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Loewe beantragt Gläubigerschutz

17.07.2013 | 10:13 Uhr |

Nur wenige Wochen vor der IFA in Berlin ist das Aushängeschild der deutschen Fernsehproduktion, Loewe, in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten.

Um einer Insolvenz vorzubeugen, hat sich das Unternehmen nun für ein Schutzschirmverfahren entschlossen. Dieses Pendant zum US-amerikanischen Chapter 11 wurde erst vergangenes Jahr eingeführt und regelt die Eigenverwaltung im Insolvenzverfahren. Es soll dazu dienen, dass Unternehmen möglichst frühzeitig den Insolvenzantrag stellen, um dann die in Schieflage geratene Firma besser sanieren zu können. "Die Loewe AG und die Loewe Opta GmbH sind nicht zahlungsunfähig, so dass damit die wichtigsten Voraussetzungen für ein Schutzschirmverfahren, so wie es die Gesetzgebung vorsieht, gegeben sind. Die unternehmerische Verantwortung bleibt dabei weiterhin in den Händen des Unternehmens selbst", heißt es in einer Mitteilung des Kronacher TV-Produzenten .

Die Probleme der TV-Schmiede sind allerdings nicht neu: Schon seit einigen Jahren steht Loewe am Rande des finanziellen Abgrunds. 2004 stieg bereits Sharp mit zehn Prozent bei Loewe ein, mittlerweile hält das japanische Unternehmen knapp 30 Prozent der Anteile. Auch der französische Peripherispezialist LaCie hält etwa elf Prozent an Loewe. Vergangenes Jahr machte dann das Gerücht die runde, Apple wolle bei den Kronachern einsteigen. Dies verhalf zwar den Aktien zu einem kurzfristigen Höhenflug, doch ein Engagement des Elektronikriesen blieb aus.

Apple und Loewe

Im Mai 2012 tauchte erstmals das Gerücht auf, Apple sei an einer Übernahme von Loewe interessiert, um auf der Erfahrung des Premiumherstellers aufbauend ein eigenes TV-Gerät zu entwickeln. Loewe dementierte zwar umgehend , doch kolportierte im Februar 2013 die Nachrichtenagentur dpa-AFX  erneut Übernahmespekulationen . Auch in diesem Fall dementierte Loewe sofort. Apple könnte jedoch durchaus an den Patenten Loewes interessiert sein, zumindest als Lizenznehmer. Ausgang offen.

Der Vorstandsvorsitzende von Loewe, Matthias Harsch, führt die Schwierigkeiten jedoch auf die derzeitige Marktlage zurück: "Wie die gesamte Branche belastet die aktuelle Marktschwäche bei TV-Geräten auch unser Geschäft schwer", erklärt Harsch. Deshalb wolle man die weitere Sanierung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens konsequent vorantreiben. An Loewes Problemen ist allerdings nicht allein die aktuelle Marktschwäche schuld - das Unternehmen hatte einfach viel zu lange auf hohe Preise und vermeintliche Exklusivität gesetzt. Von der Konkurrenz aus Fernost bekommt man Fernseher mit vergleichbaren Features aber längst für erheblich kleineres Geld.

Um wieder auf die Beine zu kommen, will Loewe sein Produktsegment in den "Einstiegsbereich der Premiummarke" ausweiten. Zudem soll das Vertriebskonzept breiter aufgestellt werden. Dazu setzt das Unternehmen auf "Synergien mit einem strategischen Partner bei Einkauf, Produktion, Entwicklung und Vertrieb" - wer dieser Partner sein wird, ist derweil noch unklar. "Wir müssen unseren Zielgruppen die Loewe-Premiumprodukte dort präsentieren, wo sie sie suchen", meint Harsch. Früher rümpften die Kronacher über den Vertrieb über Retailer und Etailer eher die Nase, nun denkt man doch über diese Absatzkanäle nach. (awe/tc)

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