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Microsoft: Onlive hat keine ausreichende Lizenz

12.03.2012 | 06:50 Uhr |

Der Service mit Microsoft Office Suite und Windows 7 als Desktop-Dienst für das iPad ignoriert die Richtlinien von Microsoft.

Microsoft Onlive
Vergrößern Microsoft Onlive

Onlive bietet erst seit einigen Wochen einen Dienst an, der Windows und Microsoft Office Programme auf Servern hostet und über Fernzugriff darauf für iPad - und Android-Tablet-Nutzer Zugriff anbietet. Joe Matz, Vizepräsident bei Microsoft, hat jetzt in einem Blog bekannt gegeben, dass Microsoft darin eine Verletzung seiner Lizenzen sieht und mit Onlive an einer Lösung dieser Streitfrage arbeitet.

Im Januar führte Onlive einen kostenlosen Cloud-Dienst namens Onlive Desktop ein, der den Anwendern "eine vollständige Windows Desktop-Oberfläche mit kompletten Office-Programmen" versprach, wie Onlives CEO Steve Pearlman in einem Blog beschrieb. Ursprünglich gab es diesen Zugriff zunächst nur für das iPad , aber wurde schnell auch auf Android-Tablets portiert und plante auch die Unterstützung von weiteren Plattformen. Gegen Zuzahlung sollen dann auch zusätzliche Funktionalitäten von schnellerem Surfen, mehr Speicherkapazität bis hin zu Flash-Unterstützung zugänglich sein.

Richtig Zulauf fand der Dienst nach einem lobenden Bericht am 22. Februar in der New York Times. Mitwettbewerber, die Microsoft Desktop als Dienst anbieten, starteten daraufhin mit kritischen Bemerkungen, dass Onlive Abkürzungen bei der Lizenzierung nahm. Wenige Tag später sendeten drei Analysten bei Gartner Warnungen an IT-Manager, dass die Onlive-Lizenzierzung von Microsoft-Produkten fraglich ist und die Manager vor dem Einsatz für Mitarbeiter die unbedingt auch das Kleingedruckte in den Richtlinien von Microsoft lesen sollen. "Falls Microsoft legale Schritte gegen Onlive einleitet würde dies auch die Kunden des Dienstes treffen. [...] Theoretisch könnte den Kunden sogar eine Mit-Schuld angehängt werden", meldete Michael Silver von Gartner am 29. Februar.

Aber Microsoft regte sich nicht, bis am letzten Donnerstag Matz in dem Blog die Lizenzbedingungen klarstellte. Demnach kann ein Kunde auf eine virtuelle Windows 7-Desktop-Umgebung über einen Drittanbieter zugreifen, wenn der Kunde selbst für alle verfügbare Software Lizenzen bei Microsoft hat. Die Hardware, auf der der Dienst angeboten wird, muss dabei ausschließlich zur Nutzung dieses Kunden reserviert und darf nicht mit weiteren Anwendern geteilt werden, beschreibt Matz die Randbedingungen. Ausnahme zu der direkten Lizenzierung mit Microsoft sind lediglich " desktop-ähnliche Funktionalitäten ", die von Partnern über Windows Server und Remote Desktop zur Verfügung gestellt werden, nicht aber Windows 7 oder die Microsoft Office Suite unter Win 7. Office ist nur als Dienst unter Windows Server via Remote Desktop erlaubt.

Auf E-Mail-Nachfrage bei Onlive lehnte die Pressesprecherin am letzten Freitag jeden Kommentar ab und erläutert, dass die Firma nie Kommentare zu Lizenz-Verträgen veröffentlicht.

Silver kritisiert, dass die Lizenz-Strategien von Microsoft zum einen nicht klar genug sind und zum anderen nicht dem neusten Stand der Technik entsprechen. Viele Definitionen und Vorbedingungen sind eher schwammig formuliert und technische Neuerungen und neue Dienst-Möglichkeiten sind nicht in Betracht gezogen oder zu generell verboten, klagt Silver. "Auf der anderen Seite muss Microsoft seine Interessen durch diese Rahmenbedingungen schützen. Onlive bot seinen Kunden Windows 7 inklusive Office an, ohne angemessene Lizenzgebühren an Microsoft abzuleiten. Wenn ein Angebot zu gut klingt um wahr zu sein, dann ist es meistens nicht wahr", fasst Silver zusammen.

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