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Kunden-Ärger bei Internet-Käufen: Brüssel fragt zuerst Anbieter

09.02.2007 | 07:41 Uhr |

Immer mehr Internet-Käufer sind sauer. Per Mausklick bestellte Waren werden oftmals spät oder gar nicht geliefert - oder defekt, oder anders als bestellt. Ersatz oder Geld zurück gibt es nach Erfahrung der Europäischen Verbraucherzentralen oft nur mit Schwierigkeiten, schon wegen der unterschiedlichen Rechtslage bei grenzüberschreitenden Bestellungen.

Die EU könnte das ändern - wird aber schon beim ersten Anlauf zu neuen Regeln von der Wirtschaft angegriffen. In einem Fall ging es um einen DVD-Spieler. Ein Schwede hatte ihn bei einem deutschen Anbieter im Internet geordert und auch vorab bezahlt. Doch das gelieferte Gerät entsprach nicht der Bestellung. Der Kunde schickte es zurück, verlangte eine Erstattung oder den richtigen Apparat. Doch der Lieferant reagierte erst, als die schwedische und deutsche Verbraucherzentrale ihn mehrfach dazu aufgefordert hatten. Und er überwies auch nur den Preis der Ware. Die Versandkosten forderte der entnervte Kunde am Ende nicht mehr ein. Diesen Fall schildern die Europäischen Verbraucherzentralen in ihrem jüngsten Bericht zu Internet-Geschäfte als typisch: Mit 1834 registrierten Beschwerden haben sich die Streitfälle bei Internet- Geschäften im Jahr 2005 mehr als verdoppelt. Ein Drittel aller Klagen betraf dabei Lieferanten aus Deutschland. Sie sammelten mehr Kritik, als britische und französische Anbieter zusammen. Umgekehrt gehörten der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHK) und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Donnerstag zu den ersten, die sich gegen neue Pläne der EU-Kommission für kundenfreundlichere Regeln im Internet-Handel wandten. Die Brüsseler Behörde sammelt zunächst drei Monate lang Meinungen zu der Frage, wie das Vertrauen der Verbraucher in solche Geschäfte gestärkt werden kann. «Den Nachweis, dass eine Verschärfung des Verbraucherschutz notwendig ist, ist die Kommission bis heute schuldig geblieben», schimpfte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Tatsächlich legte die neue Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva zur Untermauerung ihres Vorhabens eine Umfrage vor - doch darin kamen nur die Händler zu Wort, keine frustrierten Kunden. Viele der 6600 befragten Manager wünschten - anders als BDI und DIHK - aber durchaus gemeinsame EU-Regeln: National unterschiedliche Vorschriften zu Produktinformation und Rückgaberecht, Versandkosten und Lieferbedingungen machten auch ihnen das Leben schwer. «Die Klagen der Verbraucher und der kleinen und mittleren Unternehmen laufen eigentlich auf das Gleiche hinaus», meinte Kuneva. Die Kommissarin schilderte den Fall eines Franzosen, der in Dänemark den «Da Vinci Code» bestellt hatte. Das Buch kam, doch fehlten 20 Seiten: «Und Sie wissen ja, wie wichtig 20 Seiten bei einem spannenden Roman sind.» Doch als der Franzose dies - nach französischem Recht fristgerecht - reklamierte, war die Einspruchsfrist nach dänischem Recht schon abgelaufen. Vielleicht könnte die EU diese Fristen vereinheitlichen. Aber Kuneva dämpfte vorab die Erwartungen: Das werde «sehr schwierig». (dpa)

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