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Mac-OS X Lion nimmt Gestalt an

12.05.2011 | 10:17 Uhr |

Apple hat Ende März die zweite Vorabversion von Mac-OS X Lion veröffentlicht. Sichtbaren Änderungen wie dem Terminplaner aus "Leder" stehen weitreichende Umbauten hinter den Kulissen gegenüber - zum Beispiel die Funktion "Autosave", die jedes Dokument automatisch sichert

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Noch gilt das Wort von Steve Jobs: "Sommer 2011" wird die nächste Version des Mac-Betriebssystems auf den Markt kommen. Es heißt " Mac-OS X Lion " und steht unter dem Motto: "Zurück zum Mac" - sprich: Funktionen, die es heute am iPhone und iPad gibt, sollen auch am Mac die Bedienung vereinfachen.

Seit Ende März ist " Developer Preview 2 " erhältlich; diese "Vorschau für Entwickler" bringt unter anderem offensichtliche Änderungen bei Mail und der Kalendersoftware iCal mit sich. Der Kalender iCal etwa zeigt sich mit einem Rand aus "Leder", darunter sind "ausgerissene Kalenderblätter" erkennbar. Ob diese und andere Spielereien erhalten bleiben, ist aber im Moment unklar.

Finden leicht gemacht

Das Programm Finder gibt es noch - allerdings wird man es mit Lion seltener benötigen. Denn dieses Betriebssystem "merkt" sich auf Wunsch, welche Programme aktiv und welche Dateien geöffnet sind. Setzt man ein kleines Häkchen, wenn man den Mac ausschaltet oder wenn man sich abmeldet, dann öffnet Lion nach dem nächsten Neustart (oder bei der nächsten Anmeldung) exakt dieselben Programme und Dateien wieder.

Entwickler müssen dafür aber Änderungen an der jeweiligen Software vornehmen, sonst wird der heute bekannte Mechanismus ausgelöst: Wenn die Änderungen an einer Datei nicht gesichert wurden und man versucht, den Mac auszuschalten, dann wird diese Datei in den Vordergrund gebracht und die jeweilige Software fragt, ob man die Änderungen sichern, nicht sichern oder den ganzen Vorgang abbrechen möchte.

Umgekehrt zeigt die neue Version von Textedit wie die Zukunft aussieht: Selbst wenn man Änderungen in Textedit nicht speichert und den Mac ausschaltet, wird das Dokument beim nächsten Neustart automatisch wieder geöffnet - ohne dass etwas verloren geht.

Schönere Übersicht im Finder und bei Spotlight

Apple hat die Vorschau für Bilder, Dokumente und PDF-Dateien dezent modernisiert. Neu sind ein dezenter weißgrauer Hintergrund und die Taste "+", die das Fenster auf die optimale Größe bringt. Aufgerufen wird diese Funktion "Übersicht" wie bisher: Man wählt eine oder mehrere Dateien aus und ruft dann im Finder den Befehl "Ablage > Übersicht von ..." auf oder greift zur Tastatur: "Leertaste" oder "Befehlstaste-Y".

Wirklich praktisch ist diese Übersicht bei der Suche mit "Spotlight" (der kleinen Lupe rechts oben in der Menüzeile von Mac-OS X). Kann Spotlight etwas Passendes zu dem Suchbegriff finden, sieht man in der Ergebnisliste von Lion eine Unterzeile, die beispielsweise bei E-Mails den Text vor und nach dem gefundenen Begriff zeigt. Lässt man die Maus auf einem Eintrag stehen, zeigt Spotlight eine Vorschau der Fundstelle in einem eigenen Fenster - zum Beispiel die komplette E-Mail-Nachricht oder sämtliche Informationen, die zu einer bestimmten Person im Adressbuch eingetragen worden sind.

Seitenweise Vollbildmodus

Rechts oben haben die Fenster von Programmen unter Lion (wenn der Hersteller die entsprechende Funktion aktiviert) einen Knopf mit Doppelpfeil. Ein Klick darauf vergrößert das Fenster auf die volle Bildschirmgröße. Die Menüzeile oben, das Dock und der Schreibtisch werden unsichtbar. Um zur vorigen Fenstergröße zurückzukommen, muss man die Tastenkombination "Befehl-Wahltaste-F" drücken oder die Maus ganz nach oben schieben und ganz rechts in der (dann sichtbaren) Menüzeile auf den Knopf mit dem Doppelpfeil klicken.

