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LTE am Macbook – Ein Erfahrungsbericht

31.05.2012 | 16:47 Uhr |

Seit kurzem ist LTE in den Ballungsgebieten angekommen. Die Technik soll UMTS als mobiles Datennetz ergänzen und langfristig ablösen. Wir haben uns mit einem Macbook und einem LTE-Stick durch München bewegt und ermitteln, wie schnell das neue Supernetz wirklich ist.

Das Internet der Zukunft kommt in einem kleinen Karton, der nicht nur von der Größe her an die Verpackung des iPhone erinnert. Das Innenleben ist offenbar von Apples Kartondesignern inspiriert. Die erste kleine Enttäuschung: Der „Speedstick LTE“ ist weit größer als gedacht. Zu diesem Funkmodem werden wir noch ein gespaltenes Verhältnis bekommen.


Der Start läuft nahezu butterweich: Keine fünf Minuten nach dem Auspacken sind wir schon online. Die Suche nach der Klappe, in die die Simkarte eingesteckt werden soll, ist dabei noch die größte Hürde. Der Rest ist fast Kinderkram. Einstecken, auf das Programmsymbol klicken, das nun automatisch aufpoppt und die Installation abwarten. Die erste Amtshandlung der Software ist ein Absturz, der jedoch beinahe ein Einzelfall bleiben wird. Aufatmen, wir sind online! Wir müssen keine Netzwerkassistenten durchklicken und nicht in den Internet-Einstellungen basteln, es funktioniert einfach. Dafür sorgt der „Internet-Manager“, der eigentlich Verbindungsmanager heißen sollte. Dieser verrät: „4G, vier von fünf Balken Empfang“. Das klingt doch schon mal gut!

Innerhalb von wenigen Augenblicken steht der erste Eindruck: LTE ist schnell, wirklich schnell. Webseiten sind in zwei Sekunden vollständig auf dem Bildschirm, Dateien wandern sehr zügig auf unser Macbook. Wenige Minuten im neuen Highspeed-Netz unterwegs und schon meldet der Internet-Manager, dass es Updates für die Software und Firmware gibt. Neuer ist immer besser und so klicken wir auf „Installieren“. Erste Verunsicherung: Ein Updater öffnet sich und die Aktivitätsanzeige von OS X meldet „Programm reagiert nicht“. Dies dauert etwa 15 Minuten, dann ist die Installation wider Erwarten doch erfolgreich. 

Der LTE-Stick ist groß und wird sehr warm.
Vergrößern Der LTE-Stick ist groß und wird sehr warm.

Schnell überall?


Jetzt sind wir wieder online. Ich will es genau wissen: Internet-Speedtest! Im 4G-Modus schießt der virtuelle Zeiger des Internet-Tachos zuhause (im Münchner Norden) auf weit über 20, einmal sogar auf bis zu 40 MBit/s Download-Geschwindigkeit. Im Upload liegen wir immerhin noch bei 8,5 MBit/s. Dagegen sieht mein DSL-Anschluss zuhause mit 16, beziehungsweise einem MBit/s sehr alt aus. In der Praxis bedeutet das, dass wir Dateien hier mit rund 1,8 Megabyte pro Sekunde auf das Macbook saugen. Besonders der schnelle Upload gefällt. Größere Dateien landen so deutlich schneller auf dem Firmenserver als über den DSL-Anschluss.

Im Macwelt-Büro sieht dies dagegen anders aus. Im Verlag, der ganz in der Nähe liegt, wechselt unser Netz munter zwischen null Balken LTE und vollem Ausschlag bei Edge. Die Geschwindigkeit schwankt entsprechend zwischen zehn MBit/s und nahe null.
Draußen ist die Lage freundlicher, in einem Straßencafé nahe des Verlagsgebäudes kann sich der Speedstick stabil mit dem LTE-Netz verbinden und schaufelt Daten mit rund zehn MBit/s auf das Macbook. Aber wer kann schon den ganzen Tag im Café arbeiten? Falls kein LTE erreichbar ist, kann der Surfstick dank HSPA+ immer noch schnell sein.Im Münchner Norden erreichen wir dank HSPA+ auch im UMTS-Netz noch stattliche zehn MBit/s als Download-Rate, wenn wir manuell das Netz wechseln.

LTE-Tarife und das Netz

Die Deutsche Telekom bietet LTE als Teil des teuersten Mobiltarifs „ Mobile Data XL “ an. Dieser kostet 80 Euro im Monat und erlaubt 30 Gigabyte Datentransfer monatlich.


