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Krieg der Formate um DVD-Nachfolge erreicht Europa

22.08.2006 | 09:39 Uhr |

Seit Monaten machen die beiden Lager im Rennen um die Nachfolge der DVD großen Wirbel um ihre konkurrierenden Formate Blu-ray und HD-DVD, jetzt wird es für sie ernst. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin (1.-6. September) werden die Hersteller den Startschuss für die Vermarktung von Abspielgeräten und Filmen in Europa geben. Der erste Praxis-Test in den USA, wo die beiden nicht miteinander kompatiblen Standards seit einigen Wochen gegeneinander antreten, zeigte bereits zweierlei: Die Verbraucher üben sich zunächst einmal in Zurückhaltung, und die neue Technik ist nicht frei von Kinderkrankheiten. Ein Zeichen dafür, dass die beiden großen Industrielager auch in Europa einen langen Atem haben müssen.

HD-DVD versus Blu-ray
Vergrößern HD-DVD versus Blu-ray

Der Unterschied zwischen den Formaten in drastisch verkürzter Form: Die HD-DVD ist billiger, hat aber mit bis zu 30 GB weniger Speicherplatz als die Blu-ray Disc, die auf bis zu 50 GB kommen kann. Dass die DVD, die normalerweise nur um die 9 GB fasst, mit der Verbreitung hochauflösender Bilder mit ihrer deutlich besseren Qualität einen Nachfolger brauchen wird, ist unumstritten. Wie lange es jedoch dauern wird, bis die Verbraucher in der Masse umsteigen, darüber scheiden sich die Geister. Die Elektronik-Industrie schaffte es nicht, sich auf einen gemeinsamen Standard zu einigen und lässt jetzt die Käufer entscheiden.

Informationen über den Marktstart in den USA sickern nur spärlich durch. Und sie sind unvollständig wie ein Puzzle mit fehlenden Teilen. Es kursieren Daten des Marktforschers NPD Group, wonach in den ersten sechs Wochen 33 Prozent mehr Player des HD-DVD-Formats verkauft wurden. Mit Blu-ray-Geräten seien aber wiederum 42 Prozent mehr Umsatz gemacht worden, heißt es. Der Grund dafür war schlicht der Preisunterschied - während die HD-DVD-Player in zwei Ausführungen für 500 und 700 Dollar in den Handel kamen, geht es bei einem Blu-ray-Gerät wegen der komplexeren Technik erst ab 1000 Dollar los.

Das wirklich Interessante - die absoluten Verkaufszahlen - blieb bisher verborgen. Es gibt lediglich indirekte Angaben. So soll der Anteil der neuen Geräte bei den Stückzahlen lediglich 0,4 Prozent ausgemacht haben. Mit anderen Worten: Auf vier verkaufte Abspielgeräte beider neuer Formate kamen 996 herkömmliche DVD-Player und -Recorder. Beim Umsatz lag der Anteil der neuen Technik immerhin bei 3,6 Prozent. Der herkömmliche DVD-Player dominiert den Markt demnach weiterhin mit 86,2 Prozent bei den Stückzahlen und trotz des Preisdrucks noch mit 65,6 Prozent beim Umsatz. Den Rest macht das wachsende Segment der DVD-Recorder aus.

Experten erwarten nur eine langsame Ausbreitung der neuen Technik im Gegensatz zum erdrutschartigen Erfolg der DVD. Branchenbeobachter wie das US-Unternehmen Screen Digest rechnen damit, dass die Verkäufe von Videos in hochauflösenden Formaten im Jahr 2010 in den drei wichtigsten Regionen USA, Japan und Europa weniger als ein Drittel des Marktes ausmachen werden - 11 von 39 Milliarden Dollar.

Die Entwicklung lässt Experten wie den amerikanischen Marktanalysten Ross Young von DisplaySearch schlussfolgern, dass die beiden Formate wahrscheinlich über längere Zeit nebeneinander existieren werden. Am Ende könnte sich ein Kombi-Laufwerk durchsetzen, das sowohl HD-DVD als auch Blu-ray abspielen kann. Spekulationen über ein solches Universalgerät hatte es in der Branche bereits zur diesjährigen Computermesse CeBIT im März gegeben, kein Hersteller hat den technisch möglichen Brückenschlag jedoch bisher angekündigt. Beide Lager üben sich derweil in Sieges-Rhetorik.

Für eine lange Ko-Existenz der beiden HD-Formate (High Definition) spricht auch die Macht der beiden Industriegruppen, von denen keine die andere so ohne weiteres verdrängen kann. Hinter Blu-ray stehen Elektronik-Riesen wie Sony und Panasonic, im Lager der HD-DVD sind die Konkurrenten Toshiba und NEC, aber eben auch Computer-Giganten wie Microsoft und Intel. Sony setzt zusätzlich auf die Playstation 3 als Zugpferd, die im November in die Läden kommt und wohl das günstigste Blu-ray-Abspielgerät wird (Europa-Preis 600 Euro).

Beim zweiten wichtigsten Kaufargument neben dem Preis - dem Filmangebot - liefern sich die Rivalen ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Die meisten Hollywood-Studios veröffentlichen Filme in beiden Formaten. In Amerika sind derzeit 83 Titel in HD-DVD auf dem Markt und 57 in Blu-ray. Zum Weihnachtsgeschäft sollen weitere folgen.

Erste Testberichte für die neuen Player fielen allerdings recht nüchtern aus. Zu den Kritikpunkten gehörten schleppende Bedienung, laute Lüfter und bei manchen Geräten und Filmen ausgerechnet auch noch Mängel bei der Bildqualität - dem eigentlichen Grund, sich für viel Geld einen hochauflösenden Videoplayer anzuschaffen.

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