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Linux vor der Wahl: DRM oder Tod?

11.04.2006 | 10:28 Uhr |

Linux muss Digital Rights Management unterstützen, fordert ein führender Manager des Multimedia-Konzerns Realnetworks. Andernfalls würde das Open-Source-Betriebssystem sterben.

Linux steht für Freiheit. Das Open-Source-System umweht ein Hauch von Widerstand gegen das Establishment, von revolutionären Gedanken und Non-Profit-Denken. Von Piratentum und dem Geist der 68er. Dazu gehört ganz besonders auch der lockere Umgang mit Kopierschutz und Digital Rights Management. Doch wenn es nach einem Manager von Realnetworks geht, soll sich das bald ändern.

Konkret fordert Jeff Ayars, Vizepräsident von Realnetworks , dass DRM in den Linux-Kernel implementiert wird. Das wäre die zwingende Voraussetzung, damit Linux als Betriebssystem für den Endverbrauchtermarkt eine Chance habe. Ayars machte seine provozierenden Äußerungen am letzten Dienstag auf der Linuxworld in Boston, wie ein australisches IT-Nachrichtenmagazin berichtet.

Wenn Linux keine durch DRM geschützte Dateien abspielen kann, würden sich die Anwender zwangsläufig von dem Open-Source-System abwenden. Dann bliebe nur Windows als Massen-Plattformen fürs Home Entertainment zusammen mit speziellen Entertainment-Geräten übrig. Linux bliebe nur die Nische als Serversystem und der Einsatz auf beruflich genutzten Rechnern.

Gerade das kommende Windows Vista bietet eine Reihe von DRM-Technologien, beispielsweise "Protected Media Path" (Wiedergabeschutz für Video- und Audio-Material), "Protected Video Path" und "Protected User Mode Audio". Linux solle das auch zur Verfügung stellen, fordert Ayars.

Ayars stößt mit seiner Meinung wie zu erwarten auf Widerstand. Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe, meint, dass die Anwender DRM nicht mögen. Letztendlich sei es deren freie Entscheidung, ob sie ein Betriebssystem mit DRM einsetzen oder nicht.

Ayars hofft, dass zumindest die Hersteller von professionell vertriebenen Linux-Distributionen auf DRM setzen. Dabei denkt der Realnetworks-Manager an Red Hat, Novell oder Linspire. Ganz falsch scheint er mit dieser Vermutung nicht zu liegen, ein Linspire-Manager hat bereits angedeutet, dass man über DRM nachdenkt. Das könnte dann aber die große Chance für Linux-Distributionen sein, die nur von einer Community entwickelt werden und hinter denen kein gewinnorientiertes Unternehmen steckt.

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