In Mail und in Safari macht sich dieser Vollbildmodus gut. Man liest ungestört E-Mails oder Internet-Seiten. Interessant ist dabei, dass dieser Vollbildmodus pro "Dokument" gilt. Sprich: Wer in Safari drei Fenster öffnet und einmal auf den Knopf klickt, hat eines der Fenster auf Vollbild vergrößert. Die anderen Fenster behalten ihre normale Größe und werden erst sichtbar, wenn man Vollbild wieder ausschaltet oder auf einem Trackpad mit drei Fingern nach rechts streicht. Mit dieser Fingerbewegung wird der Schreibtisch wieder sichtbar, das eine Fenster bleibt aber im Vollbildmodus - wechselt man beispielsweise zurück zu Safari , sind Schreibtisch und Finder wieder unsichtbar. Das gleiche gilt für Vorschau: Wer mehrere PDF-Dokumente öffnet, kann eines oder alle im Vollbildmodus betrachten, der Finder aber ist dann nur über die Fingerbewegung oder über den Programmwechsel mit der Tastenkombination "Befehlstaste-Tab" wieder erreichbar.

Es geht ohne Mac App Store

Der Mac App Store gehört seit Mac-OS X 10.6.6 zum Betriebssystem und bleibt es in Lion - das Symbol dafür ist prominent im Dock und als Texteintrag in der Menüzeile unter dem Apfel sichtbar. Allerdings besteht weiter kein Zwang dazu, Software in diesem Online-System zu kaufen. Wer will, kann wie bisher eine Software von CD installieren und sie anschließend auf jedem der bisher bekannten Wege starten: Im Finder ein Fenster öffnen, in den Ordner "Programme" wechseln und doppelt auf das Symbol klicken. Oder in Spotlight nach der Software suchen und in den Fundstellen den Eintrag auswählen. Oder auf das Symbol im Dock klicken - so vorhanden.

Eine Einschränkung gibt es allerdings: Wer eine Software nicht im Ordner "Programme" und dessen Unterordner installiert, sieht diese Software nicht in Launchpad. Launchpad ist eine neue "App" im Dock von Lion, die man auch mit vier Fingern starten kann: Launchpad blendet alle Programme und deren Fenster aus. Sichtbar sind dann nur noch das Dock und darüber - wie auf dem Bildschirm von iPhone & Co. - die Symbole aller Programme und darunter deren Name. Wer beispielsweise ein Programm auf den Schreibtisch legt (und nicht in den Ordner "Programme") und dann Launchpad aufruft, wird vergeblich nach diesem Pro-gramm suchen - es ist in Launchpad nicht sichtbar.

Selbstverständlich kann man aber ein Programm in einem beliebigen Ordner unterbringen und dessen Symbol dann ins Dock ziehen. Ein Klick auf das Dock genügt und das Programm startet.

Software muss sich anpassen

Die meiste heute erhältliche Software sollte unter Mac-OS X Lion funktionieren. Die Ausnahmen erklären wir rechts (siehe "Keine Power-PC-Programme mehr"). Solange die Hersteller aber nicht an Lion anpassen, werden wir mehrere unterschiedliche Fenster und Schieberegler sehen. Die Beispielbilder zeigen den Unter-schied: Textedit blendet unter Lion rechts am Fensterrand schmale graue Scrollbalken ein; außerdem kann man die Größe des Fensters an allen vier Seiten ändern. Eine ältere Software wie Barebones Textwrangler dagegen zeigt die gewohnten blauen Scrollbalken und die Fenstergröße lässt sich nur an der rechten unteren Ecke ändern.

Das gleiche gilt für die neuen (und gewöhnungsbedürftigen) Schieberegler, die die Apple-Entwickler beispielsweise in den Systemeinstellungen verwenden. Bisher zeigt der blaue Hintergrund an, welche Kategorie ausgewählt ist. Künftig sieht man stattdessen eine Art Schieberegler, der mit hellen (ausgewählt) beziehungsweise dunklen Farben anzeigt, welche Kategorie gerade sichtbar ist.

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