dpi) ist Tally ein Dorn im Auge, da sie nahezu immer dann genutzt wird, wenn es gar nicht um Punkte geht und im einzigen richtigen Fall habe sich die Branche auf als "lines per Inch" (lpi) als Rastermaß festgelegt. Selbst Silverfast wird wegen der Anlehnung an diesem zwar unlogischen, aber dennoch allgemein verständlichen Maßsystem von Tally getadelt.

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