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Linux-Software auf dem Mac: Mit KDE, aber ohne X11 und Fink

16.01.2007 | 10:58 Uhr |

Programme für KDE sollen sich in Zukunft auch auf dem Mac ausführen lassen, mit einer ersten Entwicklerversion von KDE 4 funktioniert das schon.

Wer bereits einmal mit Linux gearbeitet hat, weiß mit dem Begriff "KDE" vielleicht etwas anzufangen: Er steht für das "K Desktop Environment", neben Gnome wohl die beliebteste Arbeitsumgebung für das freie Betriebssystem. In Version 4 soll KDE sich auch unter Mac OS X einsetzen lassen - ohne X11-Umgebung und ohne Fink.

"Nur weil KDE eine ganze Generation lang nur dafür entwickelt wurde, auf Linux, FreeBSD und andere Unix/X11-Umgebungen portiert zu werden, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht für gelegentliche Herausforderungen bereit sind", erklärt Troy Unrau auf KDE.news . KDE und Mac OS X sollen sich in Zukunft genau so gut vertragen wie KDE und Linux. Denn die von Unrau genannte Herausforderung sorgt in Entwicklerkreisen schon länger für Unruhe: Die norwegische Softwarefirma Trolltech unterstützt mit Qt , einer Bibliothek für plattformübergreifende Benutzeroberflächen, bereits seit 2003 unter GPL-Lizenz auch Mac OS X. Seit Juni 2005 ist das sogar für Windows der Fall. KDE 4 aber fußt auf Qt - was liegt näher, als die Linux-Umgebung auch für den Mac anzubieten? Kommt nun die KDE-Oberfläche von Linux auf den Mac und will dort Aqua ersetzen? Nein, das ist mit KDE nicht (mehr) gemeint und würde am Mac auch nur wenig Sinn machen. Unrau erklärt: KDE steht in Version 4 nicht mehr nur für die Oberfläche, die das Projekt entwickelt, sondern auch für alle anderen Elemente: für die Entwicklungsumgebung und die KDE-Software, die darauf fußt. Ein unter Mac-Anwendern recht bekanntes Beispiel einer KDE-Applikation ist Konqueror , der KDE-Browser, der auf die gleiche Engine wie Safari setzt. Bislang brauchte man die grafische Oberfläche X11, um KDE-Software auf dem Mac auszuführen. In Zukunft wird deren Installation nicht mehr nötig sein: Aqua reicht, wenn man zusätzlich KDE 4 und die zugehörigen Bibliotheken installiert. Der Vorteil soll eine relativ einheitliche Oberfläche sein, die einem weniger das Gefühl gibt, unter zwei verschiedenen Systemen zu arbeiten. KDE-Applikationen lassen sich im Finder öffnen, sobald man für Mac OS X kompilierte Pakete installiert hat, Unrau nennt sie KDE/Mac-Applikationen. Im Moment allerdings gibt es nur eine Entwicklerversion, bei der die Zusammenarbeit mit Mac OS X nur eingeschränkt funktioniert. Schon benutzen lassen sich Tastenkürzel und die Zwischenablage, auch die Unterstützung mehrerer Sprachen ist in KDE/Mac bereits integriert. Drag-and-drop hingegen ist in der aktuellen Vorversion anscheinend noch nicht zu gebrauchen. Wer am Mac noch manche Applikation vermisst oder von Linux switcht und auf das eine oder andere Programm nicht verzichten möchte, wird KDE 4 für dem Mac begrüßen: KOffice , das freie und kostenlose Office-Paket für KDE, wird darauf ebenso laufen wie Konqueror und zahlreiche andere Anwendungen. Der Zeitpunkt der Fertigstellung steht allerdings noch nicht fest.

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