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Mac OS X: Mit Apple im Raubtierkäfig

07.01.2013 | 09:56 Uhr |

Dass es 2013 einen Nachfolger für OS X 10.9 geben wird, ist leicht zu erraten. Wie Apple sein Betriebssystem weiterführt, schon deutlich schwieriger. Wir haben es trotzdem versucht.

Ein knappes halbes Jahr ist vergangen, seit Apple im vergangenen Juli die neueste Version seines Desktop-Betriebssystems Mountain Lion auf den Markt brachte. Der Mac-Hersteller folgt seit OS X 10.7 Lion zwei Vorgaben: die Entwicklungszyklen zu verkürzen sowie OS X und iOS enger miteinander zu verzahnen. Eine wichtige Rolle dabei spielt der Internet-Synchronisierungsdienst iCloud.

Alles Wolke?

Ohne iCloud wären viele der Neuerungen von Mountain Lion nicht denkbar gewesen: keine geteilten Browsertabs und Leselisten, keine synchronen Notizen oder auch keine Dokumente in der Cloud. Ja, Apple hat es in diesem Jahr tatsächlich geschafft, seine Büroprogramme Pages, Keynote und Numbers in die iCloud zu bringen . Leider hat es Apple dabei versäumt, die iOS-Versionen von iWork vollständig mit den Desktopversionen kompatibel zu machen. Erst mit dem Release von Mountain Lion und einem jüngst erschienenen Update aller iWork-Programme hat Apple hier deutlich nachgebessert.

Was noch immer fehlt, ist ein größeres Update der iLife-Programme für OS X. iPhoto hängt inzwischen gemeinsam mit sämtlichen iPhones und iPads im iCloud- Fotostream . Aber eine vollständige iCloud-Integration von iLife steht nach wie vor aus. Das Problem dabei: Stellen Sie sich vor, sie wollten ein zwei Gigabyte großes iMovie-Projekt von Ihrem Mac auf ein iPad synchronisieren. Schnelles und effizientes Arbeiten wäre in einer solchen Situation kaum noch denkbar. Es ist gut möglich, dass Apple iLife auf der WWDC in diesem Jahr thematisieren wird – wohl mit einer Hybrid-Lösung: Während große Rohdaten auf dem Mac verbleiben, könnte man über iCloud nur noch die Projektdaten in komprimierter Form teilen und so zügig weiterarbeiten.

Wunschliste für OS X

  • Einen Nachfolger für HFS/HFS+. ZFS galt noch auf der WWDC 2008 als Nachfolger, bis Apple es Ende 2009 aufgab. Seitdem ist nichts passiert

  • Ein Ende der DS_Store-Dateien

  • Upgrades für Open GL. Gerade jetzt, wo die Spiele-Industrie den Mac entdeckt, ist das nötig

  • Übergreifendes Suchen/Ersetzen oder Kopieren/Einfügen für Text auch am Mac. Bei iOS hat Apple gezeigt, dass das funktioniert

  • iBooks oder einen Zeitungskiosk für Mac

  • Eigene Apps für Musik, Videos und Podcasts im Mac App Store

  • Apple-Widgets als OS-X-Apps

  • „Back to the Roots“ für iTunes und iPhoto. Beide Programme haben simpel angefangen und blähen sich so auf, dass sie die Aufgabe, Musik und Fotos einfach zu verwalten, nicht mehr erfüllen

Siri, wo geht es lang?

In den letzten Wochen von 2012 sind in Google-Analyse-Berichten zum Webtraffic einiger amerikanischer Apple-Blogs erstmals Systeme mit einem Mac-Betriebssystem „10.9“ aufgetaucht , der Nachfolger von Mountain Lion scheint sich also bereits in einer frühen Testphase zu befinden. Apple wird wohl seinen mit Lion eingeschlagenen Rhythmus, jährlich ein Update des Betriebssys­tems zu veröffentlichen, auch 2013 beibehalten. Vieles spricht dafür, dass OS X 10.9 bereits zu Beginn des Jahres angekündigt wird, um dann Mitte 2013 über den Mac App Store zu erscheinen. Zu neuen Funktionen in OS X 10.9 ist wenig bekannt. Da Apple aber bereits in Mountain Lion eine auf Siri-Technik basierte Diktierfunktion eingebaut hat, wird die Sprachassistentin wohl mit dem nächsten OS X ihren Weg auf die Macs finden – auf welche, bleibt abzuwarten. Angesichts der Update-Politik bei Siri auf dem iPhone ist nicht auszuschließen, dass nur 10.8 und 10.9 die Sprachfunktion erhalten.

Neben Siri dürfte mit Apples Kartendienst ein weiteres Großprojekt auf dem Mac ankommen. Nachdem Apple mit dem Start der Karten-App viel Häme erntete , weil das Kartenmaterial ungenau war, „Points-of-Interest“ fehlten oder falsch verortet waren und schließlich die Kundenkommunikation nach der Veröffentlichung von iOS 6 alles andere als optimal war, böte eine Veröffentlichung der Apple-Karten-App für OS X eine ideale Möglichkeit für einen eleganten Neustart des gesamten Kartenprojekts. Der könnte dann so aussehen, dass Apple in den nächsten Monaten durch Zukäufe oder tiefer gehende Kooperationen mit Technologiepartnern (Stichwort: Yelp! Für Points-of-Interest oder Gastronomie/ Kunst/ Kultur) für eine Verbesserung des Kartenmaterials und der Satellitenansichten sorgt und ähnlich wie Google auch die Verkehrslage in das interne Navigationssystem einbaut. Auch der mehr als langwierige und umständliche Korrekturvorgang für Nutzer kann ein Update vertragen.

Apple OS 11

Große und revolutionäre Veränderungen für OS X erwarten wir für 2013 nicht. Apple wird eher versuchen, die Integration von iOS und OS X über iCloud behutsam auszubauen und an der Leistung des gesamten Dienstes zu arbeiten. Eine Fusion von OS X und iOS hingegen erscheint unwahrscheinlich und zum jetzigen Zeitpunkt wenig praktikabel. Das Paradebeispiel hierfür: Microsoft. Der Softwarekonzern hat mit Windows 8 unter Beweis gestellt, dass sich ein einziges OS für alle Endgeräte nicht ohne Abstriche für die eine oder andere Plattform umsetzten lässt. Es ist vorstellbar, dass Apple in einigen Jahren den Schritt unternimmt und mobile wie Desktop-Systeme komplett zusammenbringt oder in eine völlig neue Form überführt. Doch so lange eine Vielzahl von Anwendern mit Maus und Tastatur vor dem Bildschirm sitzt, wird ein genau an diese Bedürfnisse angepasstes Betriebssys­tem jedes Touch-Interface im Desktop-Bereich schlagen.

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