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Mac-OS 9 und File Sharing

20.10.1999 | 00:00 Uhr |

Apple hat sich bei Mac-OS 9 nicht nur auf eigene Entwicklungen gestützt, sondern auch mit unabhängigen Software-Entwicklern zusammengearbeitet. Die Softwareschmiede Open Door etwa, die 1995 von dem ehemaligen Apple-Mitarbeiter Alan Oppenheimer gegründet wurde, liefert mit IP-File-Sharing eine der wichtigsten Funktionen des neuen Mac-Betriebssystems für Apple. Zudem hat Open Door nach Angaben von Oppenheimer auch am Network Browser, an den Navigation Services sowie an der Implementierung des Service Location Protocols (SLP) von Mac-OS 9 mitgearbeitet.

Open Door und Apple hatten bereits vor über einem Jahr erste ernsthafte Gespräche über die Integration von IP-File-Sharing in Mac-OS 8.5. Laut Oppenheimer wurde jedoch erst 1999 beschlossen, das IP-File-Sharing von Open Door in Mac-OS 9 zu integrieren. Das Unternehmen begann dann für Apple zahlreiche SLP-Tests durchzuführen und hat Erweiterungen am ursprünglichen Apple-Konzept vorgenommen. In Mac-OS 9 nun, das ab Oktober verfügbar ist, befindet sich eine abgespeckte Version von Open Doors File-Sharing-Software "Shareway IP", die das Unternehmen auch weiterhin getrennt verkaufen wird. Anfang nächster Woche will Open Door etwa Shareway IP 3.0 vorstellen, das als Update für Mac-OS 9 erhältlich sein wird und insbesondere im Bereich Sicherheit mehr bieten haben soll, als Apples File Sharing. Darüber hinaus stellt Open Door eine Software-Fire-Wall für das Mac-OS vor, die es Hackern erschweren soll, in IP-Netze einzudringen.

File Sharing für das Internet im Detail

In Mac-OS 9 erweitert Apple die File-Sharing-Funktion um das IP-Protokoll, und bietet damit Anwendern die Möglichkeit, auf Macs nicht nur in lokalen Appletalk-Netzwerken, sondern auch über das Internet zuzugreifen. Damit kann etwa ein Benutzer in Berlin sich zum Ortstarif bei seinem Internet Service Provider einwählen und auf einen Macintosh Fileserver in München zugreifen. Bisher musste man für derartige Zugriffe komplizierte Appletalk-Router einsetzen, die zwei Netzwerke via ISDN oder IP verknüpften. Eine günstige Alternative bot Apple mit seiner Appletalk-Remote-Access-Software (ARA), die jedoch eine lokale Einwahl in ein Netzwerk voraussetzte. Im "Berlin-München"-Beispiel würde eine ARA-Einwahl auf einen Appleshare-Fileserver enorme Kosten verursachen.

Damit der Anwender von der komplizierten Internet-Technologie so wenig wie möglich mitbekommt, hat Apple in Mac-OS 9 das Service Location Protocol (SLP) und eine Anwendung zum einfachen Auffinden von Appleshare-Servern, den Network Browser, hinzugefügt. Dieser zeigt die verfügbaren Server wie in einem Appletalk-Netz an, ohne dass man die Server-Adresse kennen muss.

Dank SLP funktioniert das IP-File-Sharing problemlos. Wie in Appletalk-Netzwerken, zeigt der Network Browser die verfügbaren File-Server an. SLP ist kein damit neues Protokoll, sondern kam bereits in Appletalk in Form des sogenannten Name Binding Protocols (NBP) zum Einsatz. Dort registrieren sich alle Appletalk-fähigen Rechner und Geräte automatisch im Netzwerk und der Anwender kann mit dem Schreibtischprogramm "Auswahl" auf diese zugreifen.

Mac-OS 8.5 unterstützt nun das SLP-Protokoll in Form einer Anwendungsschnittstelle, die Apple Network Services Location (NSL) nennt. Die ersten Anwendungen, die auf die NSL-API zugriffen, waren der Web-Server Personal Web Sharing und die File-Sharing-Software Shareway IP von Open Door. Mac-OS 9 geht einen Schritt weiter und integriert SLP in das gesamte Betriebssystem. SLP wird nicht nur vom Network Browser, sondern auch von den Navigation Services und damit von jeder Anwendung, die von ihnen Gebrauch macht, unterstützt.

Martin Stein, leitender Redakteur und US-Korrespondent Macwelt

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