Gegen 60 Euro pro Monat erhält man zehn Gigabyte Datenvolumen, ist aber zugleich auf 42 MBit/s begrenzt. Konkurrent Vodafone hat ebenfalls einen LTE-Stick mit Tarif im Angebot. Hier verspricht der Anbieter bis zu 50 MBit/s, erlaubt 10 Gigabyte Transfervolumen und verlangt 50 Euro monatlich dafür.

Anhand der Karten für die Netzabdeckung zeigt sich, dass Vodafone offenbar im ländlichen Raum besser aufgestellt ist, während die Telekom Städte besser abdeckt.


Kollege Mehl testet LTE weit draußen im Osten von München jenseits des S-Bahn-Gebietes und erreicht dort im Haus ebenfalls kein LTE, nur außerhalb des Hauses gibt es gerade so zügiges Internet mit 4G. Kollege Möller sitzt mit Macbook und LTE am Isarufer und erfreut sich dort an 25 MBit/s Downstream – auch zuhause in Giesing gibt es eine ähnlich zügige Verbindung. Insgesamt zeigen unsere Stichproben, dass LTE wirklich sehr schnell ist, jedoch auch nicht enorm reichweitenstark zu sein scheint. Alleine ein Glasfenster kann offenbar darüber entscheiden, ob man rasend schnell oder doch nur in UMTS-Geschwindigkeit surft. Zudem erleben wir im Zug mehrere Netzabstürze, bei denen nur Ab- und Anstecken des Sticks hilft.

Komfort wie Wifi?


Erstaunlich, wie viele Daten bei gutem Empfang durch die unsichtbare Leitung schießen. 100 Megabyte, 400 Megabyte.… Ein paar Softwareupdates und Youtube-Videos später sind wir schon bei einem Gigabyte Datenvolumen. Oh! Schnell ein Blick in die Unterlagen: Wie groß ist das erlaubte Volumen pro Monat gleich noch? 30 Gigabyte sind es, verraten die Tarifdetails. Das ist viel im Vergleich zu einem iPhone-Datentarif, jedoch für Intensivnutzer eindeutig zu wenig.

Der Internet-Manager gibt Auskunft über die getätigten Downloads. Innerhalb kurzer Zeit kommt hier viel Traffic zusammen.
Vergrößern Der Internet-Manager gibt Auskunft über die getätigten Downloads. Innerhalb kurzer Zeit kommt hier viel Traffic zusammen.

Kann der Komfort denn ebenso mit einer Wifi-Verbindung mithalten wie die Geschwindigkeit? Nicht ganz. Denn während das Macbook für die Wifi-Verbindung nach dem Aufklappen nur wenige Sekunden benötigt, verbindet sich das LTE-Modem nur dann automatisch, wenn man dies in den Einstellungen aktiviert hat. Und selbst dann vergehen rund 30 Sekunden, bis wir wieder online sind. Der zweite Haken ist das Modem selbst. Denn es ist nicht nur groß, sondern auch hungrig. Die Akku-Ladung des Macbook schwindet im LTE-Betrieb deutlich schneller als sonst. Der „Speedstick“ saugt so viel Leistung aus dem USB-Port wie technisch möglich. Diese verwandelt das Modem in beachtlich viel Wärme: Es wird nahezu heiß.

Ein weiterer potenzieller Haken: Trotz der rasanten Geschwindigkeit ersetzt LTE keinen echten DSL-Anschluss: Weil es eine Mobilfunkverbindung ist, sind einige Dienste eventuell vom Provider gesperrt: VoIP, P2P und Instant Messaging sind bei den meisten LTE-Tarifen verboten. Damit fallen viele beliebte Dienste potenziell aus. In der Praxis funktioniert zwar derzeit alles, eine Garantie für die Zukunft gibt es aber nicht.

Fazit


LTE sorgt für einen echten „Aha“-Effekt und übertrifft sogar viele DSL-Anschlüsse spielend – sofern man guten Empfang hat. Das ist in München an vielen, aber nicht an allen Orten der Fall. Zwar haben wir keine wahnsinnigen Transferraten gesehen, die in Richtung der theoretisch möglichen 100 MBit/s gehen, doch die Geschwindigkeit überzeugt. Bei Preis und Komfort kann das neue Turbonetz derzeit noch nicht punkten. 80 Euro im Monat sind ein echter Spielverderber und das große, stromhungrige USB-Modem ist auch noch keine ideale Lösung. Dazu hat man als Stadtmensch nur dann etwas von LTE, wenn man zufällig in Bonn, Frankfurt, München oder einigen wenigen anderen Städten lebt.

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