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Kritik an Microsofts Milliardenspende

27.11.2001 | 00:00 Uhr |

Die Danaer ob ihrer Geschenke zu fürchten, hätte den Trojanern geholfen. Die Computerbranche betrachtet Microsofts Vergleichsangebot jedenfalls höchst skeptisch.

Die geplante Milliardenspende von Microsoft für amerikanische Schulen zur Beilegung von mehr als 100 Sammelklagen ist von der Konkurrenz scharf kritisiert worden. Die Spende könnte die Produkte anderer Unternehmen aus den Schulen drängen, beklagten am Dienstag verschiedene Software-Hersteller sowie die Computer and Communications Industry Association.

Nach einem Vergleichsvorschlag soll der weltgrößte Softwarekonzern in den kommenden fünf Jahren mehr als 14 000 der ärmsten Schulen in den USA mit Computern und Software ausstatten. Im Gegenzug würden mehr als 100 Sammelklagen von Privatleuten zurückgenommen. Die Kläger hatten Microsoft vorgeworfen, die marktbeherrschende Stellung für überhöhte Preise ausgenutzt zu haben. Die Übereinkunft, die am Dienstag von einem Gericht in Baltimore beraten werden soll, würde Microsoft nach Schätzungen rund 1,1 Milliarden Dollar (1,25 Mrd Euro/2,45 Mrd DM) kosten.

Eine Lösung, die das Verschenken von Microsoft-Programmen beinhalte, weite die Vormachtstellung des Softwaregiganten nur auf Kosten der Wettbewerber aus, sagte Bruce Hammond, Chef von Gobe.com, dem Onlinedienst SiliconValley.com. Das Unternehmen Gobe.com produziert Schulsoftware, darunter auch eine speziell für Kinder angepasste Textverarbeitung, die nun durch Microsoft Word verdrängt werden könnte.

Ed Black, Präsident der von Microsoft-Konkurrenten unterstützten Vereinigung Communications Industry Association wandte sich in einem Brief an Richter J. Frederick Motz ebenfalls gegen den Vergleich, berichtete die Online-Ausgabe des "Wall Street Journal". Die angestrebte Einigung verhindere keinesfalls künftige Verstöße von Microsoft gegen das Wettbewerbsrecht und werde dem betroffenen Technologie-Märkten großen Schaden zufügen.

Nach Ansicht von Marktbeobachtern könnte einer der Verlierer des ins Auge gefassten Microsoft-Vergleichs Apple sein. Der Mac-Hersteller aus Cupertino ist neben dem texanischen Hersteller Dell der führende Ausstatter für Schul-Computer. Ein massive Microsoft-Spende werde den Anteil der Windows-Rechner an den US-Schulen in die Höhe treiben und andere Plattformen möglicherweise verdrängen. dpa/pm

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