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"Mac-OS X 10.0 war nicht mehr als eine Beta-Version"

15.11.2001 | 00:00 Uhr |

Kevin Browne, Chef der Mac-Unit bei Microsoft, Redmont, sprach mit Macwelt über Mac-OS X, die neue Office-Version und die Schwierigkeiten, für Apples neues Betriebssystem Programme zu entwickeln

"Mac-OS X 10.0 war nicht mehr als eine Beta-Version"

Kevin Browne, Chef der Mac-Unit bei Microsoft, Redmont, sprach mit Macwelt über Mac-OS X, die neue Office-Version und die Schwierigkeiten, für Apples neues Betriebssystem Programme zu entwickeln

MW: Was sind die Ihrer Meinung nach vier wichtigsten Argumente für Office X?

Brown: Am wichtigsten ist, dass die Anwender nun unter Mac-OS X voll arbeitsfähig sind, ohne auf die Classic-Umgebung zugreifen zu müssen. Zum zweiten geht die Arbeit mit Office X nun wesentlich schneller und einfacher von der Hand. Nehmen Sie Powerpoint. Dort erhalten Sie nun gestochen scharfe Textzeichen, nicht mehr diese leicht körnigen Fonts wie bisher. Die Anwender können sich nun um ihre Arbeit kümmern und erhalten in Office X die nötigen Mittel. Als drittes ist die mehrfache Auswahl in Word ein echter Fortschritt. Das erleichtert die Bearbeitung von Texten enorm. Sie aktivieren Textpassagen unabhängig voneinander und weisen ihnen dann Formatierungen zu, alles sehr einfach. Als viertes möchte ich die Oberfläche von Entourage nennen. Sie ist komplett überarbeitet, an Aqua angepasst und macht das Arbeiten erheblich effizienter.

Macwelt: Aus Ihrer Sicht als Softwareentwickler, was sind die wesentlichen Verbesserungen in Apples neuem Betriebssystem?

Browne: Die Speicherverwaltung. Die lästigen "Out of memory"-Situationen, mit denen sich unsere Programmierer herumschlagen mussten, gehören nun der Vergangenheit an. Als Anwender hat man davon wenig bemerkt, aber für unsere Programmierer war dies ein echtes Problem: Word beispielsweise wird dafür verwendet, einen einseitigen Brief zu verfassen oder ein 800seitiges Handbuch mit Abbildungen und automatischem Index. Hier mussten unsere Entwickler auf alle möglichen Anforderungen Rücksicht nehmen und es hat viel Mühe gekostet, die Speicherprobleme in den Griff zu kriegen. Mit Mac-OS X ist dies Vergangenheit, dank der flexiblen Speicherzuweisung des Systems.

Macwelt: Und aus Sicht des Anwenders, wo liegen hier die größten Vorteile?

Browne: Stabilität. Das System stürzt nicht mehr ab. Natürlich werden auch Programme weiter Fehler enthalten, bestimmt ist auch Office nicht bis in die letzte Funktion und Situation ausgetestet und fehlerfrei. Aber wenn etwas passiert und eine Applikation sich verabschiedet, dann starten Sie sie wieder neu, und das war es im Wesentlichen. Für den Anwender ist das ein echter Fortschritt.

Macwelt: Office X ist im Großen und Ganzen eine Portierung der bestehenden Komponenten auf Mac-OS X. Was kommt als nächstes?

Browne: Stimmt, wir haben uns fast ein Jahr mehr oder weniger ausschließlich auf die Portierung für Mac-OS X konzentriert und wenig Neues entwickelt. Dies ist nun abgeschlossen und wir haben tausend Ideen, was wir als nächstes tun wollen. Unsere Kollegen vom Office-XP-Team haben einige interessante Dinge, die wir für den Mac auch gerne hätten. Insbesondere die "smart tags" sind eine interessante Geschichte. Sie beruhen auf der Erfahrung, dass die Anwender sehr häufig wiederkehrende Aufgaben ausführen. Nehmen wir an, Sie haben einen Text aus dem Internet und wollen den in ein fertig formatiertes Word-Dokument einfügen. Normalerweise müssen Sie den eingefügten Text nachträglich der Formatierung anpassen. Die "smart tags" merken, dass Sie einen anders formatierten Text einfügen und fragen nach, ob die Formatierung dem Dokument angepasst werden soll - das ist sehr hilfreich. Solche kontextsensitiven Funktionen hätten wir in der Mac-Version auch gerne. Ebenfalls auf der Wunschliste haben wir eine ausgefeiltere "Rückgängig"-Funktion für automatische Aufgaben. Automatische Formatierungen beispielsweise sind sehr hilfreich. Wenn Sie diese einmal aber nicht haben möchten, ist es recht kompliziert, die Formatierung rückgängig zu machen. Hier haben wir Vorstellungen, wie man das einfacher machen kann. Aber das sind nur zwei Beispiele, in Explorer und allen anderen Produkten wird sich noch viel tun.

MW: Office X läuft nur auf Mac-OS X Version 10.1. Weshalb nicht unter Version 10.0?

Browne: Mac-OS X 10.0 war nicht viel mehr als eine Beta-Version. Sie konnten damit nicht vernünftig drucken! Sie konnten nicht Hoch- und Querformat in einem Dokument ausdrucken, stellen Sie sich das für Word vor. Es gab keine Schnittstelle von Carbon zum Quartz-Layer, den wir eifrig nutzen. Mit Version 10.1 hat Apple einen großen Schritt voran getan, hat auf Entwickler, auch auf unsere, gehört, und die fehlenden Funktionen eingebaut. Auf Mac-OS X 10.0 hätten wir Office X nicht zum Laufen gebracht, auf Version 10.1 ist es prima.

MW: Das Release von Office X ist das erste für Mac-OS X. Wo sehen Sie die größten Probleme?

Browne: In erster Linie werden wir versuchen, mit den System-Updates von Apple Schritt zu halten. Was Office selbst betrifft, so haben wir noch Probleme beim Zusammenspiel der einzelnen Office-Komponenten. Apple hat die Zwischenablage komplett neu geschrieben, also mussten wir alles, was mit Kopieren und Einfügen zu tun hat, ebenfalls ummodeln. Das Drucken ist ebenfalls ein Thema, das uns weiter beschäftigen wird. In Word oder Powerpoint befasst sich ein großer Teil des Programm-Codes mit dem Drucken, mit Mac-OS X und immer neuen Druckertreibern wird uns das noch eine Weile beschäftigen. Auf System-Updates von Apple und eventuelle Fehler werden wir aber sehr schnell mit Bugfixes reagieren.

MW: Ihr persönliches Highlight in Office X?

Browne: Transparenzen. Die sind klasse und wir verwenden sie selbst schon fast zu häufig. Und sie sind nur am Mac zu haben. Unter Windows können Sie Transparenzen zwar darstellen, transparente Grafiken erstellen können Sie aber nur mit Office X für den Mac.

Das Interview führte Sebastian Hirsch

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