1038354

HP-Chef Mark Hurd stolpert über Liaison

09.08.2010 | 06:50 Uhr |

Ein Techtelmechtel hat den Chef des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett-Packard den Job gekostet. Er soll, um die Beziehung zu verschleiern, Spesenabrechnungen gefälscht haben. Nun sucht das Unternehmen einen Nachfolger.

Hewlett Packard Logo
Vergrößern Hewlett Packard Logo

Der Chef des amerikanischen Computer- und Druckerriesen Hewlett-Packard ist über eine allzu enge Beziehung mit einer externen Mitarbeiterin gestolpert. Mark Hurd, der 2005 Carly Fiorina an der HP-Spitze abgelöst hatte, soll die Frau mit Geldern aus der Firmenkasse ausgehalten haben. Der Verwaltungsrat drängte den zweifachen Familienvater daraufhin zum Rückzug. Hurd legte mit sofortiger Wirkung alle seinen Ämter nieder.

Spesenmissbrauch

Der anfangs im Raum gestandene Vorwurf der sexuellen Belästigung habe sich allerdings nicht bestätigt, teilte HP ausdrücklich mit. Auf eine Klage habe die Frau verzichtet, sagte Chefjustiziar Michael Holston. Hurd hat sich nach Informationen des "Wall Street Journals" vom Sonntag mit ihr geeinigt. Zumindest firmenseitig fließt demnach kein Geld. Weitere Details blieben unklar.

"Das ist eine schmerzhafte Entscheidung für mich nach fünf Jahren bei HP", sagte Hurd am Freitag in einer Mitteilung, "aber ich glaube, dass es schwierig für mich würde, als Chef bei HP erfolgreich weiterzuarbeiten." Er habe seine und die Prinzipien des Unternehmens verletzt: Vertrauen, Glaubwürdigkeit und gegenseitige Achtung. Der Rücktritt sei die einzige Entscheidung gewesen, die er und der Verwaltungsrat zu dieser Zeit hätten treffen können.

Der Vorwurf der sexuellen Belästigung hatte den Fall vor gut einem Monat ins Rollen gebracht. Ende Juni hatte sich der Anwalt der Frau an das Unternehmen gewandt. Die Vorwürfe stellten sich nach einer Überprüfung zwar als haltlos heraus, doch es kamen andere Ungereimtheiten ans Licht.

Die Frau arbeitete nach Angaben von HP zwei Jahre lang als externe Beraterin im Marketing des Konzerns. Hurd habe eine "enge persönliche Beziehung" zu ihr aufgebaut, sagte Chefjustiziar Holston in einer Telefonkonferenz. Nach außen hin habe er dies verheimlicht. Bei den Ermittlungen seien dann fragwürdige Abrechnungen aufgetaucht.

Nach Informationen der "New York Times" hatte Hurd die Frau mehrfach zu Veranstaltungen im In- und Ausland mitgenommen. Sie sei dafür nicht nur gut bezahlt worden, sondern der 53-Jährige hätte mit ihr auch häufiger auf Firmenkosten zu Abend gegessen, ohne dies später anzugeben. Hurd, so schreibt die Zeitung unter Berufung auf sein Umfeld, habe eine sexuelle Beziehung aber abgestritten. Auch die Anwältin der Frau bestritt sexuelle Kontakte.

Der als kühler Rechner und harter Sanierer bekannte Manager habe es in diesem Fall "deutlich an Urteilsvermögen mangeln lassen", sagte Chefjustiziar Holston. Seine Leistungen als Chef würdigte er dagegen. "Das war eine schmerzhafte Entscheidung für alle Beteiligten, angesichts der starken Führung von Mark in den vergangenen Jahren", kommentierte Verwaltungsratsmitglied und Netscape-Mitgründer Marc Andreessen den Abgang. Hurd bekommt eine Abfindung von 12,2 Millionen Dollar in bar.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1038354