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Leopards neuer Finder: Hello Cocoa, good bye beachball

14.06.2007 | 15:14 Uhr |

Von Grund auf neu: Der Finder in Mac OS X 10.5 ist - soweit die wenigen Informationen zutreffend sind - eine komplette Neuentwicklung, an dessen Oberfläche die Veränderungen weniger spektakulär sind als die neue Codebasis.

Komplett in Cocoa geschrieben nutzt er die 64-Bit-Fähigkeiten moderner Prozessoren und Chip-Sätze optimal aus, läuft stabil und schnell. Dem "spinning beachball" sind die Entwickler bei der Arbeit mit dem Leo-Finder noch nicht begegnet, jedenfalls die nicht, die ihre Verschwiegenheitsverpflichtung gebrochen haben. Unmut und Unsicherheit unter den Entwicklern wächst indes, weil einige Anzeichen darauf hindeuten, das sich die 64-Bit-Unterstützung nicht auf Carbon ausstreckt.

Was eine Frage der Ehre für die Entwickler ist, ist für uns Journalisten eine Qual: Wer mit der Vorabversion von Mac OS X 10.5 arbeiten darf, hat unterschrieben, darüber Stillschweigen zu bewahren. Nur wenige plaudern Details aus - und deren Wahrheitsgehalt können wir kaum überprüfen. Als zunehmend sicher aber kristallisiert sich heraus, dass der von Steve Jobs in der Keynote von Montag als Feature 2 vorgestellte Finder tatsächlich komplett neu ist. In einem Forum-Posting bei Mac Rumors berichtet einer, der die Leopard-Preview ausprobieren konnte, der "neue Finder ist absolut das Beste. Wie viele Jahre haben wir auf einen Cocoa-Finder gewartet? Hier ist er!". Das Aktivieren und Durchsuchen von Netzwerk-Volumes funktioniere ohne Verzögerungen, Prozesse würden keine Zwangspausen mehr einlegen, wenn der Anwender in die Menüzeile klickt oder andere Aktionen macht, bei denen bislang Prozesse ausgebremst worden sind. Eine andere Quelle von Mac Rumors gibt sich zurückhaltender: "Der neue Finder ist nicht so neu, wie ich es erwartet habe, aber er erscheint stabil und vernünftig." Bis zu Mac OS X 10.4 hat Apple zum Teil mehr als zehn Jahre alte Code-Bestandteile im Finder mitgeschleppt, die ein flüssiges Arbeiten in Einzelfällen sehr zäh gemacht haben - etwa der Quasi-Stillstand, wenn durch Netzwerkfehler gemeinsam genutzte Laufwerke abgehängt worden sind. Zahlreiche Elemente des Finders nutzen bis heute die Programmierschnittstellensammlung (API) Carbon, auf deren Basis Entwickler in den späten 90ern Programme sowohl für das klassische Mac OS als auch das neue Mac OS X entwickeln konnten. Das native Mac OS X-Gegenstück dazu heißt Cocoa: Mit dieser API ist keine Abwärtskompatibilität zum klassischen Mac OS mehr möglich, diese Notwendigkeit verblasst allerdings auch zunehmend. Für Software-Entwickler bedeutet allerdings die Umstellung von der einen auf die andere API eine enorme Portierungsarbeit. Diese Entwickler sind nun aufgeschreckt durch einen Ars Technica-Bericht , der unterstellt, Apple würde die technisch mögliche 64-Bit-Unterstützung für Carbon nicht realisieren. Auf der vergangenen WWDC vor knapp einem Jahr war dies noch angekündigt worden, nun scheint Apple dieses Vorhaben eingestellt zu haben. Die Vorteile von 64-Bit-Unterstützung dürften sich allerdings im alltäglichen Umgang der meisten Anwender in Grenzen halten, vor allem rechen- und speicherintensive Applikationen zum Beispiel im Video-, 3D- und wissenschaftlichen Bereich profitieren von den Möglichkeiten. Apple selbst nutzt in einigen Programmen weiterhin Carbon, dazu zählt etwa iTunes. Gründe hierfür liegen auch in den besseren Fähigkeiten für die plattformübergreifende Programmierung. Im Laufe des heutigen Tages veranstaltet Apple auf der WWDC eine thematisch nahe Session - ob Details daraus bekannt werden, ist ungewiss.

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