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Lahme Krücke iBook

11.04.2002 | 11:22 Uhr |

Das erfolgreiche iBook sieht sich durch die Einführung von Mac-OS X von der Stiftung Warentest abgewertet.

München/Macwelt - Nicht nur die Macwelt, auch die Stiftung Warentest testet regelmäßig Computer von Apple. In der aktuellen Ausgabe musste nun ein aktuelles iBook gegen eine Übermacht von dreizehn Windows-Notebooks antreten. Hatte das alte, "runde" iBook bei der Stiftung noch den dritten Platz erreicht, rutschte das schicke weiße Gerät auf einen unbefriedigenden sechsten Platz. Das Magazin ist zwar keine ausgewiesene Computerzeitschrift, ihre Wertungen haben aber in Deutschland immer noch eine große Bedeutung.
Was war für das iBook schiefgelaufen? Als Hauptkritikpunkt nannten die Tester die mangelhafte Performance des Geräts. Auf den ersten Blick erscheint dies erstaunlich: Ein Powerbook mit 600 MHz-G3-Prozessor wäre vor einem Jahr noch ernsthafter Konkurrent der G4-Powerbooks gewesen. Sogar ein Sony Notebook mit 866 MHz sollte schneller sein als Apple Verkaufsschlager. Was stimmte hier nicht? Der Grund für die schlechte Wertung liegt in dem von der Stiftung Warentest verwendeten Betriebssystem. In völliger Übereinstimmung mit Apples Produktpolitik hatte die Stiftung die Geschwindigkeit des iBooks unter Mac-OS X gemessen. Am schlechtesten von allen Testteilnehmern schnitt das iBook im Bereich Büroanwendungen ab, einem Benchmark, bei dem Windowsnotebooks Office und Office XP einsetzten, das iBook jedoch auf Office v. X zurückgreifen musste. Hier erreichte das iBook nur eine miserable Wertung. Zwei negative Aspekte treffen zusammen: Eine ressourcenfressende Office-Suite und ein Prozessor ohne Altivec-Einheit. Ein G3-Prozessor ist für Mac-OS X leider nicht ideal, schließlich sind nicht nur iTunes und iMovie auf die Altivec-Einheit des G4 optimiert, auch der Grafiklayer Quartz läuft auf einem G4-Rechner schneller und flüssiger. Jede Bilddarstellung, seien es nun Aktionen des Finders oder nur das Bewegen eines Dock-Icons, fällt einem G4 leichter. Es gibt noch weitere Gründe, die einem iBook-Nutzer einen Rückgriff auf Mac-OS 9 nahe legen. Nicht nur der Prozessor wird durch Mac-OS X stark belastet, sondern auch die Festplatte. Dank der neuen Systemarchitektur greift das Betriebssystem weit häufiger auf die Festplatte zu, um Daten aufzurufen oder den Speicher auszulagern. Die iBook-Festplatten erreicht aber nie die Leistungsfähigkeit eines aktuellen Desktopsystems. Diese Eigenschaften verringern neben der Geschwindigkeit aber auch die Batterielebensdauer. Ein iBook-Besitzer beklagte sich kürzlich, unter Mac-OS 9 halte sein Akku fünf Stunden, unter Mac-OS X dagegen nur zweieinhalb Stunden. Auch wenn dies ein Extremfall zu sein scheint, für iBook-Besitzer scheint Mac-OS 9 immer noch das geeignetere Betriebssystem zu sein. Sicher lässt sich mit Office v. X problemlos arbeiten, man wird nur keine Geschwindigkeitsrekorde damit aufstellen. Über kurz oder lang wird Apple wohl nichts anderes übrig zu bleiben, als auch in seinen iBooks einen preiswerten G4-Prozessor einzusetzen.
Ein Trost für Office v. X-Nutzer auf einem iBook bleibt aber noch: Microsoft hat für Mai ein Update für Office v. X angekündigt, das die Geschwindigkeit der Büroprogramme verbessern soll. Stephan Wiesend

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