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Linker Professor fordert öffentlich-rechtliches Youtube & Co.

17.06.2016 | 11:56 Uhr |

Christian Fuchs, Medienwissenschaftler in England, fordert gegen neoliberale Politik mehr Transparenz bei sozialen Medien.

Christian Fuchs ist Professor und Direktor des  Communication and Media Research Institute an der University of Westminster . Jüngst untersuchte er, welche Rolle Überwachung und die Privatsphäre für die Nutzer von Online-Netzwerken spielen. Zu seiner mehrjährigen Forschung interviewte ihn das österreichische Internetportal Futurezone .

Als eines der Hauptergebnisse seiner Forschung stellt Fuchs heraus, dass Nutzer zwar relativ wenig über Datenschutz wissen, aber dennoch sozialen Netzwerken kritisch gegenüberstehen, etwa in Bezug auf personalisierte Werbung, mit der Daten zu Profit gemacht werden. Seinen Untersuchungen zufolge will die Mehrheit das an sich nicht. Es gibt aber zu wenig Alternativen zu Google oder Facebook. Fuchs stellt die Frage in den Raum, wie politisch und ökonomisch Alternativen mit benutzerfreundlichen rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden könnten. Er sieht die Politik derzeit als zu unternehmensfreundlich und neoliberal, sie fördere eher den Profit der kalifornischen Internetkonzerne. Dagegen sieht er in den Bewegungen und Regierungen in Griechenland (Syrzia), Spanien, Großbritannien oder den USA (Bernie Sanders) Tendenzen einer neuen Linken, die eine Alternative zum Kapitalismus darstellen könnten.

Gerade in Europa gebe es eine starke Tradition öffentlich-rechtlicher Medien. Mit deren Programmarchiven sei es möglich, eine Art alternatives Youtube zu schaffen, bei dem es nicht um die Daten der Nutzer und Werbung gehe. Auch wenn das derzeit in der Umsetzung nicht realistisch sei, müsse die Forderung doch gestellt werden, um Neoliberalismus und Kapitalismus in der Medien- und Internetpolitik etwas entgegenzuhalten.

Darüber hinaus schlägt Christian Fuchs die Weiterentwicklung der Rundfunkgebühr zu einer Mediengebühr vor. Auch die Online-Werbung solle stärker besteuert werden. Bürger könnten auf diese Weise nicht-kommerzielle Medienorganisationen und vor allem den investigativen Journalismus finanzieren, der in einer Krise steckt. Kriterium für die Vergabe sollte sein, dass solche Organisationen zivilrechtlich organisiert und nicht gewinnorientiert sind. Diese dürften dann weder Werbung betreiben noch Waren verkaufen.

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