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Lucent will Nürnberger Werk weiterhin verkaufen

14.08.2001 | 00:00 Uhr |

Das Management des Telekomausrüsters Lucent hält ungeachtet der Proteste von Mitarbeitern an den Plänen für einen Verkauf seines Nürnberger Werks fest. Das habe die Geschäftsführung am Montag bei einer Aufsichtsratssitzung in Nürnberg deutlich gemacht, berichtete das Aufsichtsratsmitglied Jürgen Wechsler. Nach den Worten des IG Metall-Funktionärs ist das Management aber optimistisch, das Werk mit seinen rund 750 Beschäftigten, 600 davon in der Produktion, als Ganzes verkaufen zu können.
Neben dem Verkauf des Werks an Fremdfirmen stehe auch ein Verkauf an Vertreter des bisherigen Managements zur Diskussion, ein so genanntes Management-Buy-Out, sagte Wechsler. Über «genaue Zahlen» sei nicht gesprochen worden. «Mann will erst in den nächsten drei Monaten zu bestimmten Entscheidungen kommen», fügte der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Nürnberg hinzu. Die Chancen, dass das Werk vor einer Zerstückelung bewahrt werde, hätten Mitglieder der Geschäftsführung als sehr hoch eingeschätzt, unterstrich Wechsler
Diese Absicht bekräftigte zuvor auch Unternehmenssprecher Gerhard Dahlberg: «Erklärtes Ziel der deutschen Geschäftsführung ist es, einen Käufer zu finden, der das Werk möglichst in vollem Umfang weiterbetreibt», sagte er. Dazu bestünden bereits Kontakte zu Interessenten auf regionaler und internationaler Ebene. «Es gibt eine Reihe von Gesprächen, die in dieser Woche fortgesetzt werden.»
Der Verkauf des Werks Nürnberg ist Teil eines weltweiten Kostendämpfungs-Programms des amerikanischen Lucent-Konzerns. Weltweit will der Konzern nach IG Metall-Angaben 15 000 bis 20 000 Arbeitsplätze einsparen. Lucent will sich künftig nur auf die Entwicklung von Telekommunikations-Technologie konzentrieren und sich von Fertigungs-Standorten trennen. In Nürnberg beschäftigt die Lucent Technologies Network Systems GmbH rund 3000 Mitarbeiter - mehr als 2000 davon allein in einem Telekommunikations-Forschungslabor. Dort stehen nach Gewerkschaftsinformationen rund 75 Arbeitsplätze zur Disposition. Das Werk in Augsburg mit rund 140 Mitarbeitern, in dem Glasfaserkabel gefertigt werden, wird von dem japanischen Kabelhersteller Furokawa übernommen.
Der Konzern mit Sitz in Murray Hill hat im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2000/2001 (30. September) einen Verlust von 3,25 Milliarden Dollar (7,3 Mrd DM/3,7 Mrd Euro) gemacht. Der Umsatz schrumpfte um 21 Prozent auf 5,82 Milliarden Dollar. Das Unternehmen litt unter anderem unter der sinkenden Nachfrage auf dem Handy-Markt. Lucent entwickelt und fertigt unter anderem Basisstationen für Mobilfunknetze. (dpa)

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