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Mac-OS X 10.2.4 verkürzt iBook-Laufzeit

17.03.2003 | 17:05 Uhr |

Mit dem jüngsten Systemupdate sahen sich iBook-Besitzer um ein wesentliches Feature beraubt, Steckdosen wurden wieder attraktiver. Abhilfe ist aber möglich.

München/Macwelt - Mac-OS X 10.2.4 raubt iBook-Besitzern die Batterieleistung. So die einhellige Meinung in einigen Threads der Diskussionsforen bei Apple oder Macfixit. Vor allem Besitzer der weißen iBook-Modelle, die zwischen Mai und November 2001 ausgeliefert wurden, sind scheinbar von signifikant kürzeren Batterielaufzeiten ihrer Mobilrechner betroffen. Hatte schon vorher die Anzeige der Restlaufzeit in der Menüleiste von Mac-OS X nur vage Anhaltspunkte über die tatsächliche Kapazität der Batterie geben können, ist jetzt teilweise von weniger als 40 Minuten oder gar nur 20 Minuten Laufzeit die Rede.

Falsche Fehler


Erste Versuche einiger Anwender gingen in Richtung: Parameter-RAM löschen, Combo-Update aufspielen oder Power Management zurücksetzen. Das Rücksetzen des PMU scheint dennoch nicht zum gewünschten Erfolg zu führen. Auch andere Troubleshooting-Maßnahmen fruchten nur wenig, oder sind nicht zu empfehlen. Einige iBook-Besitzer hatten gar die Batterie vollständig leer laufen lassen und dann wieder aufgeladen. Wir raten allerdings von diesem Vorgehen ab, da sich durch das vollständige Entladen des Lihtiumionen-Akkus dessen Lebenszeit verkürzt.

Prediction is a risky business


Dabei kämpft die Anzeige der Restlaufzeit mit den gleichen Problemen, wie jede andere Prognose auch: Aus einem nur etwa 30-Sekunden-Intervall mittelt eine Routine die CPU-Auslastung, Monitorhelligkeit und den Festplattenzugriff, um einen Quotienten aus diesem Durchschnitt und der aktuellen Batteriekapazität zu ermitteln, der die Restlaufzeit angibt. Nur scheint nicht in der linearen Hochrechnung das Problem des jüngsten Systemupdates zu liegen, sondern im Power Management Unit (PMU) - genauer dem Zusammenspiel mit dem Ladezustand der Batterie. Das Power Management steuert den Stromfluss im AC-Adapter, was sich am Leuchtring ablesen lässt: Sobald das PMU die maximale Kapazität der Batterie identifiziert schaltet sie den Adapter von orange (laden) auf grün (voll). Aus den Forumsbeiträgen geht hervor, dass die Ladezeit einer leeren Batterie auf rund acht Stunden ausgedehnt ist. Daraus lässt sich Schließen, dass die PMU die tatsächliche, physikalische Kapazität des Akkus nicht richtig erkennt und auch der Stromfluss zum Aufladen viel zu niedrig ausfällt. Die verkürzte Laufzeit resultiert dann daraus, dass die Batterie nicht vollständig aufgeladen ist.

Kapazität messen


Die zunächst logische Folge war eine massenhafte Umtauschaktion der Anwender, die noch Garantieansprüche auf ihren Geräten hatten. In Großbritannien sollen sogar die Lagervorräte von Apple an passenden Akkus aufgebraucht gewesen sein. Doch verspricht dies sicher nicht dauerhaft Abhilfe zu schaffen. Vor allem haben gerade deutsche Anwender aufgrund der damals nur einjährigen Garantiezeit ohnehin keinen Anspruch mehr auf Ersatz. Bevor deshalb nun die Kaufwut nach 150 Euro teuren Ersatzakkus los bricht, ist es ratsam, sich ein Bild vom tatsächlichen physikalischen Zustand der Batterie zu machen. Dabei helfen die Shareware XBattery oder die Freeware X-Charge . XBattery zeigt etwa in einem Histogramm den genauen Verlauf der Batterieauslastung an und zeigt auch in der "Raw Battery Info", wie viel Kapazität die Batterie maximal besitzt und wie deren aktueller Zustand ist. X-Charge besitzt eine recht übersichtliche Graph-Funktion, die den Stromverbrauch aufzeichnet. Die theoretischen Maximalwerte hat auch Apple in der Knowledge übersichtlich gelistet.

Shell hilft weiter


Alternativ lässt sich ein Terminalskript einsetzen (unter Mac-OS X 10.2.4 getestet)
Alle nötigen Werte für die Batteriekontrolle lassen sich in Unix über den Befehl "/usr/sbin/ioreg" ermitteln. Von www.macosxhints.com stammt folgendes Skript, das bei uns auf iBook und Powerbook einwandfrei funktioniert.

#!/bin/bash

[ -x /usr/sbin/ioreg ] && \
/usr/sbin/ioreg -p IODeviceTree -n "battery" -w 0 | \
sed -ne '/| *{/,/| *}/ {
s/^[ |]*//g
/^[{}]/!p
}' | \
awk '/Battery/ {
gsub("[{}()\"]","", $3)
gsub(","," ",$3)
split($3,ct," ")
# extract flag value and convert to hex
sub("Flags=","",ct[2])
str=sprintf("Flags=%d/0x%03x",ct[2],ct[2])
sub("Flags=[0-9]*",str,$3)
# get max and current charge levels
sub(".*=","",ct[4])
sub(".*=","",ct[5])
printf("%s [%.1f%%]\n",tolower($3),100üct[5]/ct[4])
}'

# EOF

Um es zu nutzen, kopieren Sie es aus dem Browser direkt ein offenes Dokumentfenster in Textedit, wählen den
Befehl "Format > In reinen Text umwandeln" und speichern es dann zum Beispiel im Ordner ~/Documents (also in Ihrem persönlichen Ordner für Dokumente. Starten Sie anschließend das Terminal, wechseln Sie mit dem Befehl "cd ~/Documents" (die Tilde erhalten Sie mit Wahltaste-N) in den Dokumentenordner und führen Sie dann den Befehl "chmod +x [vorhergewählter Dateiname]" aus. Erst dann lässt sich das Skript im Terminal ohne weiteres ausführen.

Gibt man dann den Befehl "./[vorhergewählter Dateiname]" ein (im folgenden Beispiel "battery.sh"), erhält man ein Zeile als Ergebnis:
[Walter-Mehls-Computer:~/Applications] wm% ./battery.sh
voltage=16832 flags=7/0x007 amperage=826 capacity=3947 current=3811 [96.6%]

Von links nach rechts gelesen, bedeutet diese Zeile:
Betriebsspannung 16,832 Volt
Flag 7 (= am Netzteil angeschlossen, Standardladevorgang)
Stromfluß: 0,826 Ampere
Theoretische Kapazität der Batterie: 3,947 Amperestunden (Ah)
Momentaner Ladezustand: 3,811 Amperestunden, entspricht einer zu 96,6 Prozent Batterie
Christian Rüb/Walter Mehl

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