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Bundestagsabgeordneter lässt Wikipedia.de sperren

17.11.2008 | 10:08 Uhr |

Weil er mit biografischen Angaben zu seiner Person nicht einverstanden war, erwirkt der Abgeordnete Lutz Heilmann eine gerichtliche Verfügung gegen Wikipedia.

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Lutz Heilmann (Die Linke) hat vor dem Landgericht Lübeck erwirkt, dass der Verein Wikimedia e.V. nicht mehr auf die deutschsprachige Wikipedia verweisen darf. In dem Streit geht es um Angaben in dem Artikel über Heilmann, die nach seinen Angaben falsch sein sollen. Wer aktuell die Webseite wikipedia.de besuchen will, der erhält lediglich einen Hinweis auf die gerichtliche Verfügung. Die Domain Wikipedia.de gehört dem Verein Wikimedia e.V. Für die Inhalte der Web-Enzyklopädie wikipedia ist man laut eigener Aussage nicht verantwortlich. Deren Server stehen in den USA, der deutsche Verein sei lediglich für die Förderung der Enzyklopädie zuständig. Die offizielle Webadresse der deutschen Ausgabe der Wikipedia lautet de.wikipedia.org.

Wer wikipedia.de aufruft, erhält nur eine Erklärung der Situation
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Mittlerweile hat Heilmann laut Wikimedia die Einstweilige Verfügung mündlich zurückgezogen. Die Betreiber der Domain wikipedia.de warten jetzt darauf, dass das Gericht die Anordnung offiziell wieder zurück nimmt. Laut Spiegel Online sagte Heilmann, dass "die Persönlichkeitsrechte verletzenden Inhalte" weitgehend aus dem Eintrag verschwunden seien. Es ginge ihm nicht um Zensur, sondern um eine wahre Tatsachendarstellung. Laut Spiegel Online hat die Sperrung der deutschen Adresse viel Solidarität bei den Nutzern ausgelöst: Statt der üblichen 3.000 Euro täglicher Spenden seien alleine am Samstag rund 16.000 Euro Spenden eingegangen.

Wikimedia e.V. sagte, dass Heilmann die Änderungen auch einfach bei einem Administrator hätte beantragen können. Der Bundestagsabgeordnete Heilmann ist umstritten, er gilt als der erste Abgeordnete, dem im Jahr 2005 eine hauptberufliche Stasi-Vergangenheit nachgewiesen werden konnte. Er war Ende der Achtziger Mitglied der SED und hat als Personenschützer für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitert. Ein Misstrauensantrag seiner Fraktion war damals an einer knappen Abstimmung gescheitert.

Nachtrag: Wikipedia.de erreicht jetzt wieder die Suchmaske der deutschen Wikipedia, die Meldung über die Sperrung ist wieder verschwunden. Offenbar haben sich die Parteien geeinigt.

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